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Internet: Tricks gegen Zensur und Überwachung

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Internet-Zensur und Überwachung sind nicht nur zu Olympiazeiten ein Problem. In vielen Staaten wird geschnüffelt und protokolliert, werden Web-Quellen gesperrt. SPIEGEL ONLINE erklärt die wichtigsten Tricks, mit denen man die Einschränkungen umgehen kann.

Staatliche Zensur und Überwachung setzt entweder beim Nutzer an oder bei der genutzten Web-Seite. So ist die einfachste Methode, eine Seite unzugänglich zu machen, die Blockierung ihrer IP-Adresse. Genau das tut beispielsweise die staatliche Internet-Aufsicht in China seit Jahren: Sie liefert Blockierungslisten an die Provider im Lande und verpflichtet sie, Anfragen an diese Seiten einfach nicht weiterzuleiten.

Weltweiter Trend: Immer häufiger schaut der Staat den Nutzern auf den Monitor. Es gibt Methoden, den freien Blick zu behindern - und Zensur zu umgehen
Corbis

Weltweiter Trend: Immer häufiger schaut der Staat den Nutzern auf den Monitor. Es gibt Methoden, den freien Blick zu behindern - und Zensur zu umgehen

So etwas ist leicht zu umgehen. Alles, was man braucht, ist ein Proxy-Server im Ausland. Web-Angebote wie das Open Directory Project bieten stets aktuelle Linklisten zu diesem Thema. Die kennen allerdings auch die Zensoren, was dazu führt, dass auch die Proxys schnell auf den Sperrlisten landen: Für den freien Informationszugriff aus Staaten heraus, die tatsächlich Zensur in großem Maßstab ausüben, sind sie also kein wirklich taugliches Mittel.

Proxys oder "Rewebber" gelten dagegen als hinreichend, seine eigene IP-Adresse gegenüber der jeweils besuchten Seite zu verschleiern.

Auch diese Sicherheit ist jedoch trügerisch: Zumindest der Betreiber des Proxy-Servers weiß stets, wer da nach was sucht im Web, wer da was besucht. Ob es also klappt mit der Anonymisierung, ist nicht nur eine Frage der Technik, sondern vor allem eine der Vertrauenswürdigkeit des Anbieters. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass etliche offene Proxy-Dienste in Wahrheit genau das Gegenteil von dem tun, was sie behaupten: So mancher mag beobachten und protokollieren, wer sich da weswegen anonymisieren will.

Neben Proxy-Diensten, die man als "Umleitung ins Internet" in seinem Browser einstellt (siehe Anleitung in der Bildergalerie), gibt es zahlreiche Web-basierte Proxys, die man einfach per Browser ansteuern kann. Sie sind in der Regel sehr langsam, wenn man sich nicht auf einen Bezahldienst einlässt.

Der vielleicht interessanteste Web-basierte Proxy ist derzeit das deutsch-schweizerische Projekt picidae. Der Dienst holt sich die vom Nutzer angefragte Web-Seite und wandelt diese komplett in ein Bild um. Der Nutzer braucht nur die gewünschte Web-Adresse in ein einfaches Suchfeld eingeben, der Rest ergibt sich.

Damit ist nicht nur der Seitenaufruf verschleiert, sondern auch jeder Filter ausgehebelt. Das Beste daran: Die Bilder lassen sich völlig normal als Web-Seiten nutzen. Ein Klick auf einen Link, und picidae generiert ein Bild der dahinterliegenden Web-Seite. Die von picidae erzeugten PNG-Screenshots sind also voll funktionale, mit Link-Infos versehene Bitmaps.

Ein interessanter Ansatz auch gegen Zensur und Überwachung, der aber wie alle Proxy-Lösungen den Nachteil hat, dass er durch eine bloße Sperrung der IP-Adresse leicht zu blockieren ist.

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