Familien im Netz Papa kennt sich aus

In den Niederlanden hat fast jede Familie mit Kindern einen Internetanschluss. Eine Studie in dem verdrahteten Land ergab jetzt: Die Computerexperten in der Familie sind nicht die Jugendlichen, wie man das vermuten könnte - sondern der Papa.


Vater ist immer noch der Beste - zumindest in den Niederlanden und wenn es um die Nutzung der Computer in der Familie geht. Die auch in Deutschland oft geäußerte Vermutung, dass Jugendliche bei der Computernutzung ihren Eltern etwas voraus hätten, ist einer jetzt veröffentlichten Untersuchung zufolge doch recht übertrieben. Jungen und Mädchen sind demnach zwar in einigen technischen Aspekten besser, aber bei alltäglichen Dingen wie der Nutzung von Suchmaschinen, ist der Generationenunterschied doch recht klein.

Kinder am PC: Instant-Messaging und Unterhaltung
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Kinder am PC: Instant-Messaging und Unterhaltung

Wenn es um kompliziertere Dinge wie die Installation eines neuen Betriebssystems, den Einsatz von Anti-Viren-Software oder den Einbau neuer Festplatten geht, liegen sogar die Väter vorn. Die Koautorin der Studie, Marion Duimel, erklärte, dass Jugendlichen die besseren Fähigkeiten am Rechner zugeschrieben würden, liege vor allem daran, dass sie sich schneller durch die Menüs klicken, dass sie mehr Zeit online verbringen und dass sie die verschiedensten Kommunikationstechniken vom Mobiltelefon über SMS und Instant Messaging bis zur E-Mail scheinbar mühelos in ihren Alltag integrierten.

"Jugendliche beschäftigen sich im Internet vor allem mit Kommunikation und Unterhaltung, wohingegen ältere Nutzer eher an praktischen Dingen interessiert sind wie der Suche nach Informationen oder Finanzgeschäften", erklärte Duimel. So nutzten fast alle Jugendlichen Instant-Messaging-Programme, was ihre Eltern kaum machten. Auf der anderen Seite "verstehen nur wenige Teenager etwas vom Online-Banking", erklärte Duimel.

Der Untersuchung zufolge haben in den Niederlanden 98 Prozent der Familien mit Kindern einen Computer mit Internetanschluss zu Hause. Für die vom niederländischen Wirtschaftsministerium geförderte Studie wurden 2005 und 2006 1.561 Teenager und 1.080 ihrer Eltern befragt. Die Väter sind demnach vor allem für die Behebung von Hardware-Problemen zuständig, während die Kinder den anderen Familienmitgliedern erklären, wie etwas funktioniert.

Jungen schnitten zwar in fast allen Kategorien gut ab, Mädchen waren aber besser, wenn es um die Textverarbeitung und die Verbindung von Text und Bildern geht. Die Mütter bildeten fast überall das Schlusslicht, bei ihnen war es auch am wahrscheinlichsten, dass sie den Computer gar nicht nutzen. "Das betrachten wir schon als Problem", sagte Duimel. Aber früher seien es ja auch meist die Väter gewesen, die den Videorekorder programmiert hätten.

Von Toby Sterling, AP



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