Konkurrenzkampf: RealNetworks hackt den iPod

Der iPod von Apple ist der meistverkaufte mobile digitale Musicplayer - und funktioniert nur in Verbindung mit Apples DRM-Technik FairPlay. Das aber, sagt Konkurrent RealNetworks, sei eben nicht fair, denn damit sei Konkurrenten der Weg auf den iPod verbaut. Jetzt schlägt Real zurück - und hackt den iPod per "Software-Update".

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Noch ist kein Mucks zu hören aus Cupertino, doch die Uhr tickt, der Countdown läuft: Am Dienstag, kündigte RealNetworks-Chef Rob Glaser per Interview im "Wall Street Journal" an, werde Real ein "Software-Upgrade" für den Apple iPod veröffentlichen, mit dessen Hilfe man auch mit Real-DRM-Techniken verschlüsselte Musikdateien auf dem populärsten Player der Welt hören könne.

Genau das hat Apple bisher mit seiner "FairPlay" genannten DRM-Technik verhindert. DRM steht für "Digital Rights Management", was eigentlich völlig irreführend ist: DRM-Software legt die Restriktionen fest, denen eine Datei unterliegt. Sie bestimmt, wer welche Ware mit welchen Gerätschaften wie oft und unter welchen Bedingungen nutzen darf.

FairPlay verschaltet Apples iPod-Player mit Apple-Software und dem iTunes Downloadshop - ein durch und durch rundes Paket, bei dem andere ganz bewusst außen vor gehalten werden. Denn iTunes ist ein Verkaufsargument für den iPod, und der iPod das beste Argument für den Apple iTunes Shop - "Gäste" sind da nicht vorgesehen.

Real-Chef Rob Glaser: Vergeblich um Verhandlungen bemüht

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Das musste auch Rob Glaser, mit seiner Firma RealNetworks in den USA selbst Betreiber eines größeren Web-Downloadshops, feststellen, als er versuchte, Verhandlungen mit Apple zu beginnen. Real mühte sich, für seine digitalen Waren Zugang zum iPod zu erlangen: Auch über den Real-Shop gekaufte Musikdateien sollte man mit dem "Pod" hören können.

Daran jedoch hat Apple kein Interesse. Die Verhandlungen versandeten, ohne je richtig begonnen zu haben. Vorfühler Glasers beantwortete Apple-Chef Steve Jobs per Presse: In Anbetracht seines Markt-Standings habe es Apple nicht nötig, mit RealNetworks oder anderen zu kooperieren. Ein Tiefschlag für Real und Co, die sich im aufstrebenden Musikdownload-Markt einmal mehr einer wachsenden Monopolisierung gegenüber sehen. Apple hält rund 75 Prozent des Weltmarktes bei kommerziellen Downloads, Tendenz steigend.

Mit einem "Du musst draußen bleiben!" wollte Glaser sich aber nicht abfinden. Anders als Apple und Microsoft kann Real seine Softwareprodukte kaum an Waren binden. Downloadshops, für die man sich aber erst eine Software herunterladen muss, werden vom potenziellen Kunden anders wahrgenommen als solche, die an vorinstallierte Standard-Software wie Apple iTunes oder (bald) Microsofts Mediaplayer gebunden sind. Da heißt es, noch schnell einen Fuß in die Tür zu bekommen: Angeblich nur mit Mitteln des "Reverse Engineering" soll es den Real-Technikern nun gelungen sein, ihre Dateien für eine Nutzung mit dem iPod aufzubohren.

Apple-Chef Steve Jobs: Wozu mit Partnern, wenn man es allein gewuppt bekommt?
REUTERS

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Das Pikante daran: Apple gab Real dafür natürlich keine Erlaubnis. Allerdings ist Reversed Engineering auch nicht strafbar: Dabei wird versucht, durch eine Analyse der Funktionsweisen ein Programm nachzuprogrammieren. Juristisch ist da in den Vereinigten Staaten kaum etwas zu machen, auch, wenn es einem klassischen Hack ziemlich nahe kommt. Anders sähe die Sache aus, wenn sich im Real-Programm abgekupferter Programmcode fände.

Die Veröffentlichung des Real-Programms, sarkastisch "Harmony" getauft, wird Apple kaum verhindern können. Als sicher darf jedoch gelten, dass Apples Programmierer sofort nach Veröffentlichung beginnen werden, die Software auseinander zu nehmen: Harmony soll die über den Real-Shop erstandenen Dateien in mit FairPlay kompatible AAC-Dateien konvertieren. Branchenanalysten erwarten heftige juristische Schlagabtausche, sollte Apple mit Erfolg in Zweifel ziehen können, dass "Harmony" wirklich mittels Reverse Engineering entstanden ist.

Bis das aber geklärt ist, hält Apple die Bälle flach und sich bedeckt: "No Comment", sagt der deutsche Apple-Sprecher Georg Albrecht, sei im Augenblick die offizielle Sprachregelung. Klar, denn alles andere würde auch dem Konkurrenten RealNetworks zuspielen auf seiner Suche nach Kunden für den Real-Shop - und nach Aufmerksamkeit.

Frank Patalong

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