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Firefox-Mastermind Blake Ross: "Die Welt wäre besser dran, wenn Google mehr Einfluss hätte"

Blake Ross ist das Mastermind bei der Entwicklung des alternativen Webbrowsers Firefox. Im Interview mit SPIEGEL ONLINE spricht der 19-Jährige über die Konkurrenz durch Microsofts Internet Explorer, die Zukunftsaussichten für sein Projekt - und warum er sich mehr Einfluss für Google wünscht.

Blake Ross: Auf dem Weg zur Mutter aller Browser - oder zum Browser für die Mutter
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Blake Ross: Auf dem Weg zur Mutter aller Browser - oder zum Browser für die Mutter

SPIEGEL ONLINE

: Herr Ross, Sie gelten als geistiger Vater des Firefox-Projektes. Der Browser gilt inzwischen als größte Konkurrenz für Microsofts Internet Explorer. Sehen Sie Firefox noch immer als Underdog oder als mittlerweile etablierte Kraft?

Blake Ross: Wir sind noch immer der Underdog. Aber Firefox spielt mittlerweile in der ganz großen Liga mit. Hobbyprojekte haben keine 45 Millionen Downloads in weniger als sechs Monaten.

SPIEGEL ONLINE: Wie wichtig ist der deutsche Markt für Firefox?

Ross: Deutschland ist einer unserer größten Märkte und wir arbeiten sehr hart daran, unser Produkt auf die Bedürfnisse unserer deutschen Nutzer zuzuschneiden.

SPIEGEL ONLINE: Im Vergleich zu anderen Ländern liegt der Marktanteil von Firefox in Deutschland bereits jetzt deutlich höher. Woran liegt das?

Ross: Europa scheint der Open-Source-Idee viel aufgeschlossener gegenüberzustehen als die USA. Ich bin nicht sicher, woran das liegt. Die Energie und Leidenschaft, die von unseren deutschen Fans kommt, ist erfrischend und wird sehr geschätzt.

SPIEGEL ONLINE: Wo sehen Sie Firefox in drei Jahren?

Ross: Firefox wird die Messlatte für intuitive Software immer höher legen, so lange, bis mir meine Mutter keine einzige Frage mehr stellen muss, wenn sie im Internet surft. Ich denke, dass Firefox in drei Jahren dort sein wird, wo er jetzt schon ist: An der Spitze des Webs, auf der Suche nach neuen Wegen, um alte Sachen einfacher zu machen - und weiter dabei, mit seinem eleganten Design neue User zu gewinnen.

SPIEGEL ONLINE: Werden Sie dann immer noch am Projekt mitarbeiten?

Ross: Ich habe vor langer Zeit aufgehört vorherzusagen, wo ich in ein paar Jahren - ganz zu schweigen von ein paar Wochen - sein werde. Schließlich war ich vor drei Jahren noch in der Highschool und wollte Journalist werden.

SPIEGEL ONLINE: Werfen wir einen Blick auf die Konkurrenz. Wo sehen Sie Microsofts Internet Explorer (IE) in drei Jahren?

Ross: Ich kann nicht vorhersagen, wo der IE in drei Jahren ist. Vor drei Jahren war er jedenfalls genau derselbe, der er heute ist. Angesichts des Erfolgs von Firefox hat sich Microsoft entschlossen, den Start der neuen Version des IE vorzuziehen. Deswegen werden wir jetzt sicherlich einige Verbesserungen sehen. Trotzdem wünschte ich mir, Microsoft würde seine Entwicklungsarbeit an seinen Kunden und nicht an seinen Konkurrenten ausrichten. Ich bin mir sicher, dass auch die Kunden selbst das so sehen.

SPIEGEL ONLINE: Die Entwicklung von Firefox und das Korrekturlesen des Programmcodes werden immer komplizierter. Kann das Projekt in seiner jetzigen Struktur die Entwicklung im Griff behalten?

Ross: Ja. Menschen, die ihre Motivation aus ihrer Leidenschaft beziehen, können alles erreichen.

SPIEGEL ONLINE: Die Mozilla-Foundation, die auch die Entwicklung von Firefox trägt, hat unlängst bekannt gegeben, dass sie die Mozilla-Suite - ein Programmpaket aus Webbrowser, E-Mail-Programm und anderen Werkzeugen - nicht weiterentwickeln will. Beeinflusst das die Weiterentwicklung von Firefox?

Ross: Diese Entscheidung beeinflusst die Entwicklung von Firefox eigentlich nicht.

SPIEGEL ONLINE: Unlängst veröffentlichte Zahlen legen nahe, dass die Nutzerzahlen von Firefox langsamer wachsen als bisher...

Ross: Jetzt, wo Firefox im Mittelpunkt des öffentlichen Interesses steht, tut die Presse alles, um Neuigkeiten zu berichten - selbst wenn es gar keine gibt. Das Wachstum von Firefox hat sich genau genommen kaum verlangsamt. Wir liegen immer noch bei 300.000 Downloads am Tag. Wenn Sie das in ein Diagramm übertragen, sehen sie ein lineares Wachstum.

SPIEGEL ONLINE: Könnte Firefox vielleicht trotzdem irgendwann Gefahr laufen, ein zweiter Fall Netscape zu werden: Heute ein Star und morgen schon fast vergessen?

Ross: Netscape ist vergessen, weil es seine Kunden schlecht behandelt hat. Und niemand erinnert sich gern an schlechte Erfahrungen. Firefox hat sich immer darum gekümmert, was die Menschen wollen.

SPIEGEL ONLINE: In welcher Weise kann Firefox von einem starken Partner profitieren, Google zum Beispiel?

Ross: Google steuert Programmierer und Ressourcen zum Projekt bei und teilt unsere Vision einer Welt, wo Technologie tatsächlich den Menschen dient, und nicht umgekehrt. Die Arbeit von Google war von Anfang an modellhaft für Firefox - lange bevor die Mozilla-Foundation auch offiziell mit dem Unternehmen zusammenarbeitete.

SPIEGEL ONLINE: Haben Sie keine Angst, dass Google zu einflussreich werden könnte?

Ross: Die Welt wäre besser dran, wenn Google mehr Einfluss hätte. Google versteht, was sich Menschen von Technologien erhoffen - und liefert das mit einer erstaunlichen Präzision.

SPIEGEL ONLINE: Immer wieder hat es Gerüchte um einen eigenen Browser von Google gegeben, einen "G-Browser". Wird Firefox dieser "G-Browser" sein? Oder wird Firefox gegen den "G-Browser" antreten?

Ross: Gerüchte sind Gerüchte.

Das Interview führte Christoph Seidler.

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