Konkurrenz für Google Findet's Neomo?

Einst besaßen die Telefonbuch-Verlage eine Art Monopol auf regionale Adressinformationen. Heute nehmen ihnen Google und Co längst die Butter vom Brot, aber das muss man sich ja nicht gefallen lassen: Mit "Neomo" wollen die Gelben den besseren regionalen Suchdienst entwickeln.


Wer in New York, San Francisco oder Anchorage dringend eine Pizzeria sucht, wird nicht nur bei Google fündig. Dort findet er allerdings neben Adresse und Telefonnummer gleich auch noch Stadtplan und Anfahrtskizze und - mit ein wenig Glück - Kritiken über die Qualität des dortigen Essens. Die schiere Informationsfülle lässt da die früher unumgänglichen Gelben Seiten sehr, sehr blass aussehen. Die ganze Art, wie man heute solche regionalen Informationen recherchiert, hat sich von Grund auf verändert: Statt im Branchenbuch nach konkreten Restaurants zu suchen, lässt man sich heute per Web eines empfehlen.

Erweiterung des Angebots: Adresse, Stadtplan, Luftbild und - angeblich - "mehr Informationen"

Erweiterung des Angebots: Adresse, Stadtplan, Luftbild und - angeblich - "mehr Informationen"

Aus ist es also mit dem einstigen Informationsmonopol im regionalen Raum. Beim Blick auf das Leistungsspektrum der großen Suchdienste in der Region in den USA - siehe oben - muss den Telefonbuch-Verlagen in Deutschland der Hintern auf Grundeis gehen. Hierzulande hat all das erst begonnen, und schon sehen sich die Branchbuch-Verleger überholt: Heizöl gesucht? Im Branchenbuch findet man die Telefonnummern aller regionalen Händler. Im Web veröffentlichen die gleich ihre aktuellen Preise.

Kein Zweifel also, schlossen die Verleger, es ist höchste Zeit, etwas zu unternehmen.

Ihr gemeinschaftliches Unternehmen heißt Neomo und sitzt in Köln. Als Entwickler soll Neomo Suchtechnik aus der Taufe heben, berichtet heute die "Financial Times Deutschland", "die speziell auf das deutschsprachige Internet zugeschnitten ist".

Sagt Neomo-Geschäftsführer Stefan Fischerländer und verweist darauf, dass sich die Suchtechnik bereits in der Testphase befinde. Damit wären die Telekom-Tochter DeTe Medien und ihre Partnerverlage dann weiter als Google, die ebenfalls "mit Hochdruck" an regionalen Info-Services für Deutschland arbeiten.

Vermarktet werden soll Neomo allerdings nicht als eigenständige "Web-Marke", berichtet die "FTD", sondern als buchbarer Dienst: So arbeiten auch Firmen wie Inktomi, die ihre Suchdienstleistungen gegen Gebühr Webseiten-Betreibern zur Verfügung stellen. Als Kunde hat Neomo da nicht nur T-Online, sondern auch große deutsche Portalbetreiber im Auge.

Der Betatest der Technik läuft derzeit auf GelbeSeiten.de, wo bereits Wellness- und Gastronomie-Guides angeboten werden. Deren Informationsgehalt ist derzeit allerdings noch bescheiden: Viel mehr als beispielsweise die Zusammenfassung von Restaurants einer bestimmten Nationalität, der Nennung der Adressdaten und dem Anzeigen eines entsprechenden Stadtplanausschnittes bekommt der Guide derzeit noch nicht hin.

Auch wo "mehr Informationen" dransteht, stecken diese in der Regel nicht drin: Darunter versteht der Neomo-Dienst bisher anscheinend nur die Abbildung von gestalteten Anzeigen des betreffenden Dienstleisters - ganz so wie im Branchenbuch.



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