Explorer-Herausforderer: Firefox 1.0 steigt in den Ring

Seit heute ist der Open-Source-Browser Firefox offiziell erwachsen - das Preview-Stadium ist vorbei. Die 1.0-Version überzeugt als schneller, schlanker und individuell konfigurierbarer Browser. Microsoft setzt derweil auf Add-Ons, um den funktional unterlegenen Internet Exporer aufzuhübschen.

Firefox: "Unser Browser wird immer mehr zum Mainstream"

Firefox: "Unser Browser wird immer mehr zum Mainstream"

19 Monate lang tüftelte die weltweite Mozilla-Community an dem neuen Browser. Seit heute morgen ist er fertig: Firefox 1.0 steht auf den Mozilla-Servern zum Download bereit, selbstverständlich kostenlos, schließlich handelt es sich um ein Open-Source-Produkt.

Über fehlende Vorschusslorbeeren brauchen sich die Firefox-Macher nicht zu beklagen. IT-Experten lobten den schlanken, schnellen Browser bereits in der Vorversionen. Er unterstützt in einem Fenster mehrere Tabulatoren (Tabbed Browsing), bindet diverse Suchfunktionen ein, blockt Pop-ups und ermöglicht eine intelligente Passwortverwaltung.

Als Preview-Version brachte es der Browser auf acht Millionen Downloads. Die nun veröffentlichte 1.0-Ausgabe dürfte diese Zahl weit übertreffen - nicht zuletzt, weil der Browser den Angriff auf den Marktführer Internet Explorer wagen will. Firefox und der Mutterbrowser Mozilla sind längst keine Programme mehr für IT-Freaks und Open-Source-Jünger allein. In Punkto Bedienung und Schlichtheit kann sich der Explorer mehr als nur eine Scheibe von Firefox abschneiden.

"Unser Browser wird immer mehr zum Mainstream", sagte denn auch Mitchell Baker, Präsident der Mozilla Foundation gegenüber den Newsdienst Cnet. Die Menschen würden begreifen, dass der Browser, den sie auf ihrem Rechner fänden, nur einen Startpunkt markiere und keinen Endpunkt.

Veröffentlicht wurde die 1.0-Version parallel in 14 Sprachversionen, darunter auch Deutsch. Gerade mal 4,5 Megabyte ist die Installationsdatei groß. Die Version unterscheidet sich von der letzten Preview-Variante vor allem durch korrigierte Fehler (Bug-Fixes) und eine bessere Unterstützung von Links, die über andere Programme geöffnet werden. Hier hat der Surfer jetzt die volle Gewalt darüber, ob die Seite in einem neuen Tab, einem existierenden Tab oder einen neuen Fenster angezeigt werden soll.

Um Firefox noch einmal richtig Schwung zu geben, haben seine Fans in den USA mehr als 250.000 US-Dollar zusammen getragen, mit denen ganzseitige Anzeigen in der "New York Times" finanziert werden sollen. Auch in Deutschland plant die Kampagne "Firefox kommt" eine ganzseitige Anzeige. Das erforderliche Geld ist bereits vorhanden: 40.000 Euro wurden gespendet, die meisten Geldgeber favorisieren überraschenderweise ein konservatives Umfeld für die Anzeige: 56 Prozent stimmten für die "Frankfurter Allgemeine".

Ob Firefox den Browsermarkt tatsächlich durcheinander wirbeln kann, werden die nächsten Monate zeigen. Der Markt wird klar vom Internet Explorer dominiert, der es auf rund 90 Prozent Marktanteil bringt. Microsofts Browser gerät jedoch immer wieder wegen auftretender Sicherheitslöcher in die Kritik, viele IT-Experten raten sogar generell davon ab, den Explorer zum Surfen einzusetzen.

Auch wenn belastbare Statistiken kaum möglich sind, so scheint Firefox immer mehr Freunde gefunden zu haben. Seit fünf Monaten, sagen die Experten beim Web-Marktforschungsunternehmen WebSideStory, verliere Microsofts Internet Explorer nun schon Marktanteile an Mozilla respektive Firefox, denn auch der wird in der Zählung als Mozilla ausgewiesen. Nach Jahren des Stillstands tut sich tatsächlich etwas auf dem Browsermarkt - langsam, aber stetig.

Dabei stand es anfangs gar nicht so gut um das Mozilla-Projekt. 1998 entschied Netscape, den Code seines ehemals marktbeherrschenden Browsers unter der Open-Source-Lizenz zu veröffentlichen. Die ersten Ausgaben der Mozilla-Suite, zu der auch ein Mail-Programm gehört, fanden jedoch kaum Anhänger. Zu überfrachtet kam das Programm daher und bot kaum eine attraktive Alternative.

Doch von Version zu Version wurde Mozilla stabiler und besser. Nur das Größenproblem ließ sich nicht lösen. So beschloss die Entwickler-Community, aus Mozilla heraus einen kleinen, flotten Browser zu bauen. Nach knapp zwei Jahren kann das Ergebnis auf Windowssystemen, Mac OS und unter Linux besichtigt werden.

Obwohl Microsoft einen riesigen Vorsprung besitzt, scheint man sich in Redmond doch einige Sorgen um den Internet Explorer zu machen. Vor wenigen Tagen startete der Software-Gigant eine Übersichtsseite, um Explorer-Nutzern schnellen Zugriff auf verfügbare Add-Ons von Drittanbietern zu geben. Dort finden sich dann Dinge wie ein Pop-up-Blocker oder ein Tabbed-Browsing-Tool, die bei Firefox und Mozilla längst Standard sind.

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Netzwelt
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Tech
RSS
alles zum Thema Firefox
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2004
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback

Anzeige
  • Christian Stöcker:
    Spielmacher

    Gespräche mit Pionieren der Gamesbranche.

    Mit Dan Houser ("Grand Theft Auto"), Ken Levine ("Bioshock"), Sid Meier ("Civilization"), Hideo Kojima ("Metal Gear Solid") u.v.A.

    SPIEGEL E-Book; 2,69 Euro.

  • Einfach und bequem: Direkt bei Amazon kaufen.