Küchen-Skripte Kochbuch für Tech-Heads

Wer den halben Tag vor dem Rechner sitzt, isst in den seltensten Fällen gesund - das muss nicht sein, dachte sich der Computerbuchverlag O'Reilly. Er hat jetzt einen Ratgeber gegen Mangelernährung vor dem Monitor im Sortiment: mit Rezepten, die jeder Nerd versteht.


8727Beim Programmieren oder Gestalten aufwendiger Webseiten hat man keine Zeit für irgendetwas anderes. Selbst elementare Alltagsdinge wie wenigstens eine Mahlzeit am Tag fallen dann schon mal unter den Tisch. Deswegen haben sich jetzt zwei IT-Expertinnen aus Hamburg und Karlsruhe erbarmt und zusammen ein "Kochbuch für Geeks" und Tech-Heads geschrieben, also für jene Zeitgenossen, die sich vorzugsweise im Netz und vor dem PC aufhalten.

Kochbücher für Programmierer gibt es viele. Es gibt Kochbücher für Perl, PHP, Java und andere Programmiersprachen. Sie übertragen die Metapher des Rezepts mit seinen klaren Schritt-für-Schritt-Anweisungen auf den Software-Code mit seinen Befehlsschritten, die dem Prozessor eines Computers oder seinem Betriebssystem sagen, was zu tun ist. Mela Eckenfels und Petra Hildebrandt gehen den umgekehrten Weg: Sie versichern den verkopften Computerfreaks: "Kochen ist nicht komplizierter als Programmieren, Systemadministration oder Datenbankdesign."

Wie beim Programmieren gibt es natürlich auch beim Kochen unterschiedliche Entwicklungsstadien. Das Kochbuch teilt seine Leser und die Rezepte in drei Kategorien ein. Das Larvenstadium ist typisch für den Geek, der "seit Wochen oder Monaten kein Sonnenlicht mehr gesehen" hat und deswegen bereits mit dem Einkauf von Lebensmitteln völlig überfordert ist. Die zweite Stufe kennzeichnet Mamas Liebling, der eigentlich gern mal kochen würde, bislang aber von widrigen Umständen wie einer überbehütenden Mutter daran gehindert wurde. Das Stadium der Vollkommenheit hat hingegen der kulinarische Geek erreicht, der gutes Programmieren mit gepflegten Kochkünsten zu verbinden weiß.

Geekig: Rezeptverwaltung ist ein Muss

Dass diese Stufe eigentlich unmöglich ist, weisen die Autorinnen entschieden zurück. Sie lassen auch keine Entschuldigung gelten wie die, dass man gar keine Küche hat. Auch im kleinsten Zimmer gebe es einen Zugang zu Wasser und Strom und damit zum eigenen Kochen. Die Leser müssen sich durch so schwierige Fragen kämpfen, welche Küchengeräte angeschafft werden sollten und wie man sinnvoll Lebensmittel einkauft. Zur Entspannung dürfen sie sich dann in vertrautere Welten begeben und Webseiten mit Rezepten oder Koch-Podcasts aufsuchen sowie eine Datenbank-Software zur Rezeptverwaltung installieren.

Nach einem Abstecher in die Ernährungslehre, die den Autorinnen zufolge ähnliche Entscheidungen erfordert wie die Wahl des richtigen Betriebssystems, wird es dann ernst. Die ersten Rezepte sind bewusst einfach gehalten und holen den Geek, der sich bisher nur von Nutella aus dem Glas ernährt hat, bei seinen bisherigen Ernährungsgewohnheiten ab. Es geht los mit einfachen, aber nahrhaften Frühstücksdrinks und Gerichten mit Kochbeuteln aus dem Asia-Markt.

In der nächsten Stufe werden dann schon Grundnahrungsmittel selbst zubereitet: Brot, Omelette, Gemüsesuppe, Kartoffeln und Reis. In der höchsten Schwierigkeitsstufe gibt es dann "Gutbürgerliches für die mäkelige Verwandtschaft" oder Leckerbissen für das Bekochen von Freunden.

Alle Rezepte sind so aufgebaut, dass sie ein Programmierer versteht: Erst wird die Problemstellung skizziert und dann die Lösung vorgestellt. Zum Schluss gibt es dann eine Diskussion über andere Lösungswege oder besondere Vor- und Nachteile. Ein besonderes Augenmerk gilt dem Kochen auf Vorrat - weil garantiert mal wieder die Zeit kommt, in der man für nichts anderes Gedanken hat als für Code.


Mela Eckenfels/Petra Hildebrandt "Das Kochbuch für Geeks" , 220 Seiten, O'Reilly 2007, 15,90 Euro

Peter Zschunke, AP



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