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Internet Explorer: Das Monopol bröckelt

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Als am Mittwoch Firefox 1.0 freigeschaltet wurde, war der Ansturm auf die Downloadseiten so groß, dass zeitweilig gar nichts mehr ging. Der Erfolg des Alternativ-Browsers liegt im Trend: Seit Monaten verliert Microsofts Internet Explorer Marktanteile - immer schneller, immer mehr.

Web-Häme: Von der "Rückkehr der Browser-Kriege" schrieb das von Microsoft gegründete Web-Zine "Slate" bereits im Juni

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Als sich das Mozilla-Team eine Million Firefox-Downloads binnen einer Woche in die persönliche Wunschliste schrieb, mag das vor allem Selbstmotivation gewesen sein. 24 Stunden nach der Veröffentlichung von Firefox 1.0 standen die Zähler bei 300.000 Downloads - und plötzlich scheinen sogar die erträumten zehn Millionen Downloads im ersten Monat gar nicht mehr so keck. Kein Zweifel, schon jetzt ist der kleine kostenlose Mozilla-Ableger ein Senkrechtstarter, er könnte zur bisher erfolgreichsten Browser-Alternative werden.

Daran, dass sich die Marktanteile der verschiedenen Browser in den letzten Monaten erstmals seit Jahren merklich verschieben, besteht kein Zweifel. Wie groß diese Verschiebung aber insgesamt ist, weiß weltweit kein Mensch: Zwar verkaufen sich Dutzende von Services als "Browser-Statistiken", doch die können niemals einen Anspruch auf Repräsentativität erheben. Unter dem Strich basieren so gut wie alle Statistiken auf der Beobachtung der eigenen Web-Server - da sagt das Zahlenmaterial am Ende weniger etwas über den Markt an sich, als vielmehr über die Zielgruppe des beobachteten Angebotes.

Statistiken: Virtuelle Daumen im Wind

Ein Beispiel: Die Statistiken von BrowserNews beruhen auf dem Vergleich von fünf verschiedenen Erhebungsquellen, die nicht zu einem "Schnitt" zusammengerechnet werden. Sie zeigen ganz aktuell die "Gecko"-Browser (zu denen neben Mozilla, Firefox und Netscape noch andere gehören) mit einem Marktanteil zwischen 3,6 und 27 Prozent.

Das mag einer der Gründe gewesen sein, warum selbst Google, dank seiner Größe stets im Generalverdacht, in dieser Hinsicht verlässliches Zahlenmaterial beisteuern zu können, vor einigen Monaten die Veröffentlichung von Browserstatistiken einstellte. Google-Sprecher Stefan Keuchel bestätigt zwar, dass das Interesse an solchen Zahlen außerordentlich groß sei. Trotzdem habe sich Google "aus firmeninternen Gründen" gegen die Fortführung der Statistik entschieden.

Die Gründe dafür liegen auf der Hand: Rund sechs Jahre nach Ende des hitzigen "Browser-War" zwischen Netscape und dem Internet Explorer beginnt sich das Thema Browsermarkt wieder emotional aufzuladen. AOL und Opera, Apples Safari und Mozilla, Firefox und Konqueror und rund drei Dutzend andere kleine "IE"-Konkurrenten rüsten sich, das Quasi-Monopol des Microsoft-Browsers ins Wanken zu bringen. Jede Zahl von einem "Großen" wie Google könnte da schnell zum wohlfeilen Werkzeug werden.

Man mag das bedauern, aber eine objektive Erfassung und Zählung von Browsern im Web gibt es nicht. Dafür gibt es auch technische Gründe: Firefox und Mozilla werden beispielsweise als Browser, die auf dem so genannten Gecko-Engine beruhen, erkannt. Das aber gilt auch für die neueren Netscape-Versionen, für den AOL-Browser und viele andere. Darüber hinaus "maskieren" sich manche Browser.

Was also meint eine Statistik, wenn sie "Netscape" sagt? Sind alle Internet Explorer in der Zählung wirklich echt? Wie viele Opera-Browser tarnen sich? Die Antwort auf all diese Fragen weiß noch nicht einmal der Wind - also wird zusammengefasst, subsumiert und geschätzt auf Deibel komm raus.

Und trotzdem, quer durch alle Statistiken zieht sich seit Monaten ein Trend, der nicht mehr zu ignorieren ist:

Mozilla rauf, Explorer runter

Glaubt man auf IT-Themen spezialisierten Seiten, dann haben Mozilla/Firefox längst die Nase vorn, Opera hat ein respektables Standing und natürlich der Linux-Browser Konqueror mehr Gewicht als der Microsoft-Browser.

Wie verzerrend zielgruppenspezifische Vorlieben auf Statistiken wirken können, zeigt eine am Dienstag in der SPIEGEL-ONLINE-Netzwelt veröffentlichte Umfrage: Über 27.000 User beantworteten bisher die Frage nach ihrer Browser-Präferenz. Gerade einmal 17,87 Prozent von ihnen sind noch Nutzer des Internet Explorer, glaubt man der Abstimmung. Das aber steht den Browser-Statistiken, die natürlich auch SPIEGEL ONLINE führt, diametral entgegen: Hier brachten es die Mozilla-Nutzer im August 2004 auf 20,6 Prozent.

Die Diskrepanz zwischen den Zahlen könnte drei Gründe haben:

  • Netzwelt-Leser sind technisch interessierter als die Durchschnittsleser von SPIEGEL ONLINE und tendieren darum zu Alternativbrowsern.
  • Es könnte "Ideologie" mitspielen: Angegeben wurden "symphatische" Browser, die man eigentlich nutzen will (auch wenn man es - vielleicht noch - nicht tut).
  • Oder Internet-Nutzer lügen einfach prinzipiell bei Online-Umfragen

Wahrscheinlich steckt in allen drei Thesen ein Stück der Wahrheit.

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Wahr ist aber auf jeden Fall, dass die SPIEGEL-ONLINE-Statistiken, die immerhin auf deutlich mehr als 35 Millionen monatlichen Visits beruhen (August 2004: 38.071.440), eine deutliche Verschiebung der Marktanteile zwischen IE und vor allem Mozilla dokumentieren (siehe Tabelle).

Verschiebungen zwischen MSIE und Mozilla, Stichproben
Monat Internet Explorer Mozilla/Netscape
August 2004 75,12% 20,60%
Juni 2004 76,18% 19,38%
März 2004 78,16% 16,59%
Januar 2004 81,90% 16,14%
SPIEGEL ONLINE

Amerikanische Web-Monitoring-Firmen sehen das ähnlich, allerdings auf weit höherem Niveau für Microsoft: Eine aktuelle Statistik von WebSideStory verkündet etwa, Microsofts Internet Explorer habe in den letzten drei Monaten 1,8 Prozent Marktanteil verloren - und liege nun bei "nur noch" 93,7 Prozent.

So sieht das auch Microsoft ganz gern. Bisher, heißt es aus Redmond, habe man eine "signifikante Veränderung des Nutzerverhaltens weg vom Internet Explorer" nicht feststellen können.

Oder will man nicht? So unterschiedlich verschiedene Statistiken ausfallen, die Mozilla mal bei 2,4 Prozent, mal bei 38 Prozent sehen, so einig sind sie sich doch beim generellen Trend.

In den Statistiken von w3schools stieg Mozilla in diesem Jahr kontinuierlich von 8,2 auf 17,7 Prozent, während MSIE von 84,1 auf 74,8 Prozent fiel. Der Web-Dienstleister Imagiware sieht den Explorer von Mai bis Anfang September von 85,34 auf 79,61 Prozent fallen, Mozilla zugleich aber bei rund 2 Prozent stagnieren. Bei TheCounter fällt der MSIE von Mai auf September von 96 auf 92 Prozent, während Mozilla von 2 auf 5 Prozent steigt.

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Viel interessanter ist aber etwas ganz anderes: Die Mehrzahl aller Browserstatistiken sieht den Internet Explorer seit längerem nicht mehr bei rund 90 Prozent Marktanteil, sondern allenfalls bei 80 Prozent, Tendenz sinkend.

So sieht das die Uni-Statistik EWS (MSIE: 74,3 Prozent), so misst es auch WebReference (MSIE 67,18 Prozent).

Und die Explorer-Konkurrenten sehen ihre Chance. Erstmals treibt die Open-Source-Entwicklergemeinde von Mozilla richtiggehend Marketing, hat mit "Spread Firefox" eine regelrechte Werbekampagne ins Leben gerufen. Wer sich dort umsehen will, muss wie auf allen Mozillaseiten derzeit etwas Geduld mitbringen: Noch immer ist das Publikumsinteresse so hoch, dass die Seite zeitweilig nur noch in Schneckentempo lädt.

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