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Internet-Browser: Übersteht Firefox die Microsoft-Attacke?

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Mit rasant wachsenden Marktanteilen hat der alternative Browser Firefox in den vergangenen Monaten im Web für Furore gesorgt - vor allem auf Kosten von Microsofts Internet Explorer. Nun rüstet Microsoft zur Gegenoffensive. Nicht zuletzt deswegen dürfte 2005 zum Jahr der Entscheidung über den nachhaltigen Erfolg von Firefox werden.

Firefox: schnell, sicher, komfortabel

Firefox: schnell, sicher, komfortabel

Fragt man Darin Fisher, was an seinem Produkt so einzigartig ist, lässt die Antwort nicht lange auf sich warten: "Firefox macht es einfacher, das Web zu benutzen." Fisher muss es wissen, denn er ist einer der Entwickler des alternativen Browsers, der auf eine unglaubliche Erfolgsgeschichte zurückblicken kann. Weil Firefox schneller, sicherer und deutlich komfortabler ist als der Internet Explorer, der träge und anfällige Platzhirsch aus dem Hause Microsoft, hat das Programm in den vergangenen Monaten die Herzen und Festplatten vieler Websurfer erobert.

Neben den bereits standardmäßig installierten Features wie dem "tabbed browsing" - der benutzerfreundlichen Darstellung mehrerer Webseiten in einem Fenster - sind die unendlichen Erweiterungs- und Personalisierungsmöglichkeiten das Plus von Firefox: angepasste Menüzeilen und Mausgesten, um die Navigation leichter zu machen, Werbeblocker, um allzu aufdringliche Werbeanzeigen verschwinden zu lassen, und vieles mehr haben dem Browser gerade in Deutschland überdurchschnittliche Popularität verschafft.

Herausforderungen - von innen und von außen

Wie nachhaltig der Erfolg von Firefox tatsächlich ist, darüber wird wohl das Jahr 2005 entscheiden. Der Browser, der von der gemeinnützigen Mozilla-Foundation und zahlreichen freien Programmier-Enthusiasten entwickelt wird, steht vor großen Herausforderungen - von innen und von außen.

Intern hat es in der Firefox-Entwicklergemeinde zuletzt immer wieder Unruhe gegeben. So hatten im Januar mit Ben Goodger und Darin Fisher gleich zwei wichtige Programmierer des Alternativ-Browsers bei Google angeheuert. Was die beiden dort genau tun, weiß niemand. Allerdings betonen sie, auch weiterhin bei Firefox im Boot bleiben zu wollen: "Ich habe mir vorgenommen, auch weiter aktiv am Projekt mitzuarbeiten", erklärt Darin Fisher auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE.

Screenshot: Tabs und angepasste Menüs

Screenshot: Tabs und angepasste Menüs

Eine weitere schlechte Nachricht aus den Kreisen der Firefox-Entwickler kam unlängst von Mike Connor, einem Programmierer, der sich vor allem darum kümmert, Programmfehler im Quellcode zu finden. In seinem Weblog beklagte er sich unlängst öffentlich darüber, dass er de facto der Einzige sei, der noch als Korrekturleser für Firefox arbeite. Und das, so fürchtet Connor, könnte fatale Folgen für die Weiterentwicklung des Programms haben: "Ich sehe nicht, wie die ambitionierten Pläne für die neue Version 2.0 vor Ende 2006 durchführbar sein sollen." Ursprünglich sollte Firefox 2.0 bereits in einigen Monaten auf den Markt kommen.

Schlechte Karten für die Firefox-Entwicklung also? Tristan Nitot von der Mozilla Foundation Europe sieht das gelassen: "Ich habe keinen Zweifel, dass die Mozilla Foundation und die Community die Entwicklung von Firefox bewältigen können. Firefox hat eine enorme Eigendynamik und eine sehr aktive Community", sagt er im Interview mit SPIEGEL ONLINE.

Die Grenzen des Wachstums

Doch die Herausforderung bei der Entwicklung der Software sind längst nicht die einzigen dunklen Wolken am Firefox-Horizont. Nach einer Phase des schier unglaublichen Wachstums werden die Macher dieser Tage zum ersten Mal ganz sanft an die Grenzen des Wachstums erinnert. Jüngste Statistiken belegen, dass der Marktanteil von Firefox in den vergangenen Monaten zwar weiter angestiegen ist, das Wachstum aber gleichzeitig an Fahrt verloren hat.

Die "Early Adopters", die Frühumsteiger also, haben inzwischen alle ihren Firefox. Jetzt müssen neue, schwerer zu erschließende Anwenderkreise erreicht werden. In einem Bericht erklären Ray Valdes, David Mitchell Smith und Whit Andrews, allesamt Analysten der Firma Gartner, dass bis dato vor allem Privatpersonen auf Firefox umgestiegen seien. Das Herz von Business-Kunden hätte der Alternativ-Bowser bisher kaum gewinnen können.

Firefox wird zum Angriffsziel für Hacker

Gerade im Business-Segment sollte Firefox eigentlich mit einem Pfund wuchern können, bei dem er der Konkurrenz von Microsoft haushoch überlegen ist: der Sicherheit. Im Gegensatz zum als ausgesprochen löchrig geltenden Internet Explorer galt Firefox bislang fast so sicher wie Fort Knox. Doch auch das gerät ins Wanken. Denn je populärer der Alternativ-Browser wird, desto mehr wird er zum attraktiven Angriffsziel für Hacker.

Frühere Firefox-Version: Überleben am Massenmarkt?

Frühere Firefox-Version: Überleben am Massenmarkt?

Einen Vorgeschmack was das bedeutet, bekamen die Firefox-Nutzer in den vergangenen Wochen: Allein seit Februar wurden ein gutes Dutzend Sicherheitslücken veröffentlicht. Und im Handumdrehen sah sich die in diesem Punkt bislang verwöhnte Mozilla-Foundation ganz ungewohnten Schlagzeilen über Sicherheitsprobleme gegenüber. So sorgte eine Schwachstelle bei der Unterstützung von sogenannten Internationalized Domain Names (IDN) dafür, dass Bösewichte Firefox-Nutzern täuschend echt nachgemachte Webseiten unterjubeln konnten, um dort auf die Jagd nach Kreditkartendaten und ähnlich brisanten Informationen zu gehen.

Inzwischen ist das Problem behoben. Doch die Herausforderung bleibt, bei zukünftigen Firefox-Versionen noch mehr auf die Sicherheit zu achten. Eine Herausforderung, die angesichts des bereits angeführten Rumorens im Entwicklerteam nicht unbedingt leichter zu bewerkstelligen ist.

Microsoft wacht auf

Neben den internen Problemen wird Firefox im Jahresverlauf auch ein Problem von außen bekommen. Denn Microsoft ist aufgewacht und will nicht mehr tatenlos zusehen, wie der Internet Explorer Monat für Monat Marktanteile verliert. So gilt der Erfolg von Firefox als Hauptgrund für Bill Gates' überraschende Ankündigung, die Markteinführung des neuen Browsers aus seinem Hause dramatisch nach vorn zu verlegen. Der Internet Explorer 7 soll nun schon in diesem Sommer auf den Markt kommen - und nach Microsofts Willen vor allem mit verbesserter Sicherheit zu punkten. Doch auch von Alternativ-Browsern wie Firefox oder Opera bekannte Features wie "tabbed browsing" soll das neue Programm aus Redmond beherrschen.

Das Überleben von Firefox am Massenmarkt wird nicht zuletzt davon abhängen, wie die Mozilla Foundation den Gegenangriff von Microsoft kontern wird. Allein beherztes Handeln kann Firefox davor bewahren, denselben Weg zu gehen wie vor einigen Jahren Netscape. Der Marktführer von einst konnte sich nämlich nicht gegen den Internet Explorer behaupten und vegetierte nach einem langen und traurigen Niedergang, an dem vor allem AOL Schuld trägt, nur noch als leere Hülle, als Markenname vor sich hin. Jüngst startete eine Handvoll Programierer eine neue Version - Erfolg ungewiss.

Tristan Nitot ist optimistisch, dass Firefox so etwas nicht passiert. Er glaubt, dass die Euphorie der unentgeltlich arbeitenden Open Source Community stark genug ist: "Firefox unterscheidet sich grundlegend von Netscape weil es Open Source ist. Netscape starb, weil Microsoft ihm die Luft abgeschnitten hat. Das kann Firefox nicht passieren. Es gibt keine Luftzufuhr, die abgeschnitten werden könnte."

Umarmung durch den großer Bruder

Am Niedergang von Netscape war neben Microsoft allerdings auch AOL beteiligt, das eigentlich als eine Art großer Bruder angetreten war, um Netscape zu retten. Und auch Firefox hat so einen großen Bruder. Es handelt sich um Google. Die Personalien Goodger und Fisher zeigen, wie nah der Suchmaschinenriese an Firefox dran ist. Gleiches zeigt auch Vereinbarungen, wonach Google die standardmäßig eingestellte Websuche im Alternativ-Browser ist. Und seit geraumer Zeit geistern - stets prompt dementierte - Gerüchte durchs Netz, dass Google die Entwicklung eines eigenen Webbrowsers plant. Wenn diese Gerüchte doch zutreffen würden, dann würde Firefox Konkurrenz mehr oder weniger aus dem eigenen Haus bekommen.

Tristan Nitot von der Mozilla-Foundation hat keine Angst, bei der Umarmung von Google erdrückt zu werden: "Google ist neben anderen Firmen wir Sun Microsystems und IBM einer unserer Sponsoren. Die Mozilla Foundation sorgt dafür, dass es eine Balance zwischen ihnen gibt." Programmierer Darin Fisher mag sich zu solch delikaten Themen nicht äußern. Er arbeitet ja, wie gesagt, inzwischen bei Google.

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