Handys und Konsolen Viren auf neuen (Ab-) Wegen

PC-Viren gibt es immer mehr, doch sie verursachen immer weniger Schäden. Die Viren-produzierenden Chaoten orientieren sich um: Handys und Spielekonsolen, berichten IT-Sicherheitsunternehmen, werden immer öfter Ziel von Attacken.


Die Zeit weltweiter Computerviren-Epidemien geht zu Ende, könnte man meinen. Der Antiviren-Spezialist F-Secure hat im zweiten Halbjahr 2005 nur zwei größere Virenausbrüche festgestellt und erkennt einen abnehmenden Trend von Massenangriffen durch so genannte Netzwerkwürmer, also Schadprogramme, sie sich selbst verbreiten.

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Die Aussicht auf eine virenfreie Welt haben wir gleichwohl nicht. Vieles deutet darauf hin, dass sich Virenprogrammierer bereits neue Angriffsziele suchen. Dazu gehören vor allem moderne Handys, so genannte Smartphones, die neben den Telefonfunktionen auch abgespeckte Büroanwendungen bieten. Darüber hinaus könnten Spielkonsolen zum Ziel von Virenattacken werden.

Der Antiviren-Softwarehersteller Kaspersky hat für das vierte Quartal 2005 eine allmählich steigende Zahl neuer Trojaner für Mobiltelefone festgestellt. Darunter sei auch das erste Programm zum Diebstahl der Anwenderdaten. Der Trojaner "Pbstealer" verschafft sich Zugang zum Adressbuch des infizierten Telefons und verschickt sich über den Kurzstreckenfunk Bluetooth an das erste zugängliche Gerät.

Außerdem nimmt nach Kaspersky-Einschätzung die Verbreitung von Trojanern mit doppelter Bestimmung beachtlich zu. Dabei handelt es sich um Schadprogramme, die gleichzeitig auf die Infizierung eines Telefons und des Computers abzielen, an den das Telefon angeschlossen wird. Die Mehrheit der Schadprogramme seien allerdings so genannte Trojaner-Vandalen, berichtet Kaspersky weiter.

Sie zerstörten System-Dateien oder löschten sie schlicht. Neueste Varianten könnten darüber hinaus Daten blockieren. Die Trojaner-Familie "Cardblock" installiere ein Passwort für den Zugang zur Wechselspeicherkarte des Telefons. Werde der Virus auf dem Telefon gelöscht, könne der Anwender nicht mehr auf die Daten zugreifen.

Auch nach Einschätzung von Symantec-Virenforscher Candid Wüest handelt es sich bei den mehr als 100 Viren und Würmern für Mobiltelefone nicht mehr allein um so genannte "Proof of Concept"-Schädlinge, also solche Schädlinge, mit denen die Autoren nur nachweisen wollen, dass ein System verletzlich ist. Virenschreiber wollen also inzwischen Daten beschädigen und möglicherweise stehlen. Betroffen seien vor allem Mobiltelefone mit Symbian-Betriebssystem.

Im vierten Quartal des vergangenen Jahres hat Kaspersky darüber hinaus erste Viren für Spielkonsolen gefunden. Zum ersten Opfer wurde die Play Station Portable von Sony. Der auf einigen Webseiten als Spiel getarnte Trojaner löscht Systemdateien auf dem Gerät und setzt es somit außer Betrieb. Ein zweiter Trojaner greift den Nintendo DS an. Betroffen waren allerdings keine Standardgeräte. Es handelte sich nach Angaben des Antiviren-Spezialisten um geknackte Konsolen, auf denen auch Raubkopien von Spielen laufen.

Als Ursachen für das Aufkommen von Konsolen-Viren nennt Kaspersky den Boom im Markt, die gute Dokumentation der verwendeten Software und Sicherheitslücken. Hauptschwachstelle sei die Möglichkeit für den Anwender, Zugang zu den System-Dateien des Geräts zu erhalten. Denn ein Virus kann all das, was der Anwender kann.

Der Symantec-Virenforscher Wüest schätzt die Gefahr für Spielkonsolen bisher dennoch als gering ein. Die Hersteller hätten bei den Geräten im Vergleich zum PC bessere Chancen, Restriktionen für den Nutzer einzubauen und somit auch Viren weniger Chancen zu geben. Allerdings verweist Wüest auch darauf, dass es in Asien bereits zum Klau virtueller Existenzen in PC-Online-Spielen gekommen sei, die dann bei eBay verkauft worden seien. Denkbar sei dies auch für Konsolenspiele, zumal diese sich inzwischen auch mit dem Internet verbinden lassen.

Björn Sievers, ddp



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