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Green IT: Die grüne Cebit ist eine Mogelpackung

Umweltschutz und Stromspartechniken sollen das Leitmotiv der diesjährigen Cebit sein. Tatsächlich aber wird das Thema abgeschoben - in die hinterste Ecke der abgelegensten Messehalle. Ein Videostreifzug.

Mit viel Tamtam hat sich die Messegesellschaft dem Umweltschutz verschrieben. Green IT, also umweltschonende Computertechnik, sollte das Leitmotiv der Messe werden, ein "Green IT Village" Verständnis für Probleme und neue Techniken schaffen. Auf der Messe selbst ist davon freilich kaum etwa zu sehen.

Das "Green IT Village" ist nicht mehr als ein 300-Quadratmeter-Messestand in der Südostecke der Halle 9. Dort präsentieren sich Universitäten, Forschungseinrichtungen und staatliche Einrichtungen mit teils sehr spannenden Neuentwicklungen – ein Publikumsmagnet ist diese Halle jedoch nicht. Doch ausgerechnet dort, wo kaum je Laufkundschaft vorbeikommt, wird Green IT zelebriert.

Das allerdings nur im Kleinen. Drei Branchenverbände und sechs Unternehmen präsentieren sich dort. Darunter ein Hersteller von Kühlanlagen von Rechenzentren und ein Produzent von Mainboards. Der führt stolz eine Software vor die PCs auf Basis seiner Mainboards zu Stromsparern machen soll. Um diese Bemühungen als Erfolg zu feiern, muss man allerdings ausgesprochen genügsam sein. Mehr als fünf Prozent Einsparung sind durch die mit Zahlen und Grafiken protzende Software nicht zu bewerkstelligen. Statt 105 Watt verbraucht der Testrechner durch sie "nur" 100 Watt - im Leerlauf. Green IT stellt man sich anders vor.

Wie die Realität aussieht, kann man überall sonst auf dem Messegelände sehen. Da brummeln vielzylindrige Luxusgeländewagen, mit denen Manager chauffiert werden. Wie immer nutzen etliche Unternehmen die üblichen tiefer gelegten und mit Hostessen verzierten Sportwagen und Stretchlimousinen, um auf sich aufmerksam zu machen. Ein Bezug zu den offerierten Produkte fehlt meist.

Wie ernst das Gros der Komponentenhersteller das Thema Stromsparen nimmt, ist allerdings am besten in jenen Hallen zu bewundern, in denen Mainboards, Grafikkarten und Ähnliches angepriesen werden – und wo auch der erwähnte Mainboard-Hersteller mit der Stromspar-Software seinen Hauptstand hat. In diesen Hallen ist zu sehen, worum es wirklich geht auf dieser Cebit. Dort stehen gewaltige, laut röhrende Rechner im Zylonen-Design, 200-Watt schluckende Highend-Grafikkarten und massiv übertaktete Experimental-PCs, die mit Flüssigstickstoff aus Thermoskannen gekühlt werden müssen.

Eine Green-IT-Messe sieht anders aus.

mak

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