Im Powerpoint-Nirvana Beamer an, Hirn aus

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2. Teil: Powerpoint-Studien - weniger ist mehr, nichts am besten


Das ist inzwischen einigen Studien zu entnehmen. Schon 2004 kam eine Studiengruppe an der University of New South Wales (Australien) zu dem Ergebnis, dass Powerpoint uns schlicht und einfach überfordert: Informationen in einem Mix aus akustischer und visueller, im schlimmsten Fall sogar noch bewegter Form zu vermitteln, sei völlig kontraproduktiv. Studienleiter John Sweller brachte es damals in die Weltpresse, weil er die Ergebnisse seiner Forschungsgruppe in eine griffige Formulierung goss: "Die Nutzung von Powerpoint-Präsentationen war ein Desaster. Es sollte verboten werden."

Denn verstanden und erinnert würden Informationen besser, wenn man sie entweder akustisch oder visuell übermittele. Jeder Mix gehe auf Kosten der eigentlichen Informationsvermittlung, denn mächtiger als der Vortrag wirkt stets das Bild: Dem ist aber allzu oft herzlich wenig zu entnehmen.

Wir sind alle Videoten

Für Wahrnehmungspsychologen sind das alles Binsenweisheiten, die Mechanismen sind seit Jahrzehnten bekannt. Der Journalist Bernward Wember legte schon anno 1976 eine ernüchternde Studie dazu vor ("Wie informiert das Fernsehen?"), in der das Prinzip der Text-Bild-Schere auf den Punkt gebracht wurde. Seine Antwort: Eigentlich gar nicht.

Denn wenn Bild und Text parallel laufen, dominiert das Bild und der Text verhallt und wird vergessen. Deshalb sind Zeitungen, Magazine, Online-Seiten und Bücher gute Informationsmedien und das Fernsehen ein gutes Unterhaltungsmedium: Was etwa die Abendnachrichten an Informationen übermitteln, wird zum größten Teil bereits vergessen, bevor der Wetterbericht beginnt.

Das ist nicht Schlimmes, zeigt aber, dass auch der ach so multimediale Powerpoint-Vortrag vielleicht nicht das beste aller Mittel ist, seine Infos an den Mann zu bringen. Im Klartext: Wenn das Ding gut aussieht, kann man jeden Bockmist dazu erzählen, und niemand bemerkt es. Zyniker glauben, genau dafür sei Powerpoint ja auch da. Präsentationssoftware sei ein Chef-Beeindruckungswerkzeug.

Eine aktuelle, in der nächsten Ausgabe des Fachmagazins "International Journal of Innovation and Learning" veröffentlichte Studie behauptet nun, dass man nicht nur nichts lerne, wenn man derart bepowerpointet wird. Die Zuhörer würden vor allem dann, wenn dynamische, bewegliche Elemente ins Spiel kämen, sogar zusätzlich verwirrt. So ließe sich der Kenntnisstand eines uninformierten Publikums besser erhöhen, wenn man auf Animationen verzichte.

Das setzt allerdings voraus, dass man auch etwas mitzuteilen hat. Denn natürlich liegt der Verdacht nahe, dass Powerpoint nicht zuletzt dafür eingesetzt wird, simple Sachverhalte chic aufzublasen. Zur multimedialen Präsentation kommt es im akademischen wie im Arbeitsleben allzu oft, weil das halt erwartet wird: Beamer und Präse wirkt besser als kompetenter Redner mit Tafel und Kreide. Die "gekonnte" Präsentation wird so zum beeindruckenden Federschmuck des in den Krieg ziehenden Corporate-Indianers - sie sorgt dafür, dass er besser aussieht, als er ist.

Können Sie das besser?

Was man stattdessen mit Powerpoint anstellen kann, zeigt seit einiger Zeit die Bewegung des Pecha Kucha. Hinter dem Begriff - eine lautsprachliche Umschreibung des japanischen Begriffes für "wirres Geplapper" - verbirgt sich eine Art Vortrags-Wettkampf-Sportart. Es geht darum, in möglichst unterhaltender Weise höchstens sechs Minuten und 40 Sekunden mit einer Präse zu füllen, die aus höchstens 20 Bildern bestehen darf, die jeweils höchstens 20 Sekunden gezeigt werden dürfen.

Was zeigt, dass sich mit Powerpoint durchaus sinnvolle, unterhaltsame Dinge anstellen lassen. Es kommt eben darauf an, die Text-Bild-Schere zu vermeiden, den Zuschauer nicht anzuöden, visuell zu überraschen, ohne ihn inhaltlich abzulenken. Im besten Fall entsteht daraus eine pointierte Erzählform.

Vielleicht fällt ja auch Ihnen dazu etwas ein: Wir wären gespannt, wirklich gekonnte, amüsante, informative Präsentationen zu sehen. Überraschen Sie uns, die besten "Präsen" zeigen wir hier gern: Schicken Sie uns Ihre Powerpoint-Präsentation (maximal 15 Folien) und zeigen Sie, wie Sie Text und Bild zu etwas verarbeiten, das man sich gern ansieht - von informativ bis aberwitzig.

E-Mail genügt:
Zusendungen bitte mit dem Stichwort "Präse" an

praese@spiegel.de

Wir sind gespannt!



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