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Gerüchteküche: Wenn Google dreimal klingelt

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Seit dem Börsengang bemüht sich Google, die Phantasie der Anleger mit Nachrichten und Gerüchten weiter zu füttern. Der neueste Streich: Der Suchmaschinen-Gigant will angeblich in den boomenden Markt der Internet-Telefonie einsteigen. Einiges spricht dafür, dass das Ganze mehr ist als ein Gerücht.

Rechner mit Hörer: VoIP-Telefonie ist auf dem Vormarsch
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Rechner mit Hörer: VoIP-Telefonie ist auf dem Vormarsch

Wenn es stimmt, was die britische Zeitung "Times" am Montag berichtet, dann können sich Telefonkonzerne auf der ganzen Welt bald warm anziehen. Denn Google, so schreiben die Briten, will in den boomenden Markt der Internet-Telefonie einsteigen und einen "Voice over Internet Protocol", kurz VoIP-Dienst anbieten. Nutzer der Suchmaschine, die über einen Breitbandzugang ins Netz verfügen, könnten diesen Service kostenlos nutzen. Eine Quelle für diese Information gibt die "Times" allerdings nicht an.

"Dark fibres" im Blick

Doch die Meldung passt ins Bild. Denn schon seit einigen Tagen debattieren Beobachter hitzig darüber, ob der Suchmaschinen-Gigant im Telefongeschäft mitmischen will. Den Anlass für entsprechende Gerüchte gab Google selbst - und zwar mit einer Stellenanzeige im Internet. Der Nachrichtendienst "Light Reading" war über eine Job-Offerte gestolpert, in der Google einen Manager sucht, um nicht genutzte Glasfaserkapazitäten in der ganzen Welt aufzukaufen.

Googles Interesse gilt den so genannten "dark fibres". So heißen die Unmengen Glasfaserkabel, die in der Blüte der Dotcom-Euphorie verbuddelt wurden und jetzt ungenutzt in der Gegend herumliegen. Diese Glasfaserkabel sind erstens billig zu haben und würden zweitens ein famoses Rückgrat für ein globales Telefonnetz abgeben, so das Kalkül der Google-Beobachter. Sie orakeln deswegen, dass Google bald dreimal klingelt und auf den VoIP-Zug aufspringt, der gerade tüchtig Fahrt aufnimmt.

Nach rund zehn Jahren, in denen die Technologie zwar immer wieder hochgejubelt wurde, aber nie am Markt Fuß fassen konnte, boomt die Internet-Telefonie weltweit. Neben vielen kleineren Telefonfirmen hat vor allem das Programm "Skype" das Plaudern übers Netz populär gemacht. Entwickelt wurde die kostenlose Software von den Programmiern Janus Friis und Niklas Zennström, die bereits die Musiktauschbörse "KaZaA" auf die Beine gestellt hatten.

Voip = Telefon-Revolution

Bis zum heutigen Tag ist "Skype" knapp 54 Millionen Mal aus dem Netz herunter geladen worden. Jeden Tag kommen zahllose Nutzer dazu. Sie können kostenlos mit jedem schwatzen, der das Programm ebenfalls installiert hat. Nur wer aus dem Skype-Netz ein herkömmliches Telefon anrufen will, muss zahlen - jedoch deutlich weniger als bei den meisten Telefongesellschaften. Und so verwundert es auch kaum, wenn Michael Powell, seines Zeichens oberster Telefon-Regulierer der USA, verkündet, Voip sei "die größte Umwälzung in der Geschichte der modernen Kommunikation seit der Erfindung des Telefons".

Skype-Software (Apple-Version): "Contact" auswählen, per Klick anwählen, kostenfrei sprechen

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"Skype" muss bislang noch Leitungskapazität mieten, um Gespräche ins herkömmliche Netz anbieten zu können. Hätte Google ein eigenes weltweites Glasfasernetz, wäre das kaum mehr nötig. Gleichzeitig würde der starke Markenname für eine einfache Verbreitung von eventuell nötiger Software sorgen. Insofern erscheint ein Eintritt von Google ins Telefongeschäft höchst plausibel. Doch das Unternehmen, das sich auch im Vorfeld des Börsenganges nicht immer besonders auskunftsfreudig zeigte, hält sich bislang noch bedeckt.

Klar ist aber, dass Google Nachrichten und Gerüchte wie diese braucht, um die Börse bei Laune zu halten. Will das Unternehmen langfristig bestehen, so sagen es Analysten, muss es in Zukunft mehr anbieten, als pure Websuche. Ein Google-fon würde da gut ins Portfolio passen.

Nur einen guten Markennamen muss sich Google noch einfallen lassen. Die Internetadresse www.gphone.com ist nämlich schon vergeben.

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