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Hightech-Spionage: Verräterische Reflexionen

Kein Scherz: Sauberes Geschirr kann die Sicherheit Ihrer Daten gefährden. Wissenschaftler haben es bewiesen: Der Inhalt eines PC-Bildschirms lässt sich sogar über eine Kaffeetasse ausspionieren.

Diese Tasse muss allerdings sauber sein, zumindest von außen. Ist diese Minimalvoraussetzung gegeben, ist es den Forschern möglich, geheime Daten von einem Computerbildschirm mit einfachsten Hilfsmitteln auszuspähen. Das zeigen Experimente von Experten für Informationssicherheit und Kryptografie an der Universität des Saarlandes.

Datenklau per Teleobjetiv: Aus Reflexionen auf Gebrauchsgegenständen entziffern Forscher, den Inhalt von PC-Bildschirmen
Uwe Bellhäuser

Datenklau per Teleobjetiv: Aus Reflexionen auf Gebrauchsgegenständen entziffern Forscher, den Inhalt von PC-Bildschirmen

Die Forscher konnten die Daten lesen, weil sie sich auf Gebrauchsgegenständen wie eben einer Kaffeetasse oder einer Teekanne spiegelten. Als Hilfsmittel verwendeten sie eine Teleskopausstattung im Wert von rund 1000 Euro. Über die lassen sich die Informationen noch in einer Entfernung von mehr als zehn Metern rekonstruieren, wie die Hochschule in Saarbrücken mitteilt.

Das Forscherteam geht davon aus, dass man auf diese Weise mit professionelleren Geräten mühelos aus größerer Entfernung, etwa vom Fenster eines Nachbargebäudes aus, geheime Daten ablesen kann. Findige Kriminelle könnten das nutzen, um Industriespionage zu betreiben, Bankdaten zu erschnüffeln oder Politiker und Prominente zu beschatten.

Rollläden runter!

Die Wissenschaftler fanden heraus, dass sich die Daten eines LCD-Bildschirms auch auf gekrümmten Oberflächen wie Kannen oder Tassen gut widerspiegeln. Diese verzerrten Abbilder können dann auch über größere Entfernungen von Teleskopen erfasst, fotografiert und mit entsprechender Software entzerrt werden.

Die besten Ergebnisse erhielten die Forscher mit den Brillengläsern der Computer-Nutzer und mit einer Teekanne, die auf dem Schreibtisch neben dem Bildschirm stand. Entzifferbare Daten lieferten sogar die Reflexionen auf den Augen der Personen, die am Bildschirm saßen. Hier waren allerdings die schnellen Bewegungen des Auges vor allem bei größeren Entfernungen ein Hindernis. Nach Meinung der Wissenschaftler könnte dies jedoch schon bald durch besseres Equipment und verfeinerte Algorithmen ausgeglichen werden.

Wer sich der beschriebenen Gefahren bewusst sei, könne sich im Moment nur schützen, indem er beim Umgang mit sensiblen Daten Rollläden oder Vorhänge schließe und nach versteckten Teleskopen Ausschau halte, sagen die Wissenschaftler. Das wäre auch ein schönes Zeichen an die Nachbarn: "Ach guck mal, die Müllers machen wieder Online-Banking."

mak/ddp

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