Hardware-Revolution: Apple öffnet Mac-Rechner für Windows

Ganz beiläufig hat Apple ein Produkt ins Netz gestellt, das den weltweiten Hardware-Markt durcheinander wirbeln dürfte: Eine spezielle Software erlaubt es jetzt, ganz offiziell ein Windows-Betriebssystem auf Intel-Macs zu installieren. Fans werden verzweifeln - aber Apple vergrößert auf einen Schlag seinen eigenen Markt.

Apple Mac mit Intel-Kern: Jetzt auch mit Windows statt Mac OS

Apple Mac mit Intel-Kern: Jetzt auch mit Windows statt Mac OS

Es kommt nicht oft vor, dass man die Veröffentlichung einer Software mit Fug und Recht als Sensation bezeichnen kann - doch Apple hat heute eine geliefert: Mit "Boot Camp" macht das Unternehmen die Parallel-Installation von Windows auf neuen Macs möglich.

An der Aufgabe, die neuen Intel-Chip-basierten Macs mit einem Windows XP zu belegen, bissen sich seit Wochen diverse Hacker die Zähne aus: Obwohl theoretisch möglich, wollte keine praktische Umsetzung so recht gelingen. Jetzt landete Apple den Scoop - und schockt die Welt der Appleaner mit einem von niemandem vorausgesehenen Schritt: Apple selbst sorgt dafür, dass Windows XP auf den neuen Macs läuft.

Strategisch ist das äußerst klug, denn bisher ging noch jede Software-Lösung, mit der Windows-Programme auf Macs zum Laufen gebracht wurden, auf Kosten der Leistung. Jetzt soll man mit "Boot Camp" Mac OS und Windows parallel installieren können - und so in den Genuss der besten Seiten beider Rechnerwelten gelangen. Was für ein Argument für Apples "Switch"-Kampagnen, mit denen Microsoft-Nutzer zum Wechsel überredet werden sollen. Für den Verkauf der neuen Intel-Macs könnte das Wunder wirken.

Bisher liegt Boot Camp als Public-Beta-Version vor, der Download ist knappe 83 MB groß. Anwender, die über eine Microsoft Windows XP Installations-CD verfügen, können mit Boot Camp Windows XP auf einem Intel-basierten Mac installieren und nach Abschluss der Installation entscheiden, ob sie nach einem Neustart ihres Computers Mac OS X oder Windows XP verwenden wollen. Boot Camp, erklärt Apple dazu, sei ein reguläres Feature von "Leopard", der nächsten großen Version von Mac OS X, die auf der Worldwide Developer Conference (WWDC) im August erstmals gezeigt werden wird.

Vom wahren Glauben sei Apple aber nicht abgefallen, versichert Philip Schiller, Marketing-Manager bei Apple, in einer Pressemitteilung des Unternehmens: "Apple hat weder den Wunsch noch die Absicht, Windows zu verkaufen oder zu unterstützen. Da wir jetzt aber Intel-Prozessoren einsetzen, haben viele Kunden ihr Interesse bekundet, Windows auf der überlegenen Hardware von Apple laufen zu lassen. Wir denken, dass Boot Camp es für Windows-Anwender noch verlockender machen wird, auf den Mac zu wechseln."



Da könnte er richtig liegen. Boot Camp, sagt Apple, vereinfache die Installation von Windows auf einem Intel-basierten Mac durch einen einfachen grafischen Schritt-für-Schritt-Assistenten, um eine zweite Partition auf der Festplatte für Windows einzurichten, eine CD mit allen nötigen Windows-Treibern zu brennen und Windows von der Windows XP Installations-CD zu installieren. Nach Abschluss der Installation könnten Anwender wählen, ob sie nach einem Neustart Mac OS X oder Windows einsetzen wollen.

Auswahlbildschirm: Welches Betriebssystem hätten Sie denn heute gern?

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Die Public Beta von Boot Camp steht bereits unter www.apple.com/macosx/bootcamp zum Download zur Verfügung und ist als Preview-Software zum Ausprobieren für eine begrenzte Zeit lizenziert. Die finale Version von Boot Camp wird als Feature der nächsten Mac OS X Version 10.5 "Leopard" verfügbar sein. Die Vorab-Veröffentlichung als Beta ist offenbar als Geschenk an die Fan-Gemeinde gedacht und wohl eine Reaktion auf die Bemühungen der Apple-Community, Windows XP auf die Intel-Macs zu "hacken". Apple bietet keinen Support für die Installation und den Betrieb von Boot Camp.

Für den Einsatz von Boot Camp benötigt man einen Intel-basierten Mac mit USB-Tastatur und Maus oder eingebauter Tastatur und TrackPad. Weitere Voraussetzungen sind Mac OS X Version 10.4.6 oder neuer, das aktuellste Firmware-Update, mindestens 10 GB freier Festplattenplatz auf dem Startvolume, ein CD- oder DVD-Rohling sowie eine Installations-CD von Windows XP Home Edition oder Professional mit Service Pack 2 oder neuer.

pat

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Forum - Wurm im Apfel?
insgesamt 301 Beiträge
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1.
Thomas List 05.04.2006
---Zitat von sysop--- Die Macianer haben es befürchtet - nach Intel-Inside kommt nun die Öffnung Richtung Windows. Das Ende der Kultmarke? Oder der Anfang einer neuen Erfolgsstory? ---Zitatende--- Ich bekenne es: Ich bin als Schlangenbeschwörer geboren, werde mein Leben lang Schlangenbeschwörer bleiben und als Schlangenbeschwörer sterben. Ich habe garnichts befürchtet, Apple ist Kult und Legende zugleich. Dies jetzt ist ein Geniestreich: Eine neue Erfolgsgeschichte und ein wahnsinniger Druck auf Microsoft. Stellen Sie sich vor, jetzt kann man beide Systeme auf der gleichen Kiste miteinander vergleichen. WOW!
2. ProApple
Penalty Master 05.04.2006
Ich bin erst vor wenigen Wochen auf Apple umgestiegen und ich bin hellauf begeistert von der gesamten Philosophie von Mac OS X. Als Forscher habe ich bei meiner Arbeit bisher Windows, Lniux und Unix parallel benutzt und habe deswegen stets drei Rechner mit den drei Systemen auf meinem Schreibtisch stehen. Als es hieß, Apple baue den neuen Mac mit intel CPU's, hab ich sofort einen MacBookPro bestellt. Seitdem arbeite ich auf der Arbeit nur noch mit dem Mac und fasse die anderen Systeme kaum noch an. Was hat das mit dem Thema zu tun? Ich will damit naemlich sagen, dass auch ein Windows-User sehr bald sich an die Vorzuege von Apple gewoehnen wird, sobald er sich mit dem neuen System vertraut gemacht hat. Danach gibt es kaum noch Gruende, warum man unbedingt wieder zum Windows zurueck will. Dementsprechend glaub ich kaum, dass die Moeglichkeit, Windows auf den Macs laufen zu lassen, von vielen Mac-Users heiss erwartet wurde, sondern lediglich dazu da ist, diejenigen Windows usern zu uebezeugen, die bisher sich vor dem Kauf zurueckschrecken, weil sie saemtliche Softwares neukaufen muessten. Diese Sorge ist auch berechtigt: man muss auch neben dem Geld fuer die Hardware auch tatsaechlich eine Menge Geld noch fuer zusaetzliche Software ausgeben, wenn man so manche kommerzielle Pakete weiternutzen will wie Office oder Adobe Photoshop. Wer das sich ersparen will und trotzdem Apple (vielleicht auch einfach wegen des Designs) kaufen will, hat jetzt eine finanzielle Barriere weniger. Nur: Wer einmal mit Mac OS X gearbeitet hat, der kann unmoeglich noch irgendetwas an Windows gut finden, egal von der Optik her, von der Handhabung, vom Arbeitsgefuehl oder von Effizienz.
3. XP auf Mac
mischa1 05.04.2006
Bei meiner täglichen Arbeit benutze ich einen Mac. Manchmal muss ich jedoch auf Windows ausweichen (z.B. Eine Website läuft nur korrekt unter InternetExplorer für Windows). Bisher habe ich dazu Virtual-PC von Microsoft benützt. Der Weg von BootCamp scheint mir ein falscher. Wenn ich für Windows den Mac neu starten muss, wird das alles viel zu umständlich. Wie transferiere ich die Daten von der WIN-Partition auf die Mac-Partition? Der bessere Ansatz wäre ein Dual-Boot mit virtuellen Rechnern, d.h. ich starte Windows wie eine normale Applikation in einem separaten Fenster (wie bei Virtual-PC). Dadurch wäre ich in der Lage schnell zwischen den beiden Systemen zu wechseln und Daten problemlos hin & her zu schieben.
4. Apple öffnet Mac-Rechner für Windows
Schreiber5.1 05.04.2006
---Zitat von Penalty Master--- ... Nur: Wer einmal mit Mac OS X gearbeitet hat, der kann unmoeglich noch irgendetwas an Windows gut finden, egal von der Optik her, von der Handhabung, vom Arbeitsgefuehl oder von Effizienz. ---Zitatende--- Ich arbeite schon seit 20 Jahren auf einem Mac. Manchmal muß ich im Geschäft auch mal auf Dosensenf arbeiten. Da wird mir jedesmal bewußt: Gut, dass es den Mac gibt. Die Strukturen der Windowsseite sind so umständlich und schlecht überschaubar, daß sich selbst ausgefuchste Windowsfreaks bei Problemen oft schwer tun, wieder etwas zum Laufen zu bringen oder zu installieren. Selbst dort, wo Profis am Werk sind, tun die sich oft schwer, wie sich bei vertraglicher Softwarepflege im Geschäft herausgestellt hat. Da Apple inzwischen die umsatzstärkste Computerfirma ist (kürzlich wurde Dell überholt), wird dieser Schritt dem Mac weitere Erfolge und erheblichen Auftrieb bescheren. Wer danach mal umfangreich auf Mac OS X gearbeitet hat, der mag kein Microsoft-Betriebssystem mehr. Auch wenn manche zu der Erkenntnis länger brauchen oder aus ideologischen Gründen ablehnende Haltung einnehmen, der Mac wird seinen Erfolgsweg fortsetzen. Seit der Rückkehr von Steven Jobs, ist die Innovationskraft von Apple unantastbar geworden.
5. Prost Microsoft!
tromberg 05.04.2006
Sicher wird der Mac durch diesen Schritt attraktiver. Aber einige scheinen zu übersehen, dass man das Windows XP ja immer noch kaufen muss, und dass Microsoft sein Geld eben nicht mit Hardware, sondern mit Software verdient. Denen kann es wurscht sein, auf was für einer Kiste ihr Zeug läuft und wie oft man es wirklich benutzt. Zunächst mal bedeutet dieser Schritt in relativ kurzer Zeit einige Millionen mehr verkaufte Windows-XP-Lizenzen, während er sich auf die Mac-Verkäufe nur allmählich auswirken wird. Die Sektkorken knallen heute in Redmond.
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