HSDPA Fünfmal schneller als UMTS

UMTS ist längst nicht so erfolgreich, wie sich die Betreiber das einst erträumten. Jetzt rüsten sie ihren Service um: Mit Geschwindigkeiten von 1,8 Megabit, später bis zu 7,2 Megabit pro Sekunde, soll UMTS attraktiver werden.


Umrüstungsaufwand minimal: Die Sendeanlagen bekommen neue Chipkarten
DPA

Umrüstungsaufwand minimal: Die Sendeanlagen bekommen neue Chipkarten

Das UMTS-Mobilfunknetz ist gerade eingeführt, da schalten die Anbieter schon einen Gang höher: Die bislang erreichte Bandbreite von 384 Kilobit pro Sekunde wird demnächst auf 1,8 Megabit/sec fast verfünffacht. Die als HSDPA bezeichnete Technik nutzt die mit Milliardeninvestitionen aufgebauten UMTS-Netze weit effizienter als bisher. Filme und Spiele auf dem Handy sollen spürbar flotter laufen, aber auch Geschäftsanwendungen wie der mobile Zugriff auf Datenbanken.

Bei den beiden großen Mobilfunkanbietern laufen zurzeit die Vorbereitungen für die neue Turbo-Technik. Sowohl T-Mobile als auch Vodafone starten zunächst mit einer Datenkarte für das Notebook, ähnlich wie bei der Einführung von UMTS im vergangenen Jahr. Bei T-Mobile soll HSDPA ab Ende September in Berlin und Bonn einer breiten Öffentlichkeit vorgestellt werden. Der kommerzielle Start ist nach Angaben von Firmensprecher Husam Azrak zur Cebit 2006 geplant.

Im Testzentrum von Vodafone in Düsseldorf demonstriert Projektleiterin Dana Schneider die Übertragung eines Films mit HSDPA, der so flüssig wie bei einer DSL-Verbindung auf den Bildschirm kommt. Der einzige Unterschied ist, dass die Datenpakete nicht durch die Leitung rauschen, sondern über die "Luftschnittstelle" übertragen werden, wie die Techniker das nennen. "Das ist eine Qualität, die wir mit UMTS in der jetzigen Form nicht hinbekommen", sagt die Informatikerin.

Zunächst nur für den Laptop

Bei den Tests werden unterschiedliche Anwendungen erprobt wie der Empfang einer E-Mail mit einem großen Dateianhang oder der Download einer Datei aus dem Internet. Um die optimale Konfiguration der Netztechnik herauszufinden, probieren die Techniker verschiedene Einstellungen aus und messen die jeweils erzielten Übertragungsraten.

"Jetzt haben wir im Schnitt gerade 1,65 Megabit pro Sekunde", sagt der Techniker bei einem Besuch im Testzentrum und zeigt auf eine Grafik mit den für das Internet typischen Ausschlägen der Übertragungsraten nach oben und unten. Beim Upload ins Netz werden im Test Datenraten von etwa 290 Kilobit/sec erreicht - das ist auch schon deutlich mehr als die mit UMTS bislang möglichen 64 Kilobit/sec.

Neben der Geschwindigkeit wird auch das "Handover" getestet - das ist die Übergabe von einer zur anderen Mobilfunkzelle, etwa wenn der Nutzer mit dem Auto unterwegs ist. "Wir sind gerade in Zelle 91", erklärt ein Vodafone-Techniker mit dem Blick auf ein Schaubild. "Da geben wir jetzt etwas mehr Dämpfung rein, dann geht es in die Nachbarzelle 92." Die Übergabe dauere nur wenige Millisekunden, sagt Schneider. "Der Kunde merkt gar nichts davon."

Der Vorteil gegenüber Wireless LAN (WLAN) besteht vor allem in der flächendeckenden Abdeckung der drahtlosen Internet-Verbindung. Die Makrozellen im UMTS-Netz haben je nach Ballungsdichte eine Reichweite von mehreren hundert Metern bis zu einigen Kilometern.

Test: Ein Vodafone-Techniker misst die erreichten Geschwindigkeiten
AP

Test: Ein Vodafone-Techniker misst die erreichten Geschwindigkeiten

Hier will Vodafone mit HSDPA zunächst eine Übertragungsrate von 1,8 Megabit/sec anbieten, in späteren Ausbaustufen sind bis zu 7,2 Megabit/sec denkbar. Für besondere Ereignisse wie eine große Messe können auf kleinem Raum auch Mikrozellen eingerichtet werden, in denen mit HSDPA theoretisch 14,4 Megabit/sec erreichbar sind.

Neben dem Vorteil der höheren Geschwindigkeit verkürzt HSDPA die Reaktionszeit beim Aufrufen von Datendiensten. Die "Roundtrip-Zeit" für die Anfrage beim Server und die Antwort sei wesentlich schneller, erklärt Vodafone-Projektleiterin Schneider. Während dieser Wert bei UMTS 400 Millisekunden betrage, seien es bei HSDPA nur noch 100 Millisekunden.

Der Aufwand für die Umrüstung der UMTS-Basisstationen ist überschaubar. Dazu wird eine Platinenkarte für den HSDPA-Kanal in den "Node B" eingesteckt, wie die Basisstation bezeichnet wird. Jeder "Node B" deckt drei Mobilfunkzellen ab.

Mit HSDPA werde es nicht nur eine höhere Bandbreite geben, sondern auch eine bessere Qualität bei der Nutzung der Datendienste, erklärt der Technik-Direktor von Nokia, Lothar Schwemm. Der Nutzer werde eine ähnlich deutliche Verbesserung bei den Datendiensten erleben wie bei der Einführung von DSL, sagt Schwemm im Gespräch mit der Nachrichtenagentur AP. "Wir betrachten HSDPA daher als Belebung für den Markt."

Sobald die Netzbetreiber die Investitionen für die Aufrüstung der UMTS-Sendeanlagen hinter sich haben, ist HSDPA für sie auch aus Kostengründen interessant: Da über die bestehenden Frequenzen mehr Daten geschaufelt werden können, verbessert sich die "spektrale Ausnutzung" der verfügbaren Bandbreite nach Angaben Schwemms um 50 bis 70 Prozent.

Wann es die ersten HSDPA-Handys geben wird, steht noch nicht fest. Dafür sind spezielle Anpassungen bei der Hard- und Software erforderlich. Je nach maximalem Datendurchsatz sind vier Klassen von HSDPA-Mobiltelefonen geplant - die Einsteigerklasse bei HSDPA schafft 1,2 Megabit/sec, während es die maximale Bandbreite nur in der höchsten Klasse gibt.

Peter Zschunke, AP



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