Innenministerium Krisenstab in Sektlaune

Einen nahezu reibungslosen Wechsel ins nächste Jahrtausend hatte man beim Jahr-2000-Krisenstab im Bundesinnenministerium nicht unbedingt erwartet - Grund genug, um mit einiger Verspätung doch noch den Champagner zu öffnen.

Von Michael Fischer


Berlin - Um Mitternacht stießen die 120 Mitarbeiter des "Jahr-2000-Stabes" der Bundesregierung noch mit Mineralwasser auf den Jahreswechsel an. Erst gut zwei Stunden später, am frühen Samstagmorgen, wurde der Champagner geöffnet. Zu diesem Zeitpunkt war klar: Einen Computercrash würde es zumindest in dieser Nacht nicht mehr geben.

15 Stunden lang hatte der Stab zuvor Informationen aus aller Welt zur Umstellung der Rechner auf das neue Datum gesammelt und ausgewertet. Im zehnten Stock des Ministeriums im Berliner Spreebogen war eine Leitstelle eingerichtet worden. Notstromaggregate standen bereit, die Telekom hatte für den Krisenstab sicherheitshalber sogar ihr C-Netz reaktiviert. Ständig wurde telefonisch Kontakt zu den deutschen Botschaften im Ausland gehalten.

Schon am Freitagmittag gab Neuseeland Entwarnung. Als wenige Stunden später auch das Hightech-Land Japan einen guten Rutsch ins neue Jahr meldete, konnte man im Bundesinnenministerium aufatmen. Trotzdem blieb die Spannung bis zum Jahreswechsel in Deutschland erhalten. "Kurz vor zwölf Uhr waren wir doch noch ein kleines bisschen nervös", sagte die Stabsleiterin und Staatssekretärin im Innenministerium, Brigitte Zypries.

Schon kurz nach Mitternacht trudelten dann die ersten positiven Nachrichten aus dem Inland ein. Um 01.30 Uhr konnte Zypries vorläufig Entwarnung geben: "Bisher keinerlei Störung", verkündete sie. Energieversorger und Telekommunikationsunternehmen, Fluggesellschaften und Krankenhäuser hatten die Datumsgrenze unbeschadet überschritten.

Noch viel wichtiger war für Zypries die Bewältigung des Computerproblems in Osteuropa. "Auch in der Ukraine gab es keinerlei Zwischenfälle", sagte die Krisenstabsleiterin mit offensichtlicher Erleichterung. In den Wochen zuvor waren Zweifel an der Sicherheit der dortigen Atomkraftwerke laut geworden.

Die Reibungslosigkeit, mit der die Jahreszahl mit den drei Nullen erreicht worden war, kam für Zypries sogar etwas überraschend. In Deutschland habe sie mit dem Ausbleiben von Zwischenfällen gerechnet. "Weltweit habe ich das in dieser Form allerdings nicht erwartet."

Bundeskanzler Gerhard Schröder wurde kurz nach Mitternacht über die positive Entwicklung informiert. Auch Innenminister Otto Schily und Wirtschaftsminister Werner Müller erhielten einen beruhigenden Anruf. Mit dem Jahreswechsel ist die Arbeit des Krisenstabes allerdings keineswegs beendet. Die Bundesregierung geht auf Nummer sicher: Bis Montag früh soll die Stabsstelle den Überblick behalten.



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