Hype-Thema Umweltschutz Apple will grüner werden

Mehr Recycling, weniger Umweltgifte und eine Studie zur CO2-Bilanz: Apple-Boss Steve Jobs reagiert auf Greenpeace-Kritik und gelobt Besserung. Völlig überzeugt hat er die Umweltschützer aber noch nicht.

Von


Das hat Apple-Boss Steve Jobs noch nie getan. In einer Botschaft an Kunden, Aktionäre und Umweltschützer in Kurzgeschichten-Länge (11.366 Zeichen!) versprichter nicht nur, dass Apple umweltfreundlicher arbeiten wird. Er verrät auch vorab ein paar Produktdetails. Noch in diesem Jahr will Apple Computer mit LED-Hintergrundbeleuchtung ausliefern. Solche Prognosen konnte man bisher nur auf Gerüchteseiten lesen – wenn Apple selbst Produkte ankündigte, konnte man sie immerhin schon sehen.

Apple-Chef Jobs: Schwört Besserung beim Umweltschutz
AP

Apple-Chef Jobs: Schwört Besserung beim Umweltschutz

Jobs versucht den Befreiungsschlag: Es geht um die Umwelt – ein Thema, zu dem jetzt jeder in der IT-Industrie etwas sagen will. Apple hat das bislang nicht getan, wie Jobs eingesteht: "Wir haben heute zum ersten Mal über unsere Pläne gesprochen, ein grüneres Apple zu werden", schreibt er und bekennt reumütig: "Wir entschuldigen uns, sie so lange im Dunkeln gelassen zu haben." Konkret geht es um eine Greenpeace-Studie, die Apple beim Umgang mit Umweltgiften auf dem letzten Platz aller großen Computerhersteller sieht. Nun verkündet Jobs: Die neuen LED-Displays werden weder Arsen noch Quecksilber enthalten, ab 2008 gibt es kein PVC mehr in Apple-Produkten und bis 2010 will Apple doppelt soviele Altgeräte recyceln wie heute.

Apple ignoriert zwei entscheidende Themen

Das ist mehr als Greenpeace erwartet hat, aber noch immer zu wenig. Zeina Al-Hajj, Koordinatorin der Greenpeace-Kampagne zu Computerschrott, kommentiert Jobs' Ankündigung gegenüber SPIEGEL ONLINE: "Apple wird in drei wichtigen Punkten besser, lässt aber zwei entscheidende Themen unbeachtet." Es sei schon beachtlich, dass Apple Transparenz wage: "Das ist das erste Mal, dass sie eine Umweltrichtlinie aufstellen und klare Pläne veröffentlichen."

Am weitesten geht Apple mit seinen Versprechen, auf bestimmte Chemikalien zu verzichten: Vom Ende kommenden Jahres an soll kein ausgeliefertes Apple-Produkt mehr Polyvinylchloride (PVC) oder bromierte Flammschutzmittel enthalten. Greenpeace-Koordinatorin Al-Hajj zu SPIEGEL ONLINE: "Das ist ein sehr positiver Schritt. Sie schlagen damit alle anderen Hersteller, die uns ein solches Versprechen gegeben haben, um ein Jahr."

Kein weltweites Recycling-Programm

Nicht ganz so weit geht Apple mit seinem Recycling-Versprechen. Gewiss, das Unternehmen nennt eine klare Zahl: Im Jahr 2010 will Apple 28 Prozent des Gewichts der sieben Jahre zuvor verkauften Apple-Produkte recyceln. 2007 soll diese Quote bei 13 Prozent liegen, 2006 waren es neun Prozent. Allerdings setzt Apple diese Vorhaben selbst nur in den Vereinigten Staaten um. Zeina Al-Hajj zu SPIEGEL ONLINE: "Andere Hersteller nehmen weltweit ihre Produkte zurück, überall, wo sie verkaufen. Apple spricht heute nur über die Vereinigten Staaten." Greenpeace besteht auf einer Rücknahme durch den Hersteller, weil dieses Verfahren noch am ehesten garantiert, dass die Altgeräte nicht illegal auf Müllhalden in China oder Indien landen.

In Deutschland können sich Verbraucher aber auch ohne ein eigenes Apple-Rücknahme-Programm relativ sicher über eine umweltverträgliche Entsorgung sein: Seit einem Jahr regelt das Elektro- und Elektronikgerätegesetz, dass man Altgeräte kostenlos bei deutschlandweit 1500 kommunalen Sammelstellen abgeben kann. Abholung, Sortierung, Recycling oder Lagerung übernehmen die Hersteller.

Wo ist der umweltfreundliche Computer?

In Steve Jobs' Ankündigung vermisst Greenpeace – ebenso wie in allen Plänen von Computerherstellern – einen umweltfreundlichen Computer. Ihre Forderung: Statt sich auf die Beseitigung des Mülls zu konzentrieren, sollten die Hersteller Geräte entwerfen, die weniger Müll verursachen. Bei Computern ist die durchschnittliche Lebenszeit laut Greenpeace inzwischen auf drei Jahre zurückgegangen. Der Wunsch der Lobby-Gruppe "Die Geräte sollten länger halten und sich leicht erweitern lassen." Wie das konkret aussehen könnte, "sollte man der Innovationskraft der Industrie überlassen", sagt Al-Hajj. Das klingt etwas weltfremd. Aber: Warum sind bei Apples iMac Monitor und Rechner so eng verbunden, dass man auch den Monitor wegwerfen muss, wenn man nur einen schnelleren Prozessor will?

Über solche Design-Mängel spricht Jobs nicht. Stattdessen lässt er das Schlagwort CO2 fallen, denn Klimaschutz wird auch in der Computerbranche zu einem Reizwort: "Wir werden den CO2-Abdruck all unserer Produkte untersuchen, erste Zahlen wahrscheinlich schon in diesem Jahr veröffentlichen", kündigt Jobs an. Meint er die Kohlendioxid-Emissionen bei der Herstellung, den Stromverbrauch im Betrieb?

Das magische Wort Kohlendioxid

Konkreter wird Jobs nicht. Hauptsache das Schlagwort Kohlendioxid fällt. Umweltschutz wird nun auch in der IT-Branche zum Instrument der Öffentlichkeitsarbeit. Das beste Beispiel lieferte vorige Woche das Marktforschungsunternehmen Gartner. Die Analysten meldeten, die Computer- und Telekommunikationsbranche sei für 2 Prozent des weltweiten CO2-Ausstoßes verantwortlich, blase also ebenso viel Kohlendioxid in die Atmosphäre wie der internationale Flugverkehr. Basis der Aussage: Eine "Schätzung" des Energieaufwands für Produktion und Betrieb von Computern, Festnetz- und Mobiltelefonen.

Bei solch vagen Aussagen wird sogar Greenpeace vorsichtig: "Sollten diese Zahlen stimmen, muss die Industrie sofort handeln", sagt Greenpeace-Koordinatorin Al-Hajj zu SPIEGEL ONLINE. Nur sollte vorher jemand diese Zahlen zur Energieeffizienz und CO2-Bilanz prüfen. Angekündigt hat Steve Jobs das jetzt schon einmal öffentlichkeitswirksam. Und irgendwann kommen konkrete Zahlen.



© SPIEGEL ONLINE 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.