Führungsposition Wir sind Spamkönige

Wer sagt, wir Deutschen hätten technologisch gesehen die Nase nicht vorn? Das IT-Sicherheitsunternehmen Symantec sieht uns sogar weltweit führend - als Ziel für unverlangte, lästige, mitunter schädliche Werbemüll-Aussendungen.


Wir Teutonen sind zur Abwechslung einmal wirklich gesegnet, führen in einem technologischen Feld völlig unangefochten: Niemand bekommt mehr Werbemüll zugeschickt als wir. Behauptet jedenfalls das Symantec-Tochterunternehmen MessageLabs, das auf der Suche nach einer Publicityträchtigen Füllung für das Sommerloch da mal nachgemessen hat. Demnach sind aktuell 97,5 Prozent aller an deutsche Adressen verschickten E-Mails Spam. Der Begriff dient als Bezeichnung für all den Werbemist, die Betrugsmails und sexuell anzüglichen Offerten, die täglich ins elektronische Postfach rauschen.

Spam: Das amerikanische Dosenfleisch eigentümlicher Konsistenz wurde durch einen Monty-Python-Sketch zum Synonym für unsinnige Kommunikationsüberflutung im Internet
AFP

Spam: Das amerikanische Dosenfleisch eigentümlicher Konsistenz wurde durch einen Monty-Python-Sketch zum Synonym für unsinnige Kommunikationsüberflutung im Internet

Aber wir müssen aufpassen, denn die Konkurrenz ist uns auf den Fersen: Dichtauf folgen unsere Nachbarn aus den Niederlanden (Müllquote 95,7 Prozent) sowie die Briten (93,6 Prozent). Zusammen führen wir Westeuropäer das Feld der Haupt-Spam-Opfer souverän an, während der weltweite Durchschnitt bei "nur" 89 Prozent dümpelt.

Was man besser lassen sollte

Wer die deutsche Führung im Werbemist-Empfang weiter sichern will, kann einiges dafür tun: Besonders hilfreich ist etwa die Aktivierung der Autoreply-Funktion im E-Mail-Programm, die - ähnlich wie die Aktivierung von Html-Mail-Features - dem Spammer mitteilt, dass er eine gültige Adresse gefunden hat, die er erstens weiter bespammen, zweitens auch verkaufen kann.

Noch effektiver ist es, Spam-Versender direkt anzuschreiben und ihnen höflich mitzuteilen, dass man künftig keine Werbung mehr wünscht. Das Anklicken blödsinniger Phishing-Links in Betrugsmails wirkt auch gut, und natürlich sollte der Spam-Liebhaber nicht versäumen, jede Viagra-Werbung, Parkplatz-Sex-Einladung oder Hallo-wer-will-meine-Millionen?-Mail aus Nigeria zu öffnen, die er empfängt. Der Verzicht auf ein Virenschutzprogramm sorgt dann noch dafür, dass man nicht nur Spam empfängt, sondern selbst auch Millionenfach versendet, ohne davon viel mitzubekommen (bis der Provider die DSL-Leitung kappt).

Wer hingegen auch ohne all diesen Spam- und Werbemist genügend Post bekommt, setzt einfach einen Spam-Filter ein (nicht nur Symantec hat sowas im Angebot) oder nutzt einen der zahlreichen seriösen Freemail-Dienste: So bekommt man mindestens 96,5 Prozent seiner täglichen Post gar nicht mehr zu sehen. Wer die deutsche Spam-Quote dann noch weiter senken will, tut einfach das Gegenteil von dem, was wir oben beschrieben haben.

Und drückt Holland die Daumen, dass sie bald einmal Weltmeister werden. Wie der Kölner so sagt: Man muss auch gönnen können.

pat

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