Greenpeace-Report Nintendo und Microsoft in der Kritik

Greenpeace gibt Herstellern von elektronischen Geräten schlechte Noten. Besonders Nintendo und Microsoft werden im neuesten Tech-Umweltbericht der Organisation kräftig abgewatscht. Kritisiert wird vor allem mangelndes Recycling - und die Verwendung giftiger Werkstoffe.


Zehn Punkte vergibt Greenpeace in seinem " Guide to greener Electronics" maximal - aber von der Höchstpunktzahl sind alle beurteilten Firmen noch meilenweit entfernt. Sony-Ericsson und Sony kommen jeweils auf 5,1 Punkte und liegen damit an der Spitze des Feldes, gefolgt von Nokia und Samsung.

Wissenschaftler bei der Wii-Sektion: Auf der Suche nach Gift und Schwermetallen
Greenpeace / Will Rose

Wissenschaftler bei der Wii-Sektion: Auf der Suche nach Gift und Schwermetallen

Honoriert hat Greenpeace vor allem das Bemühen, Werkstoffe wie PVC und bestimmte chemische Weichmacher nicht mehr oder wenigstens deutlich weniger einzusetzen. Verzicht auf Schwermetalle und Recyclingangebote sind weitere wichtige Punkte. Erstmals wird in dem neuen Bericht auch berücksichtigt, wie energieeffizient und damit klimafreundlich die Produkte der Hersteller sind.

Die Hürden sind hier allerdings hoch: Nintendo beispielsweise bekommt für "Energieeffizienz" null Punkte - obwohl die Wii-Konsole deutlich weniger Strom verbraucht als die Konkurrenzprodukte von Sony und Microsoft. Dennoch erfülle auch Nintendos Gerät nicht den "Energy Star"-Standard der US-Umweltbehörde EPA, befindet Greenpeace, denn auch an Spielkonsolen müsse der Standard für PCs angelegt werden. Was die Giftstoffe in Spielkonsolen angeht, hat Greenpeace bereits im April bereits eine detaillierte Studie vorgelegt .

Nintendo bekam im neuen Quartalsbericht insgesamt 0,8 Punkte und ist damit Schlusslicht der Liste, Microsoft landete mit 2,2 Punkten auf dem vorletzten Platz. Die Punktzahlen sind nicht wirklich mit denen aus den vorangegangenen Quartalsberichten von Greenpeace vergleichbar - die Bereiche Energieeffizienz und Klimaschutz sind nämlich als Quellen des Unmuts neu hinzugekommen. Ursprünglich konzentrierte sich der Bericht auf Schwermetalle, Kunst- und andere Giftstoffe in Produkten. Außerdem wurden die Recyclingprogramme der Firmen beurteilt.

Generell sind die Einschätzungen mit einer gewissen Vorsicht zu genießen - weil sie nur die öffentlich verkündeten Ziele und Aktivitäten der Unternehmen in Sachen Umweltschutz berücksichtigen. Weder hat Greenpeace die Verarbeitungs- und Verbreitungswege der Produkte unter die Lupe genommen, noch Emissionen etwa von Fabriken gemessen. Für mangelnde Information gibt es harte Strafen - im November-Ranking des Jahres 2007 landete Nintendo ganz hinten, mit null Punkten - weil auf der Webseite des Unternehmens so gut wie keine Angaben zum Thema Umweltschutz zu finden waren.

Im Umkehrschluss heißt das: Wer viele gute Absichten verkündet, kann in der Greenpeace-Skala auch mal nach oben rutschen. Die Organisation versichert aber, dass die Unternehmen auch beim Wort genommen werden: Dass also überprüft wird, ob gemachte Zusagen auch eingehalten werden.

cis



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