Google: Understatement für Fortgeschrittene

Von Hannes Leonard

Die Suchmaschine "Google" ist neben ihrer Geschwindigkeit vor allem für die Qualität ihrer Ergebnisse bekannt. Durch die Übernahme des Usenet-Archivs von Deja ist Google zum Suchtool Nummer eins im Web avanciert.

Google-Gründer Page und Brin: "Großartiges Comedyduo"
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Google-Gründer Page und Brin: "Großartiges Comedyduo"

Milton Sirotta, der Neffe des amerikanischen Mathematikers Edward Kasner hat das Wort "Googol" für eine immens große Zahl geprägt: eine Eins mit einhundert Nullen. Mitte der Neunziger entliehen Lawrence Page und Sergey Brin, damals Doktoranden an der amerikanischen Stanford University diesen Namen für ihre Suchmaschine, welche die ebenfalls unvorstellbar große Informationsmenge im World Wide Web einfacher als bisher zugänglich machen sollte: "Google".

"Momentan werden 30 Millionen Suchanfragen täglich über Google.com abgewickelt", sagt Cindy McCaffrey, Sprecherin der Firmenzentrale im kalifornischen Mountain View. Jeden Monat steigt die Zahl der Anfragen um etwa ein Fünftel. Die populärsten Suchbegriffe gleichen denen anderer Suchmaschinen: "Sex, hotmail, mp3, chat, Napster und Yahoo gehören zu den Wörtern, die am häufigsten bei Google nachgeschlagen werden", sagt McCaffrey. Trotzdem unterscheidet sich der durchschnittliche Google-Nutzer von den Anwendern anderer Suchmaschinen: "Wir haben tendenziell besser ausgebildete und web-erfahrenere User". Rund zwei Drittel der Google-Nutzer geben an, einen Hochschulabschluss zu besitzen, mehr als 70 Prozent verfügen über gute und sehr gute Computerkenntnisse.

"Page-Rank" sorgt für gut sortierte Ergebnislisten

Für die Gewichtung der Suchergebnisse nutzt Google, die so genannte "Page-Rank"- Technologie. Auf den vorderen Plätzen der Liste mit den Suchergebnissen sind Websites zu finden, auf die von möglichst vielen anderen Seiten verwiesen wird, wobei Links von renommierten Webseiten mehr zählen als Verweise von kleinen privaten Homepages. Im Gegensatz zu anderen Suchmaschinen, wo Anbieter teilweise Geld bezahlen, damit ihre Webseiten in den Listen der Suchergebnisse prominent platziert werden, bietet Google so ein objektiveres Bild des Webs. Auffällig ist die große Geschwindigkeit, mit der die Anfragen bearbeitet werden; selten dauert eine Google-Suche länger als eine halbe Sekunde. Die Performance wird von rund 7000 handelsüblichen Linux-betriebenen PCs erreicht, die in mehreren Serverfarmen in den USA untergebracht sind.

In einem Überraschungscoup übernahm Google im Februar das Usenet-Archiv Deja mit seiner bis 1994 zurückreichenden Datenbank von Diskussionsforen. Entstehen soll eine gemeinsame Datenbasis für Recherchen im Web und im Usenet. Auch die Suche nach Personen, soweit sie in Diskussionsgruppen aktiv sind oder waren, dürfte sich über die Google-Oberfläche vereinfachen- weswegen zahlreiche Netzpuristen anlässlich des Zusammenschlusses erneut das Schreckgespenst des gläsernen Surfers heraufbeschworen. Über den Kaufpreis für Deja mit seinen wertvollen, aber zuletzt schlecht gepflegten, Datenbanken wurden keine Angaben gemacht.

Keine Informationen über einen möglichen Börsengang

Über seine wirtschaftliche Situation hält sich das 1998 gegründete Unternehmen Google ohnehin bedeckt. Die Firma mit 190 Mitarbeitern zieht es vor, ihre Geschäftsergebnisse und -pläne nicht zu veröffentlichen. Allerdings verspricht man, noch in diesem Jahr profitabel zu arbeiten. "Die Geschäfte entwickeln sich gut, wir sind auf Kurs", heißt es aus der Zentrale. Details zu einem möglichen Börsengang: Fehlanzeige. Geld will Google vor allem mit seiner Suchtechnologie verdienen. Rund 150 Lizenznehmer in mehr als 30 Länder gibt es, darunter auch so namhafte Kunden wie AOL/Netscape und Cisco. Ein großer Erfolg konnte Mitte vergangenen Jahres verbucht werden, als sich Yahoo! entschied, der Google-Technologie den Vorzug gegenüber derjenigen des Suchmaschinenriesen Inktomi zu geben.

Als zweite Einnahmequelle propagiert Google die Vermarktung von Anzeigen. Auf grafische Banner wird gänzlich verzichtet. Etwa bei jeder fünften Suche sieht der Surfer stattdessen Textanzeigen, die in engem Zusammenhang mit der Suchanfrage stehen und mehr Kunden zum entscheidenden "Klick" reizen sollen. "Auf der Homepage wird es gar keine Anzeigen geben", sagt Cindy McCaffrey.

Das Schicksal von Google ist untrennbar mit den beiden Gründern Larry Page und Sergey Brin verbunden. Das renommierte "Time"-Magazine beschreibt die beiden Geschäftspartner und Freunde als ein "großartiges Comedyduo". So lieferte etwa die Google-Suchmaschine lange Zeit auf die Anfrage, wer denn bitteschön schlimmer als Satan sei, die Homepage von Microsoft als ersten Treffer. Inzwischen verweist die Suchmaschine aber bei einer entsprechenden Anfrage zuerst auf Berichte über Google selbst.

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  • Dienstag, 27.03.2001 – 13:18 Uhr
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