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Kaffeefahrt/Testfahrt: Steves große iTunes-Show

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Steve Jobs rief nach London, und rund 330 Journalisten aus aller Welt kamen. Mit dem iTunes Musicshop, daran ließ der Apple-Chef keinen Zweifel, wolle er den Download-Markt aufrollen. Erste Tests beeindrucken - und offenbaren zugleich, dass Apple ganz ähnliche Probleme hat wie die Konkurrenz.

"Lokalisiert": Im Apple Musicstore kann man jetzt auch in Teilen von Europa shoppen
REUTERS

"Lokalisiert": Im Apple Musicstore kann man jetzt auch in Teilen von Europa shoppen

London: Die ewigen Rebellen haben ans Flussufer geladen, mit dem "Old Billingsgate Market" stilsicher eine "Location" gefunden, die passgenau dem Apple-Image zwischen Hemdsärmeligkeit und edel entspricht. Links liegt die Tower Bridge, am anderen Flussufer die HMS Belfast, die Sonne brennt mit 30 Grad. Die letzten Jacketts verabschieden sich, noch bevor die Türen geöffnet werden. "Richtige Neuigkeiten", sagt Pasqual, der für ein französisches Wirtschaftsmagazin arbeitet, "erwarte ich ja nicht. Aber ich bin gespannt auf die Details."

Der Text könnte von jedem der Wartenden kommen, in Spanisch, Italienisch, Deutsch und diversen anderen Sprachen. Wir könnten ihn gemeinsam singen, was auch passend wäre, denn eigentlich sind wir als eine Art Chor gedacht: Eingeladen und eingeflogen, um den Start des iTunes Musicstore in Europa zu preisen. Rund 330 Journalisten von dies- und jenseits des Atlantik. Wer sein Ticket nicht selbst bezahlen wollte oder konnte, den flog Apple ein. Von nix kommt halt nix.

Was den Apple Musicstore von seiner Konkurrenz unterscheidet, ist nicht nur die Programmoberfläche: Apple hat seinen Shop zum integralen Bestandteil des Musikverwaltungsprogramms iTunes gemacht. Das hat zahlreiche Vorteile, ist enorm bequem in der Bedienung, ist klar strukturiert, funktional und schick gestaltet. Aber all das macht den Unterschied zu Phonoline und Co nicht aus: Im Gegensatz zu den anderen kommerziellen Download-Angeboten besitzt iTunes eine potenzielle Kundschaft, die der Eröffnung des Shops regelrecht freudig entgegenfieberte. In London und später im Web sollte sich erweisen, ob sich das Warten gelohnt hat.

Kurz vor dem Öffnen der Türen verteilt ein freundlicher, aber offenbar verärgerter Mann Flugblätter der "Impala", der Independent Music Companies Association. Apple, sagt der Mann, lässt uns nicht in den Shop. Bis gestern habe man verhandelt, aber fruchtlos. Apples Bedingungen seien ein zu saurer Apfel. Er hoffe, es trotzdem noch zu schaffen.

Aufgeräumt: Der Shop glänzt mit bequemem Handling

Aufgeräumt: Der Shop glänzt mit bequemem Handling

Die anwesenden Journalisten erfahren, dass sie im iTunes-Angebot nicht nach den White Stripes oder den Franz Ferdinands suchen brauchen. Apple lässt sie nicht rein. Später sagt Firmen-Boss Steve Jobs euphemistisch, zum Angebot gehörten "neben allen großen Labels auch viele Independents, und wir verhandeln weiter, damit es mehr werden". Die eingeladenen Kommunikatoren hören und verstehen jedoch: Noch gibt es Lücken.

Den Eindruck haben auch hartnäckige Apple-Fans. Knapp eine Stunde nach Eröffnung des digitalen Musikladens erscheinen erste enttäuschte Meldungen in Mac-Foren, erreichen erste Leserbriefe die Redaktionen. "Der iTunes Musicstore in Deutschland ist extrem dünn im Programm", schreibt da einer für alle. "Schaut euch mal die Rubrik 'Alternative' an. Da ist nicht einmal ein Bruchteil dessen zu finden, was die US-Version hat."
Das stimmt, also erledigen wir das Meckern vorab: Wie die liebe Konkurrenz hat auch iTunes erhebliche Lücken. Das deutsche Repertoire ist allenfalls fragmentarisch zu nennen. Selbst im Mainstream klafft es, wo man hinsieht: "Wir sind Helden" sind auf zwei Lieder reduziert, "Seeed" haben nur einen Song, Gruppen wie Tocotronic oder Blumfeld kennt iTunes gar nicht.

Drinnen ist es kühler, es gibt Wasser, Saft, Kaffee und kleines Gebäck. 11 Uhr soll's losgehen, "er wird pünktlich sein", sagt die adrette Frau, die wachend vor dem Vorhang zum Hauptsaal steht. Er ist pünktlich.

Stars: Jobs und Alicia Keys
SPIEGEL ONLINE

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Als Steve Jobs die Bühne betritt, ist er so unauffällig, dass es zunächst ein paar Sekunden dauert bis zum höflichen Applaus. Im Publikum sitzen Medienleute. Die sind zur kritischen Distanz verpflichtet, zur Skepsis, viele haben die mit Löffeln gefressen, sind Zyniker. Einige andere arbeiten für reine Apple-Magazine, Fanseiten, sind Fans. Irgendwo dazwischen darf der Leser sich später eine Meinung bilden.

Jobs im Schnelldurchlauf: dunkles Sweatshirt, ausgewaschene Jeans, Drei-Tage-Bart, angegraut. Spricht ein kultiviertes Englisch, langsam, läuft auf der Bühne hin und her, während er mit Hilfe zahlreicher Bilder auf der kinogroßen Leinwand seine Botschaft an den Mann bringt. Erklärt alles zwei-, dreimal, damit es auch einsickert. Wie gut das Produkt iTunes ist. Was man alles damit machen kann. Wie sich Apple damit im Markt platziert. Was alles drinsteckt an Inhalt. Er hat offenkundig Spaß am eigenen Produkt, und das macht ja auch wirklich etwas her.

Tatsächlich, man kann und muss iTunes auch loben: Nach wie vor bietet das Programm mit der Shopanbindung die bequemste Möglichkeit, im Web Musik zu shoppen. Das, was er hat, präsentiert der Shop gut und übersichtlich, sehr schnell und bequem auffindbar. Die Qualität der Downloads ist Klasse, und auch die Sound-Schnipsel, in die man hineinhören kann, kommen schnell und in bester Klangqualität. Neu sind die Musikvideos, von denen zumindest die Klein-Version praktisch ohne Wartezeit über die DSL-Leitung nudelt.

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