Elektrische Elfe Japan baut das Robo-Model

Während man hierzulande noch nach Germany's Next Topmodel sucht, hat man es in Japan bereits gefunden. Die Traumfrau der Zukunft ist dort 1,58 Meter groß, wiegt 43 Kilo und braucht vor allem eines: Eine voll aufgeladene Batterie.


Sie soll der Star künftiger Fashion-Shows werden, ihr erster öffentlicher Auftritt ist für kommende Woche geplant. Der Name der Dame: HRP-4C. Wie diese Bezeichnung verrät, handelt es sich nicht um ein Supermodel, das seinen Körper täglich im Fitnessstudio stählen oder überzählige Pfunde abhungern müsste. HRP-4C ist eine Roboterdame und muss, wenn überhaupt, höchstens darauf achten, sich nicht zu weit von der nächsten Steckdose zu entfernen.

Am Montag wurde HRP-4C am Nationalen Institut für Fortgeschrittene Industriewissenschaft und Technik bei Tokio vorgestellt. Der Körper des elektrischen Laufstegwunders wurde aus silberfarben und schwarz eingefärbten Kunststoffteilen auf einem Metallskelett zusammengeschraubt und soll den Maßen einer durchschnittlichen Japanerin entsprechen.

Besonders viel Mühe gaben sich ihre Entwickler damit, HRP-4C ein möglichst ansprechendes Gesicht zu geben. Optisch orientierten sich die Techniker dabei an den Idealen, die von Manga-Comics vorgegeben werden: Kleine Nase, große Augen, pechschwarzes Haar.

Elektrisches Lampenfieber beim ersten Auftritt

Vor allem aber haben sie versucht, der Blechkameradin zu einer halbwegs glaubhaften Mimik zu verhelfen. Rund ein Viertel der gut 40 Motoren, von denen ihre Gliedmaßen bewegt werden, wurden für das Gesicht verwendet. Die übrigen sollen dafür sorgen, dass die Roboterdame ebenso elegant über den Catwalk laufen kann, wie ihre Kolleginnen aus Fleisch und Blut. Rund 200 Millionen Yen, knapp 1,6 Millionen Euro, hat die Entwicklung von HRP-4C gekostet.

Bei der Präsentation des elektrischen Models zeigte sich dann aber sehr schnell, dass die empfindliche Elektronik hinter dem schönen Gesicht ebenso leicht nervös wird wie manch echtes Model: Als die anwesenden Fotografen HRP-4C mit einem Blitzlichtgewitter überzogen, entglitten ihr die Gesichtszüge. Statt zu lächeln wie befohlen, starrte sie mit vor Erstaunen geöffnetem Mund die Reporter an.

Schuld an dem Fehlverhalten sei eine Überlastung der Sensoren für optische und akustische Signale, mit deren Hilfe sich die Mensch-Maschine normalerweise orientieren soll. Diesen Fehler allerdings sollten die Forscher schnellstens abstellen. Denn wenn HRP-4C am 23. März zum ersten Mal den Laufsteg entert, um neue Mode vorzuführen, dürfte sie erneut im Blickpunkt der Fotografen stehen.

mak



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