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Entkoppelt: Windows 7 ohne Internet Explorer

Microsoft kommt Forderungen der EU-Kommission nach: Win7 wird in Europa ohne den Internet Explorer ausgeliefert. Doch die Kommission fühlt sich missverstanden. Keinen Browser dazu zu packen, sei auch keine Lösung, heißt es aus Brüssel. Die EU will keinen Verzicht, sondern "eine Auswahl".

An der Frage, ob Microsoft seine Marktmacht missbraucht habe, indem es seinen Internet Explorer an das Betriebssystem Windows koppelte, ist der mächtige Softwarekonzern einst fast zerbrochen: Dass der Internet-Spätstarter Microsoft auf diese Weise einen ganzen Markt aufrollte und okkupierte, ging als "Browser-War" zu Lasten des einstigen Marktführers Netscape in die Wirtschaftsgeschichte ein. Die resultierenden Kartellverfahren in den USA und Europa kosteten Microsoft Milliarden. Zeitweilig war das Unternehmen bedroht, deshalb in zwei Teile zerschlagen zu werden.

Am 22. Oktober 2009 kommt nun Windows 7, der Nachfolger des glücklosen Betriebssystems Windows Vista, in den Verkauf. In Europa will Microsoft, ganz gebranntes Kind und geläuterter Sünder, dabei mögliche Klagen vermeiden: Anders als in den USA, wo Microsoft wieder weitgehend frei agieren kann, sieht die EU-Kommission Microsoft weiter streng auf die Finger - hier sind die Kartellverfahren gegen die Firma noch nicht beendet. Der Vorwurf gegen Microsoft: Das gekoppelte Angebot von Betriebssystem und Explorer verstoße gegen EU-Wettbewerbsregeln.

Microsoft reagiert darauf gehorsam: Um dem europäischen Wettbewerbsrecht zu entsprechen, werde Windows 7 ohne das vorinstallierte Browser-Programm Internet Explorer verkauft, teilte der US-Konzern Microsoft am Donnerstag mit. Der Internet Explorer solle den Nutzern in Europa stattdessen gesondert in einer leicht zu installierenden Version angeboten werden. Dies sei zwar keine Ideallösung, aber angesichts des laufenden Verfahrens in Europa der beste Weg, teilte der Konzern mit.

Kommission kritisiert Microsofts Gehorsam

Das aber schmeckt den EU-Wettbewerbshütern auch nicht so recht, die Kommission fühlt sich missverstanden. Zwar bestehe der Verdacht, dass die bisherige Verknüpfung von Windows mit der Browser-Software den Wettbewerb verzerre, erklärte die Kommission am späten Donnerstagabend in einer Pressemitteilung. Die Lösung sei aber nicht, gar keinen Browser, sondern eine Auswahl von Browsern anzubieten.

Zu begrüßen sei dagegen, dass Microsoft Computer-Herstellern offenbar eine solche Auswahl ermöglichen wolle, heißt es in der Mitteilung weiter. Dies würde indirekt auch den Verbrauchern zugute kommen, da die meisten PC direkt zusammen mit Windows verkauft werden. Es werde aber noch geprüft, ob dieses Zugeständnis des Software-Herstellers ausreiche, betonte die Kommission. Eine endgültige Entscheidung werde in Kürze fallen.

Die Brüsseler Wettbewerbsbehörde war 2004 bereits gegen die Verknüpfung von Windows mit der Musik- und Video-Software Media Player vorgegangen. Nachdem der Europäische Gerichtshof (EuGH) der Kommission in diesem Fall Recht gab, eröffneten die Wettbewerbshüter im Januar 2008 ein weiteres Verfahren wegen der Koppelung von Windows mit dem Internet Explorer und verschiedenen Büroprogrammen.

Microsoft Windows in seinen verschiedenen Varianten ist mit knapp über 90 Prozent Marktanteil nach wie vor das beherrschende Betriebssystem auf dem Markt für Privatrechner und Büro-PC.

Bei Browsern sieht es dagegen anders aus. Obwohl der Internet Explorer bisher grundsätzlich vorinstalliert war, entschieden sich in den letzten Jahren immer mehr PC-Nutzer für Konkurrenzprodukte wie Firefox, Opera oder zuletzt Chrome. In Deutschland hat Firefox bei der privaten Nutzung den Internet Explorer als beliebtesten Browser mittlerweile abgelöst, europaweit ist er auf dem Weg dorthin. Die Zeiten des erfolgreichen Browser-Monopols sind vorbei - trotz Koppelung an das Betriebssystem.

pat/AFP/AP

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