Gesundheitsbedenken Pariser Bibliotheken schalten Drahtlos-Netze ab

Etliche Mitarbeiter hatten über körperliche Beschwerden geklagt. Nun wurden die W-Lans vieler öffentlicher Bibliotheken in Paris vorsorglich abgeschaltet. Ob und wann die Netze wieder online gehen, ist unklar.


Paris - Insgesamt sollen 40 von 100 Mitarbeitern über Kopfschmerzen, Schwindelgefühle, Übel- und Müdigkeit geklagt haben, berichtet die Zeitung " 20 minutes". Die Beschwerden seien aufgetreten, nachdem in den jeweiligen Bibliotheken Drahtlos-Netzwerke installiert wurden. Deshalb habe sich die Stadt entschlossen, die Netze abgeschaltet zu lassen, bis genauere Studien vorlägen.

Öffentlicher Hotspot: In Pariser Bibliotheken werden die Drahtlosnetzwerke abgeschaltet
AP

Öffentlicher Hotspot: In Pariser Bibliotheken werden die Drahtlosnetzwerke abgeschaltet

Die Beschwerden waren im Rahmen der Sitzung eines Ausschusses für Sicherheit und Gesundheit von Gewerkschaftsvertretern vorgetragen worden. Man müsse "die Sorgen der Mitarbeiter ernst nehmen", sagte der Kulturbeauftragte der Stadt, Christophe Girard, der Zeitung. Dabei sei es unerheblich, ob es "psychologische oder andere Gründe" für die Klagen der Beschäftigten gebe.

Umweltschützer verlangten für alle Bibliotheken und Museen der Stadt ein Moratorium beim Aufbau der sogenannten W-Lan-Netze, bis mögliche Gesundheitsgefahren geklärt seien. Die Organisationen Priartem und Agir hatten vor einigen Monaten schon einen W-Lan-Stopp für Schulen gefordert. Das Umweltministerium hat schon vor einiger Zeit die französische Gesundheitsbehörde Afsset mit einer Studie über die Strahlenbelastung durch WLan- und andere Drahtlosnetze beauftragt.

Die aktuellen Diskussionen verhageln den Stadtvätern einen ehrgeizigen Plan, die französische Hauptstadt durch weitreichende Drahtlosenetze zur "digitalen Stadt" aufzurüsten. Bis Ende des Jahres ist der Aufbau von insgesamt 400 kostenlosen Hotspots im Stadtgebiet geplant. Die nun abgeschalteten Computernetze in vier Pariser Bibliotheken sind ein Teil dieses Plans.

Ob der angesichts des immer heftigeren Gegenwinds nun weiterhin so ehrgeizig wie bisher vorangetrieben wird, ist fraglich. Schließlich hat auch die französische Télécom Vorbehalte gegen das "Paris Wi-Fi". Sie will vor Gericht gegen das kostenlose Angebot vorgehen, weil sie der Ansicht ist, dass die Stadt damit rechtswidrig in den Telekommunikationsmarkt eingreift.

mak/afp



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