Generationswechsel Mozilla stellt Mozilla ein

Der kleine Drache hat ausgebrüllt: Rund drei Jahre lang versuchte der Open-Source-Browser Mozilla, Microsofts Internet Explorer einzuheizen. Jetzt wird er in jeder Hinsicht von seinem eigenen Nachwuchs beerbt: Firefox bindet alle Ressourcen, Mozilla wird nicht weiter entwickelt.


Vorbei: Mozilla läuft ab sofort auf Sparflamme

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Was war er für ein Hoffnungsträger, als im Mai 2002 die erste offizielle Programmversion erschien. Bereits seit eineinhalb Jahren waren Betaversionen im Umlauf, die die Hoffnung geweckt hatten, dass mit dem Mozilla-Browser endlich ein Produkt auf den Markt kommt, um Microsofts Hegemonie zu brechen.

Das Mozilla-Projekt kooperierte zunächst eng mit dem Rest des Netscape-Entwicklerteams. Schon bald aber begann Mozilla, sich stetig vom ursprünglich gemeinsamen Programm-Kern zu entfernen und Microsofts Internet Explorer mit Features herauszufordern, die dieser teils bis heute nicht zu bieten hat.

Der große Erfolg kam trotzdem nicht. Mozilla überholte zwar schnell andere Alternativ-Browser wie Opera oder Konqueror, kam aber trotzdem nicht merklich über Marktanteile von knapp über drei Prozent hinaus. Schnell zeigte sich auch, dass auch ein Open-Source-Entwicklerteam die Fehler kommerzieller Entwicklerteams wiederholen kann: Mit jeder Programmversion konnte Mozilla zwar mehr, wurde aber auch immer "fetter". Das einst schlanke, schnelle Programm verlor einige seiner Vorteile gegenüber Konkurrenzprodukten.

Also entschied das Mozilla-Team bereits 2003, das Kernprodukt zu entschlacken: Künftig wollte Mozilla den gleichnamigen Vollbrowser mit eingebautem Mailprogramm als "Profi-Programm", und für die Hobbysurfer den abgespeckten, deutlich schnelleren Firefox anbieten. Irgendwann dann sollte Firefox Mozilla beerben.

Firefox' überraschender Erfolg aber ließ Mozilla selbst völlig in den Hintergrund treten. Und zwar nicht nur in der öffentlichen Wahrnehmung: Auch innerhalb der Mozilla Foundation band Firefox bald alle Ressourcen. Vielleicht schneller als erwartet zog die Mozilla Foundation darum die Reißleine: In einem Mitte letzter Woche verbreiteten offenen Brief erklärte die Entwicklergemeinde, Mozilla über die aktuelle Programmgeneration 1.7 nicht mehr weiter entwickeln zu wollen. Der Support für die bestehenden Browser-Versionen wird aufrecht erhalten.

Alle Entwickler-Ressourcen und Kapazitäten aber sollen nun der Weiterentwicklung von Firefox zukommen, dessen 1.1-Version gerade um einige Monate auf den Sommer 2005 verschoben wurde.

Für eingefleischte Mozilla-Fans ist die Nachricht keine echte Überraschung, vielleicht aber Grund zu Wehmut. Je nachdem, wie stark die ausfällt, finden sich aber vielleicht noch Retter für die Mozilla-Suite: Wie immer in der Welt der Open Source steht es jedem frei, Mozilla selbst weiter zu entwickeln.

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