Intel denkt um Schluss mit der Gigahatz

Künftig verkauft Intel seine Prozessoren wie ein Autohändler als 300er, 500er oder 700er. Verwirrung ist programmiert, denn jahrelang propagierte der Chiphersteller seinen Kunden, dass allein die Gigahertz zählen.


Intel-Prozessor: "Solls ein 521er, 533er oder 712er sein?"

Intel-Prozessor: "Solls ein 521er, 533er oder 712er sein?"

Wie viel Millionen haben die Intel-Manager wohl in Werbekampagnen gesteckt, die nur eine einzige Botschaft zum Inhalt hatten: Mehr Gigahertz ist schneller. Die PC-Hersteller beteiligten sich fleißig an der Gigahatz. Kunden glaubten den Heilsversprechen und kauften sich brav alle zwei Jahre einen Rechner, mit dem alles noch viel schneller gehen sollte.

Pustekuchen! So viel schneller ging das Tippen mit Word und Excel dann doch nicht. Allenfalls Hardcore-Gamer oder Bild- und Videobearbeiter merkten etwas von dem Gigahertzsprung hinterm Komma.

Nun hat Intel die Abkehr von der alten Takt-Ideologie verkündet. Statt 3,4 Gigahertz-Monstern soll die Kundschaft jetzt bitteschön 300er, 500er oder 700er Prozessor erwerben. Der Strategiewechsel soll im Juni beginnen und macht durchaus Sinn. Schließlich bewegen sich die aktuell schnellsten Chips auf einem Niveau, das große Sprünge bei der Taktfrequenz immer mehr erschwert. Ein 3-Gigahertz-Prozessor produziert so viele Verlustströme, dass man damit mittlerweile ein kleines Arbeitszimmer beheizen kann. Ohne Monsterlüfter droht der schnelle Hitzetod.

Hinzu kommt: Intels Werbeaussage "Nur die Gigahertz zählen" war eine glatte Lüge - das hat man beim Marktführer mit über 80 Prozent Anteil inzwischen eingesehen. Es kommt genauso gut auf den internen Cache-Speicher und die Bus-Geschwindigkeit an, predigen PC-Magazine schon seit Jahren. "Die Gesamtheit all dieser Merkmale ist wichtiger als nur die Gigahertz allein", betonte der plötzlich geläuterte Intel-Sprecher Bill Calder.

Doch es geht Intel nicht allein um die Wahrheit darüber, was einen flotten Prozessor ausmacht. Auch Absatzprobleme beim seit rund einem Jahr verfügbaren Pentium M dürften eine Rolle gespielt haben. Der Notebookprozessor ist zwischen 1,4 und 1,7 Gigahertz getaktet - viele Kunden verschmähten ihn deshalb und griffen lieber zu einen Mobilgerät mit einem höher getakteten Pentium-4.

In der neuen Intel-Nomenklatur wird der Pentium M zur Oberklasse aufgewertet und firmiert als 700er. Die 500er-Riege besteht aus Pentium-4-Prozessoren und umfasst sowohl Desktop- als auch Notebook-Ausgaben. Die Einsteigerklasse Celeron firmiert künftig als 300er. Die erste Ziffer zeigt die Prozessorklasse an, zweite und dritte Ziffer stehen für die übrigen Merkmale wie Taktfrequenz, Bus-Geschwindigkeit und Cache-Größe.

Aldi-PC: PC-Verkäufer im Gigahertz-Wahn

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Die Verwirrung bei den Kunden scheint programmiert, wenn der Verkäufer den ratlosen Kunden fragt: "Solls ein 521er, 533er oder 712er sein?" Zumal Intel betont, dass Prozessoren mit höheren Endnummern aus einer unteren Klasse durchaus schneller sein können als solche aus einer höheren Klasse mit niedrigen Endziffern.

"Intels Vorhaben ist verständlich, aber seine Umsetzung misslungen", konstatierten denn auch die Analysten von Gartner. Die Nummern spiegelten nicht explizit die Taktfrequenz wieder. Die Kunden müssten Tabellen bemühen, um sie zu interpretieren. "Wir prophezeien, das Intel gezwungen sein wird, seine Nummerierung auf relative Performance umzustellen", glauben die Analysten.

Solch ein System benutzt der Erzfeind AMD schon seit mehr als zwei Jahren. Statt der Taktfrequenz heißen die Athlon-Prozessoren etwa 3400+, wobei die Zahl angibt, um wie viel schneller der Chip im Vergleich zu früheren Modellen werkelt. Die Taktfrequenz eines Athlon 3400+ liegt bei vergleichsweise lahmen 2,2 Gigahertz. Gleichwohl kann das AMD-Spitzenmodell mit den Pentiums von Intel mithalten.

Bei AMD schüttelt man über Intels neue Nomenklatur nur den Kopf. Das Nummernsystem sei willkürlich, sagte Marketing-Manager Hal Speed. Die Angaben bei AMD-Prozessoren basierten stattdessen auf unabhängigen Benchmarks über die Performance, betonte der Manager.

Holger Dambeck



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