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German Internet Exchange: Deutschlands dickster Knoten

Der weltweit größte Internet-Austauschknoten steht in Frankfurt am Main. Stolze 350 Gigabit gehen dort jede Sekunde über die Leitungen, doch das ist nicht genug: Die nächste Ausbaustufe soll das Volumen verdreifachen. Ein Blick hinter die Kulissen.

Frankfurt/Main - Wer mit einem Mausklick eine Google-Anfrage auf den Weg schickt, landet in vielen Fällen erst einmal in Frankfurt am Main. Dort befindet sich der zentrale Austauschknoten DE-CIX, der in jeder Sekunde bis zu 350 Gigabit an Internetdaten durchschleust.

DE-CIX-Chef Frank Orlowski zeigt einen "Knoten": Was so unspektakulär aussieht, bewegt spektakuläre Datenmengen
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DE-CIX-Chef Frank Orlowski zeigt einen "Knoten": Was so unspektakulär aussieht, bewegt spektakuläre Datenmengen

"Wir haben kein besonders phantasievolles Business", sagt DE-CIX-Manager Frank Orlowski mit der Bescheidenheit des Netztechnikers. "Bei uns geht es um Datendurchsatz und Verfügbarkeit." Der "German Internet Exchange", wie die Einrichtung offiziell heißt, verbindet 240 Teilnetze miteinander, damit die Datenpakete möglichst flüssig ihren Weg finden. Weltweit gibt es etwa 45.000 solcher Teilnetze, betrieben von Internet-Providern oder großen Internetportalen.

Natürlich könnten die Provider auch eigene Leitungen zu denjenigen Teilnetzen legen, mit denen es einen besonders umfangreichen Datenverkehr gibt, wie etwa zu Google. Weil das aber sehr aufwendig wäre, nutzen sie die Dienste des DE-CIX. Betrieben wird der inzwischen größte Austauschknoten der Welt von der DE-CIX Management GmbH, einer Tochter von eco, dem Verband der deutschen Internetwirtschaft.

In zehn Frankfurter Rechenzentren stehen die Router der Kunden, das sind leistungsstarke Computer, die sich um nichts anderes kümmern, als die Datenpakete an ihre richtige Adresse zu schicken.

Gleich daneben stehen die Switches vom DE-CIX. Im Rechenzentrum sind diese Computer zur Verbindung von mehreren Netzen an ihren dicken gelben Leitungen zu erkennen. Unter der Decke sind weitere Kabelstränge verlegt: Ganz oben werden die roten Kupferkabel geführt, darunter verlaufen Glasfaserleitungen in einem gelben "Fiberduct"-Gehäuse.

Laufzeitmessung der Datenpakete per GPS

"Die Plattform weiß, wo die Pakete hinwollen", erklärt Orlowski.

Diese Intelligenz liegt in der Kombination der vom DE-CIX eingeführten Hard- und Software. Der DE-CIX verbessert die Anbindung ans Netz, indem die Umwege möglichst gering gehalten werden. "Je mehr Verkehr die Teilnehmer über den DE-CIX abwickeln, desto besser wird die Qualität", erklärt Orlowski.

Für die Messung der Datenverbindungsqualität wird eine Technik der europäischen Internet-Registrierungsstelle RIPE in Amsterdam genutzt. Die speziellen TTM-Computer (Test Traffic Measurement) nutzen die vom GPS-Satellitensystem gesendeten Zeitsignale, um die Laufzeiten der Datenpakete im Mikrosekundenbereich zu ermitteln.

Stellwerk des Internet

Neben der möglichst direkten Anbindung ist die Ausfallsicherheit ein zentrales Qualitätsmerkmal. "Selbst wenn bei uns ein Core Switch komplett ausfällt, wird das kein Kunde merken", versichert Orlowski. Ein "Hot Standby" sorgt dafür, dass ein anderes Gerät einspringt. Daneben gibt es redundante Netzteile, zwei unterschiedliche Stromkreise und die zusätzliche Sicherheit durch getrennte Standorte im Westen und im Osten der Stadt Frankfurt.

Der Manager ist viel unterwegs, vor allem in Osteuropa, wo er zuletzt die rumänische Telekom als neuen Kunden gewonnen hat.

Angesichts der dort noch besonders hohen Wachstumsraten bei der Internetverbindung verspricht der DE-CIX eine Verbesserung der Infrastruktur zu überschaubarem Preis. "Der administrative Aufwand und die Kosten wären ohne den DE-CIX sehr viel höher", sagt Orlowski. Nach dem Ausbau der technischen Plattform hat der Austauschknoten noch Luft nach oben: Bei einer Datenübertragung von gegenwärtig bis zu 350 Gigabit in der Sekunde werden bis Mitte Juni neue Switches eingerichtet, womit eine Kapazität von 1,4 Terabit in der Sekunde möglich wird.

Nicht mit an Bord ist die Deutsche Telekom, für die Orlowski früher als Peering-Manager tätig war. Der Marktführer nutzt für das "Peering", also für den Datenverkehr mit anderen Providern, eigene Netzübergänge.

Zu den Grundsätzen des DE-CIX gehört das Prinzip der Netzneutralität: Bei der Übertragung der Datenpakete wird niemand bevorzugt oder benachteiligt. "Jeder Kunde bekommt hier den absolut identischen Service zum selben Preis", versichert der Manager. Die Datenschleuse am Main kann den Inhalt der Datenpakete nicht analysieren und fühlt sich damit angesichts der Debatte über den Datenschutz im Netz sehr wohl: "Je weniger wir wissen, desto weniger Interesse gibt es bei den staatlichen Entscheidungsträgern."

Peter Zschunke, AP

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