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Kein Lüfterlärm mehr: PC in Öl eingelegt

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Ein baden-württembergischer Abiturient hat das Hitzeproblem moderner PCs auf radikale Weise gelöst: Er versenkte den Computer komplett in Speiseöl. Nur die Festplatte blieb "im Trockenen". Ein Jahr läuft der Rechner nun schon wie ein geölter Blitz - ganz ohne Geräusche.

Ölrechner von Markus Leonhardt: "Erst wollte ich destilliertes Wasser nehmen"
www.markusleonhardt.de

Ölrechner von Markus Leonhardt: "Erst wollte ich destilliertes Wasser nehmen"

Leistung hat ihren Preis. Nicht nur in Euro, sondern auch in Sone oder Phon. Die Prozessoren und Grafikchips moderner Computer erhitzen sich so stark, dass sie ohne Lüfter den schnellen Hitzetod sterben würden. Nur mit großem Aufwand gelingt es, hoch gezüchtete Rechner leise zu bekommen. Spezialgehäuse und extra große, langsam drehende Lüfter sind ein Weg, mancher PC-Besitzer baut sich auch eine Wasserkühlung ein.

Markus Leonhardt, ein 20jähriger Abiturient aus Remchingen bei Karlsruhe, ist einen etwas anderen Weg gegangen. Er versenkte seinen PC in 30 Liter Speiseöl, "die billige Hausmarke vom Spar-Markt", wie er gegenüber SPIEGEL ONLINE sagte. "Erst wollte ich destilliertes Wasser nehmen, denn das leitet ja auch keinen Strom".

Er fürchtete jedoch, dass das Wasser über kurz oder lang die Metallteile am PC angreifen würde - Ionen hätten das Wasser dann noch leitend gemacht. So entschied er sich für Öl, das elektrische Ladungen grundsätzlich nicht transportieren kann. Um sicher zu gehen, reinigte Leonhardt sämtlich PC-Teile vor dem Ölbad mit einem Kompressor, damit kein Schmutz ins Öl gelangen konnte.

Alles gut geölt: Netzteil, Mainboard, Steckkarten
www.markusleonhardt.de

Alles gut geölt: Netzteil, Mainboard, Steckkarten

Dass man einen PC in Öl betreiben kann, hatte Leonhardt im Internet auf der Seite tractum.de gesehen. Zweifel blieben aber, zumal ihm in Foren immer wieder von dem Vorhaben abgeraten wurden: "Chemiker haben mich davor gewarnt, dass das Öl das Verhalten der Kondensatoren verändert." Diese seien für den Betrieb in Luft gebaut und nicht in Öl, hieß es.

Die schmierige Flüssigkeit als letzte Ölung für seinen Rechner? Leonhardt ließ sich davon nicht beirren und behielt Recht: Seit Mai 2004 läuft der PC mit Celeron-Prozessor (550 MHz), 192 MByte Ram und GeForce-Grafikkarte FX 5200 problemlos im Dauerbetrieb. Nur die Festplatte bekam einen Platz außerhalb des Ölbades.

Der Lüfter, der normalerweise den Prozessor mit kühler Luft versorgt, rührt nun das Speiseöl aus dem Sparmarkt durch. "Er läuft nur langsamer als unter normalen Bedingungen", sagt Leonhardt.

Das einzige Problem, das er mit dem Rechner bislang hatte, war Öl in den nach außen führenden Kabeln. "Durch die Kapillarwirkung zieht sich das Öl durch das Kabelinnere", berichtete der Abiturient. Dies sei ihm beim Säubern der Maus aufgefallen. Daraufhin stellte er das Aquarium unter seinen Tisch, den Höhenunterschied kann das Öl nicht überwinden.

Dass durch sein Zimmer ein Hauch von Frittenbude weht, bestreitet Leonhard vehement. "Ich rieche nichts." Erst wenn man die Abdeckung des Aquariums zur Seite schiebe, fange es an zu müffeln.

Schnittstellen auf der Rückseite: "Ich rieche nichts"
www.markusleonhardt.de

Schnittstellen auf der Rückseite: "Ich rieche nichts"

Die Temperatur der 30 Liter Öl hat sich auf konstant 40 Grad eingepegelt. Das System hat allerdings auch nur eine Leistungsaufnahme von 50 Watt. Zum Pommes frittieren muss Leonhardt nach wie vor in die Küche gehen.

Mittlerweile muss der Abiturient Anfragen von anderen PC-Schraubern beantworten, die ihren Lärm-PC ebenfalls in Öl einlegen wollen. Ein anderer Tüftler mit einem deutlich leistungsstärkeren System könnte vielleicht sogar tatsächlich eines Tages Gemüse am PC garen, zumindest aber warm halten: "Bei ihm steigt die Öltemperatur stetig, ohne einen Gleichgewichtspunkt zu finden. Wir sind gerade am Tüfteln, ob man das mit einem Radiator in den Griff bekommt."

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