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Konkurrenz für Kindle und Co.: Deutsche Firma entwickelt eigenes E-Book-Lesegerät

E-Book-Lesegeräte könnten nicht nur den Buchhandel verändern, sondern auch die Art und Weise, wie Zeitungen und Magazine künftig vertrieben werden. Auf der Cebit stellte ein deutsches Unternehmen ein Linux-Lesegerät vor, das Kindle, Sony und Co. Konkurrenz machen soll.

Hannover - Ein Berliner Unternehmen will Tageszeitungen, Zeitschriften und Bücher aufs E-Book bringen und hat dazu ein eigenes Lesegerät entwickelt. "Wir wollen Inhalte auf neue Weise unter die Leute bringen", sagte der technische Leiter von txtr, Andreas Steinhauser, im Gespräch mit der Nachrichtenagentur AP auf der Cebit in Hannover.

E-Ink auf dem Vormarsch: Die Technik ermöglicht gestochen scharfe Schriften bei minimalem Energieverbrauch - ideal für Lesegeräte wie den txtr
AP

E-Ink auf dem Vormarsch: Die Technik ermöglicht gestochen scharfe Schriften bei minimalem Energieverbrauch - ideal für Lesegeräte wie den txtr

Mitgebracht hat Steinhauser den Prototyp eines neuen Lesegeräts, das ebenso wie der in einer Woche in Deutschland startende Sony-Reader PRS-505 die als "E-Ink" (elektronische Tinte) bezeichnete Display-Technik nutzt. "Wir haben auf allen unnötigen Schnickschnack verzichtet", erklärt Steinhauser zur Bedienung des Lesegeräts, das als einzige Öffnung einen Mikro-USB-Anschluss hat.

Im Unterschied zum Sony-Reader soll der txtr bei der im Herbst erwarteten Fertigstellung aber auch den Anschluss ins Internet haben - über W-Lan oder auch über Mobilfunk mit UMTS. Über Nahfunk können sich zudem zwei txtr-Geräte erkennen und Texte austauschen.

Außer dem Gerät gibt es auch eine Plattform im Netz, auf der die txtr-Nutzer frei verfügbare Texte hochladen und austauschen können. Das E-Book-Lesegerät kann sich mit dieser Plattform verbinden und Inhalte von dort beziehen. Zurzeit ist txtr.com noch im Beta-Stadium, bis Mai soll die Entwicklung fertig sein.

Zum Start des Geräts soll es einen Online-Shop geben, wo Verlage ihre Titel anbieten können, zu einem von ihnen selbst gewählten Preis. "Wir rennen bei denen die Türen ein", sagt Steinhauser. Auch Zeitschriften, Magazine und Tageszeitungen könnten dort mit eigenen Abo-Modellen ihre Ausgaben zum Download auf den txtr-Reader bereitstellen.

"Unser Ziel ist die Verbindung von freien Texten mit dem kommerziellen Buchprogramm", erklärt der Technik-Chef (CTO) von txtr und zeigt, wie er auf dem Geräte-Prototyp sehr schnell von einer Seite zur nächsten blättert. Das geschieht ebenso wie die Auswahl von Texten mit einem "Slider" links vom Bildschirm, der mit 6 Zoll (12,24 mal 9,06 Zentimeter) ebensogroß ist wie der Sony-Reader. Wenn der Finger über den Slider wischt, erscheint sofort die nächste Seite. Auch lässt sich die Schrift schnell vergrößern, und der txtr wechselt vom Hoch- ins Querformat, indem man ihn einfach entsprechend dreht - dazu haben die Geräteentwickler einen Bewegungssensor eingebaut.

Im Mittelpunkt des txtr-Konzepts steht nach Angaben Steinhausers aber nicht das einzelne Gerät, sondern das Gesamtkonzept. So gibt es auch schon ein txtr-Programm für das iPhone, und die Unterstützung weiterer Geräte soll folgen. Für eine möglichst große Vielfalt von Funktionen und Anwendungen will das Unternehmen das System für Entwickler zur Verfügung stellen. "Wir schreiben da in jeder Hinsicht 'open' drauf", erklärt Steinhauser. Das passt auch zu Linux, dem Fundament für das txtr-System.

Bisher nur ein Prototyp

Was wird der txtr kosten, wenn er im Herbst eingeführt wird? Das hänge ganz von der Entwicklung der Preise für Bauteile ab, die zurzeit sehr schwankend sei, erklärt der txtr-CTO. Außerdem will txtr beobachten, was die anderen tun - mit Spannung wird auf dem Markt schon lange die Entscheidung erwartet, wann Amazon sein in den USA erfolgreiches Lesegerät Kindle in Europa einführen wird. Der Sony-Reader kostet bei seiner Markteinführung nächste Woche 299 Euro.

Für die Online-Verbindung im Mobilfunk steht txtr nach Angaben Steinhausers in Gesprächen mit Betreibern. Beim Kauf des Geräts soll eine Sim-Karte gleich mit dabei sein. Die Abrechnung erfolgt nach den Vorstellungen des Unternehmens aber nicht über den Mobilfunkbetreiber, sondern über txtr. Geplant ist die Wahl zwischen einem Flatrate- und einem Prepaid-Modell.

Hinter dem txtr steht das Anfang 2008 gegründete Unternehmen Wizpac. "Wir kommen aus dem Embedded-Bereich", erklärt Steinhauser - unter den "eingebetteten Systemen" versteht man die Integration von Schaltkreisen in anderen Geräten als dem Computer. Demnächst soll Wizpac in txtr umbenannt werden. "Wir sind keine Startups, wir haben schon mal gezeigt, dass wir was können", sagt Steinhauser, der zuvor bei dem Geodaten-Spezialisten Gate 5 war, der 2006 von Nokia übernommen wurde. Mit Blick auf die Wirtschaftskrise sagt der txtr-Technikchef: "Die Voraussetzungen sind nicht ideal, aber ein gutes Produkt steht am Ende für sich selbst."

Peter Zschunke, AP

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