Interview mit Skype-Manager "Skype reißt keine Löcher in Firewalls"

Die Internettelefonie-Software Skype wird demnächst in eBay-Auktionseiten integriert. Im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE erklärt Skype-Manager Michael Jackson, wozu das gut sein soll, warum Skype nicht kompatibel zu anderen IP-Telefonie-Programmen ist und weshalb die Software keine Löcher in Firewalls macht.


SPIEGEL ONLINE: Skype soll künftig in die eBay-Seiten integriert werden. Wie wird das genau aussehen?

Michael Jackson: Wenn jemand nach einem Produkt auf eBay sucht, wird er mit einem Klick den Verkäufer anrufen können. Ein Button wird anzeigen, ob derjenige überhaupt erreichbar ist.

SPIEGEL ONLINE: Und wozu soll das gut sein?

Michael Jackson: Die Anruffunktion ist sicher nicht für jeden Artikel sinnvoll, aber wenn ich Fragen zu einem Gebrauchtwagen habe, dann ist sie sehr praktisch. Wir glauben, dass man mit der Skype-Funktion Dinge sogar zu einem höheren Preis verkaufen kann, weil man sie interessanter macht. Man kann leichter nachfragen: Was ist da auf dem Foto rechts, ich kann das nicht erkennen…

SPIEGEL ONLINE: Aber ich kann als Verkäufer doch auch einfach meine Handynummer in die Artikelbeschreibung schreiben.

Jackson: Ja, aber das wollen die wenigsten.

SPIEGEL ONLINE: Soll stattdessen der Skype-Name auf der eBay-Seite veröffentlicht werden? Den will man doch genauso wenig ins Netz stellen wie die Handy-Nummer…

Jackson: Das kommt darauf an. Die Idee ist, die Distanz zwischen Käufer und Verkäufer zu wahren, eine der Stärken von eBay. Man kann sich für die anonyme Variante entscheiden. Der Skype-Name erscheint dann nicht und wenn die Auktion vorbei ist kann man den Verkäufer auch nicht mehr anrufen. Wenn man gebrauchte Ware verkauft, will man ja auch nicht ein halbes Jahr später angerufen werden, weil sie kaputt gegangen ist. Es gibt aber auch die Option, den Skype-Namen offen zu legen.

SPIEGEL ONLINE: Haben Sie keine Bedenken, dass Leute künftig via Skype ihre Geschäfte an der eBay-Plattform vorbei abwickeln und damit die Gebühren für erfolgreiche Versteigerungen sparen?

Jackson: Nun, das geht heute ja auch schon per E-Mail und es passiert auch. Aber eBay muss den Käufern und Verkäufern eben die Vorteile deutlich machen, die der Handel über die Plattform bietet. Zum Beispiel die Auktionsversicherung für Käufer und Verkäufer. Diese gibt es nicht für Geschäfte, die außerhalb von eBay abgewickelt werden. Wer da betrogen wird, geht leer aus.

SPIEGEL ONLINE: Wann kommt Skype auf die deutschen eBay-Seiten?

Jackson: Es wird nicht mehr lange dauern. Wir testen die Technik gerade bei eBay Schweiz und eBay Österreich, allerdings nur in ausgewählten Kategorien, zum Beispiel Autos.

SPIEGEL ONLINE: Skype ist nicht kompatibel zu anderer Voice-over-IP-Software und hält sich auch nicht an verbreitete Standards wie SIP. Ist die Zeit für solche proprietäre Lösungen nicht längst vorbei?

Jackson: Die meiste Software ist heutzutage proprietär - denken Sie nur an Microsofts Office mit Word und Excel…

SPIEGEL ONLINE: Aber immerhin kann ich Word-Dokumente auch mit anderen Programmen öffnen und speichern…

Jackson: Das stimmt. Wir haben uns dazu entschlossen, Entwicklern Tools bereitzustellen, sodass diese Skype in andere Anwendungen oder Geräte einbauen können.

SPIEGEL ONLINE: Aber das Skype-Protokoll ist proprietär…

Jackson: Ja. Aber wir nutzen SIP nicht, weil es nicht alles das erlaubt, was wir wollen. Skype kann viel mehr als SIP.

SPIEGEL ONLINE: Ob 1&1, AOL, Web.de oder Freenet - fast alle deutschen Internettelefonie-Anbieter nutzen SIP. Deren Kunden können Skype-Anwender nicht kostenlos anrufen, obwohl alle über das Internet telefonieren.

Jackson: Richtig, das geht noch nicht. Aber wenn die Nutzerzahlen bei SIP groß genug sind, könnten wir uns dafür öffnen. Wir haben keine prinzipielle Abneigung dagegen.

SPIEGEL ONLINE: Aber ganz ehrlich: Wollen Sie nicht einfach nur Marktführer bleiben und die Konkurrenz ausschließen?

Jackson: Der Hintergrund sind unsere Funktionen, auf die wir nicht verzichten wollen: etwa der Instant-Messenger und Multi-Chats, also Konferenzgespräche - all das gibt es unter SIP nicht oder gab es lange Zeit nicht. Wenn man revolutionäre Dinge tun will, dann muss man es selbst machen. Wer dem Strom folgen will, der muss den Standard nutzen.

SPIEGEL ONLINE: Administratoren in Unternehmen mögen Skype überhaupt nicht. Sie sagen, die Software durchlöchere die Firewall, wenn man sie installiert.

Jackson: Zuallererst: Skype reißt keine Löcher in Firewalls. Es öffnet keine Ports, es nutzt vielmehr Ports, die schon offen sind. Warum machen wir das? Wir wollten, dass die Software leicht zu installieren ist und auf Anhieb läuft. Und so sucht sich die Software nach der Installation selbst den Weg ins Internet. Wenn ein Administrator also eine Lücke in seiner Firewall gelassen hat, dann wird Skype diese nutzen.

SPIEGEL ONLINE: Aber daran stören sich Administratoren, weil sie keinen Einfluss darauf haben.

Jackson: Richtig. Wir erweitern die Software gerade um Funktionen, mit denen Administratoren Skype besser kontrollieren können. Immerhin wird Skype ja inzwischen zu 30 Prozent geschäftlich genutzt. Die Administratoren können dann den Port einstellen, den das Programm nutzen soll. Andere Ports, die vorher schon offen waren, werden so natürlich nicht geschlossen.

SPIEGEL ONLINE: Es gibt bereits Handys mit zusätzlicher Skype-Funktion. Glauben Sie, dass Voice-over-IP sich auch auf Mobiltelefonen durchsetzt?

Jackson: Die Lage ist hier anders als im Festnetz. Bandbreite ist knapp und teuer. Ich halte ein Nebeneinander von Skype und normaler Telefonie auf dem Handy für wahrscheinlich - also Hybridlösungen. Man nutzt Skype dann, wenn man im Bereich eines WLANs ist und ansonsten normale Handyverbindungen.

SPIEGEL ONLINE: eBay hat Skype gekauft und auch das Bezahlsystem Paypal. Skype kommt auf das Handy, bald auch das Bezahlsystem Paypal?

Jackson: Das wird in den USA und Großbritannien schon getestet, es gibt dazu aber noch keine konkreten Pläne. Natürlich existieren in einem Unternehmen wie unserem Millionen guter Ideen. Mobile Bezahlsysteme sind auf jeden Fall ein interessantes Thema, zumal es zurzeit weltweit viele verschiedene Systeme gibt. Schauen wir mal.

Das Gespräch führte Holger Dambeck



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