Flexible Bildschirme Das extrem stabile Biege-Display

Egal ob man es mit dem Hammer bearbeitet, drauf herum trampelt oder es zu zerreißen versucht: Dieses Display gibt nicht nach. US-Forscher haben einen neue Biege-Bildschirm erfunden, der viel aushält, scharfe Bilder liefert und vor allem eines ist: billig.

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Die Entwicklung hat vier Jahre gedauert, jetzt ist ein erster Prototyp fertig: Gemeinsam haben der Computerhersteller HP und das Flexible Display Center (FDC) der Arizona State University (ASU) einen Bildschirm erfunden, wie ihn sich Technikfreaks schon lange erträumen. Denn anders als die Bildschirm an die wir gewöhnt sind, ist die Neuentwicklung biegsam, enthält weder Glas noch Metall.

Foliendisplay: Noch ist es nur ein Prototyp. In wenigen Jahren aber könnten Biege-Bildschirme Standard werden
Flexible Display Center at Arizona State University

Foliendisplay: Noch ist es nur ein Prototyp. In wenigen Jahren aber könnten Biege-Bildschirme Standard werden

Stattdessen wird der Biege-Bildschirm komplett aus Kunststoff hergestellt. Dadurch kann man ihn derart dünn bauen, dass er fast so flexibel ist wie eine Zeitschrift. Mit solchen Folien-Bildschirmen würden etliche Zukunftskonzepte endlich realisierbar werden. Handys mit ausrollbaren oder biegsamen und dadurch größeren Displays beispielsweise. Oder Mobilcomputer, die eigentlich nur aus dem Display bestehen, sich unterwegs zusammenrollen und gut verstauen lassen.

Möglich werden soll die Science-Fiction-Technik durch ein Produktionsverfahren, dass Forscher der Arizona State University gemeinsam mit HP entwickelt haben. Den Kern bildet dabei eine Kunststoff-Folie auf welche die Schaltkreise quasi aufgedruckt werden. Da sich die Bauelemente bei diesem speziellen Verfahren selbsttätig korrekt ausrichten wird es von HP als "Self-Aligned Imprint Lithography", kurz SAIL, bezeichnet.

Ein Bildschirm wie bei eBooks, bloß besser

Das Herstellungsverfahren soll gegenüber herkömmlichen Produktionstechniken eine Reihe von Vorteilen bieten. Die wichtigsten: Es spart Energie und Material. Zudem würden die sogenannten Dünnfilm-Transistoren Schicht für Schicht in einem besonders preiswerten Verfahren auf die Folie aufgebracht. Nebenbei hat die Technik den Effekt, dass die Displayfolien extrem widerstandsfähig werden. Ein Video in dem die Wissenschaftler diverse Zerstörungstests mit der Bildschirmfolie anstellen zeigt, wie zäh das Material ist.

Insgesamt 90 Prozent weniger Rohstoffe als bei Standard-Displays werden laut HP für die Herstellung benötigt. Dieser Umstand soll künftig auch zu besonders günstigen Preisen führen, verspricht der Hersteller. Notebooks, Handys und andere elektronische Geräte sollen durch die innovativen Displays also billiger statt teurer werden.

Und sie werden mit neuen Funktionen ausgestattet und zudem sparsamer im Verbrauch sein. Das soll gelingen, indem HP die Vizplex-Technik, eine Art elektronische Tinte, von E-Ink in die Folienbildschirme einbaut. Auf diese Weise sollen die neuen Kunststoffdisplays ganz ähnlich funktionieren wie eBooks, die elektronischen Bücher. Ein Bild, das einmal auf dem Bildschirm angezeigt wird, bleibt dort auch dann weiter bestehen, wenn die Stromzufuhr abgeschaltet wird. Das funktioniert zwar nur bei Standbildern, ist aber dennoch eine gute Möglichkeit, die Akkulaufzeit mobiler Geräte zu verbessern.

Ein Riesengeschäft - in einigen Jahren

Dem Analyst Vinita Jakhanwal vom Marktforschungsunternehmen iSuppli zufolge hat HP mit den flexiblen Plastik-Bildschirmen einen goldenen Pfeil im Köcher. Nach seinen Berechnungen wird die weltweite Nachfrage nach Biege-Bildschirmen in den kommenden Jahren rasant zunehmen. Wurden 2007 noch 80 Millionen Dollar mit elastischen Displays umgesetzt, sollen es laut Jakhanwal bis 2013 schon 2,8 Milliarden Dollar sein.

Damit sich diese Prognose erfüllen kann, muss es freilich erst einmal entsprechende Bildschirme in industriell nutzbaren Stückzahlen, guter Qualität und zu günstigen Preisen geben. Das allerdings wird noch ein Weilchen dauern. Schließlich ist das jetzt vorgestellte Foliendisplay nur ein Prototyp, weit von der Massenfertigung entfernt.

In einigen Jahren aber könnten Bildschirme nach dem Vorbild des jetzt vorgestellten Typs Massenware werden. Über die Möglichkeiten, die solche unzerstörbaren und flexiblen Bildschirm bieten werden, darf bis dahin noch eifrig spekuliert und fantasiert werden.



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