IT-Umweltstudie Greenpeace watscht Nintendo ab

Nintendo hat die schlechtesten Umweltstandards von 18 großen Elektronikherstellern - jedenfalls, wenn man einer aktuellen Greenpeace-Studie glaubt. Nintendo bekam null Punkte - dabei liegen der Umweltorganisation gar keine Informationen über deren Herstellungsverfahren vor.


Nintendo sieht gar nicht gut aus, im neuen Greenpeace-Report über die Umweltfreundlichkeit von Elektronikherstellern. In neun unterschiedlichen Kategorien hat die Organisation Punkte vergeben, für die Einführung PVC-freier Modelle beispielsweise, für Recycling-Programme und die Art und Weise, wie chemische Substanzen im Fertigungsprozess eingesetzt und überwacht werden. Für jede Kategorie verteilte Greenpeace null bis drei Punkte. Nintendo bekam neunmal null: "Schlecht". Aber über die tatsächliche Umweltfreundlich- oder Schädlichkeit von Nintendo-Produkten sagt das gar nichts aus.

Nintendos Wii-Konsole: Schlechte Umweltstandards?
obs/Nintendo of Europe

Nintendos Wii-Konsole: Schlechte Umweltstandards?

Andere schnitten viel besser ab, auf Platz eins bis drei der Greenpeace-Studie landeten beispielsweise Sony Ericsson und Samsung mit je 7,7 sowie Sony mit 7,3 von 10 Punkten. Am anderen Ende der Skala landeten mit 2,7 und 2 Punken Microsoft und Philips. Danach kommt nur noch Nintendo mit null Punkten. Nur: Dieser Wert basiert nicht auf Informationen über umweltschädliche Praktiken - sondern auf der Abwesenheit von Information. Die Links im Greenpeace-PDF, die eigentlich zu "mehr Information" führen sollen, bringen einen allesamt auf die Seite mit Nintendos Unternehmens-FAQs, zu einem in der Tat höchst allgemein gehaltenen Absatz über Recycling-Papier und eingespartes Verpackungs-Styropor.

Man habe alle in dem Bericht vertretenen Hersteller angesprochen und um Informationen gebeten, teilt Iza Krusczewiska von Greenpeace auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE mit. Nintendo habe aber als einziges Unternehmen nicht geantwortet. Auch die vorab berechnete Punktzahl sei Nintendo, wie den anderen Unternehmen, zugesandt worden, aber ohne Reaktion. Auf die Frage, ob es dann aber nicht irreführend sei, dem Unternehmen schlechte Noten für Umweltstandards zu geben, ohne etwas über diese Umweltstandards in Erfahrung gebracht zu haben, antwortet Krusczewiska knapp: "Wir erwarten von Unternehmen, dass sie kommunizieren." Schließlich gehe es nicht nur um Umweltstandards sondern um "Umweltstandards, die öffentlich mitgeteilt werden".

Bei Nintendo war bislang niemand für eine Stellungnahme zu erreichen. Die vollständige Liste der bewerteten Unternehmen finden Sie hier.

Nachtrag: Nintendo hat nun mit einer Stellungnahme reagiert. Man sei "vom Inhalt des Greenpeace-Berichts überrascht". Alle geltenden Vorschriften "in Bezug auf die Vermeidung von gefährlichen Substanzen, Materialrecycling usw." würden eingehalten. "Beispielsweise sind alle Nintendo-Produkte, die weltweit geliefert werden, so konzipiert, dass sie die einschlägigen europäischen Normen erfüllen, die unserem Wissen nach zu den strengsten der Welt zählen." Eine Antwort auf die Frage, warum auf die Greenpeace-Anfragen nicht reagiert wurde, findet sich in der Stellungnahme aber nicht.

cis



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