Google kauft Deja.com: Das ultimative Schnüffelwerkzeug

Die Suchmaschine Google galt schon bisher als unschlagbar. Im Verbund mit dem Datenbestand von Deja, dem größten Archiv für Usenet-Inhalte, dürfte sie zum ultimativen Schnüffel-Tool werden.

Larry Page und Sergey Brin, Gründer und Chefs des Shootingstars Google
Google

Larry Page und Sergey Brin, Gründer und Chefs des Shootingstars Google

Deja.com kämpfte bereits seit zwei Jahren ums nackte Überleben: Zwar stellt der einst populäre Suchdienst für das Usenet dar, was Google heute für das Web bedeutet - aber Werbekunden interessieren sich immer weniger für die Newsgroups und ihre Kundschaft. Stetig wachsender Beliebtheit erfreute sich Deja dagegen bei einer kleinen, sehr gut zu definierenden Zielgruppe: bei Arbeitgebern.

Es gibt keinen kostenlosen Suchdienst im Internet, der mit Deja mithalten könnte, wenn es darum geht, Surfern hinterher zu schnüffeln. Deja archiviert alle Inhalte des Usenet seit 1995, jedes Posting, in jeder Gruppe.

Wenn man fündig wird auf der Suche nach einem bestimmten Namen, dann ist es mit Deja ein Leichtes, ein regelrechtes "Autorenprofil" zu erstellen. Man erfährt, dass sich der Bewerber für den Ingenieursposten halt nicht nur für Maschinenbau interessiert, sondern unter Umständen für die Britney-Spears-Fangruppen, für Formel 1-Rennen, Hardcore-Pornografie oder Satanismus.

Es soll Menschen geben, die ihren Job Deja verdanken - und mehr Bewerber, die bis heute nicht wissen, warum sie abgelehnt wurden.

Davon abgesehen ist Deja ein hochgradig nützliches Tool: Kein Usenet-Archiv ist so vollständig wie Deja. Bedingt durch permanente finanzielle Engpässe ist der Datenbestand in den letzten zwei Jahren jedoch leicht löchrig geworden. Googles Ankündigung, die Daten zu restaurieren, ist in Usenet-Kreisen mit entsprechendem Wohlwollen aufgenommen worden.

Vorerst bedeutet der Überraschungskauf jedoch, dass das begehrte Archiv auf unbestimmte Zeit offline sein wird: Deja zeigt nur noch die Usenet-Inhalte bis zurück zum August 2000. Google verspricht, das Problem so schnell wie möglich zu lösen. Die Datenbestände würden derzeit restauriert und optimiert.

Dabei könnte etwas wirklich Kraftvolles herauskommen. Deja verfügt derzeit über rund 500 Millionen Usenet-Postings. In Kombination mit der angeblich nahezu flächendeckenden Erfassung des WWW durch den Google-Engine ergibt das die derzeit ultimative Schnüffelmaschine. Ein herausragender Service für Web-Surfer - und für Arbeitgeber.

Frank Patalong

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