Kurzmeldungen Spam auf dem Rückzug?

Erstmals seit Jahren sinkt die Zahl von Spam, Porno- und Virenmails +++ Britische Forscher entwickeln Roboter, der sich von Fliegen ernährt +++ Zu vermieten: der "Herr der Ringe"-Trickcomputer +++ Kalifornien verklagt Diebold wegen Wahlcomputer


Ausgeworben: E-Mails, die für Vergrößerungsmittel für einzelne Körperteile werben, werden seltener

Ausgeworben: E-Mails, die für Vergrößerungsmittel für einzelne Körperteile werben, werden seltener

Für MessageLabs sind das eigentlich schlechte Nachrichten: Das auf E-Mail-Security spezialisierte Unternehmen meldet, dass das Volumen lästiger Spam-, Porno- und Virenmails im August erstmals seit Jahren zurückging. Panik wird bei den Postfilterern aber wohl kaum aufkommen, denn noch immer seien satte 84,2 Prozent aller E-Mails Spam der einen oder anderen Art. Im Vormonat hatte MessageLabs noch eine Spam-Quote von 94,5 Prozent gemessen.

MessageLabs zählt aus, was die Filter der Firma aus dem E-Mail-Verkehr ihrer Kunden abfischen, und das sind vornehmlich Unternehmen. Repräsentativ müssen die Zahlen also - wie meist im Internet - nicht sein, doch sie sind ein guter Indikator für Trends. Glaubt man den Statistiken von MessageLabs, so sank insbesondere die Zahl der Virenaussendungen (von 7,3 Prozent aller E-Mails im Juli auf 6,9 Prozent im August) und der pornografischen Spam-Nachrichten und Dateianhänge. Die hatten im Vorjahr noch 0,07 Prozent aller Mails ausgemacht, in diesem Jahr dagegen nur noch 0,02 Prozent.

Den Grund für den Rückgang von Porno-Mails vermutet MessageLabs in einer strikteren Durchsetzung entsprechender Regeln in den Unternehmen. Warum Spam- und Virenaufkommen sinken, ist den Analysten dagegen ein Rätsel. Den Empfängern von Spam war es dagegen stets ein Rätsel, warum der Mist überhaupt ausgesendet wird - und wer den Unsinn kauft, den die windigen Marketer gemeinhin feilbieten.

Herr der Fliegen

Mit EcoBot II entwickelten britische Forscher einen autonomen Roboter zur Überwachung lebensfeindlicher oder gefährlicher Umgebungen. Der 22 Zentimeter kleine Datensammler in der Grundform einer Keksdose soll sich während seiner Missionen sogar selbst "ernähren" - von Schmeißfliegen.

Und die fängt man am Besten mit einem verlockenden Duft. Die britischen Forscher setzen auf menschliche Exkremente, deren Geruch EcoBot II über eine Duftfalle emittiert. Verirrt sich eine Schmeißfliege hinein, wird sie vom Roboter zu Treibstoff "verdaut".

EcoBot II: Antrieb basiert auf Fäkalien und Schmeißfliegen
Christopher Bytheway/ University West of England

EcoBot II: Antrieb basiert auf Fäkalien und Schmeißfliegen

Das klingt klasse, ist bisher aber kaum geeignet, Laptops mit Strom zu versorgen oder gar Rohöl als Treibstoff zu ersetzen: Eine Schmeißfliege treibt den Roboter zwar einige Stunden an, das aber nur in Intervallen. Alle zwölf Minuten raffiniert der Roboter genug "Treibstoff" aus der sich zersetzenden Schmeißfliege, um sich zwei Zentimeter vorwärts zu bewegen. Das summiert sich zur Höchstgeschwindigkeit von zehn Stundenzentimetern, vorausgesetzt, der Vorrat an Schmeißfliegen ist nicht erschöpft.

In ersten Experimenten bewegte sich EcoBot II nonstop für rund fünf Tage und verbrauchte dabei nur acht dicke, fette Fliegen. Sein Vorgänger EcoBot I war so weit nicht gekommen: Der sollte sich von Schnecken "ernähren", die er selbst "jagen" sollte, um Methangas daraus zu produzieren.

Herr der Ringe

Herr der Ringe: Fantasy- und Digitalspektakel
REUTERS

Herr der Ringe: Fantasy- und Digitalspektakel

Peter Jacksons Tolkien-Spektakel "Der Herr der Ringe" ist gelaufen und hat seinem Heimatland und Film-Drehort Neuseeland nicht nur einen Tourismus-Boom beschert, sondern auch das "New Zealand Supercomputing Center" in Wellington. Denn - man höre und staune - der Rechner, den Jackson für die Generierung der spektakulären digitalen Tricks aufbauen ließ, ist groß und leistungsfähig genug, als "Supercomputer" zu gelten. Tatsächlich steht der "Herr der Ringe"-Rechner derzeit auf Platz 80 in der Top 500-Liste der Supercomputer.

Daraus, befand Jackson, lässt sich auch nach dem Film ein Geschäft machen. Ab sofort vermietet das Supercomputing Center die Rechenleistung des Computers. Mit guten Chancen auf erkleckliche Geschäfte: Das Supercomputing Center ist ein Joint Venture zwischen Jacksons Special-Effects-Firma Weta Digital, von der Jackson ein Drittel der Anteile hält) und dem ehemaligen Telekommunikations-Monopolisten Gen-i.

Zu den ersten Kunden könnte Jackson selbst gehören, der in dieser Woche mit den Dreharbeiten zu seinem neuen Film ("King Kong") begonnen hat. Natürlich kommt der Affe aus dem Rechner, und der des Supercomputing Centers dürfte fit genug sein - zumal nach dem Update: Durch die Integration zusätzlicher Server ins Rechnercluster soll der Computer in Kürze bis in die Top 10 der Supercomputer vorrücken.

Kalifornien: Erneut Ärger für Diebold

Umstritten: Diebolds Wahlmaschinen

Umstritten: Diebolds Wahlmaschinen

Der Ärger um die digitalen Wahlmaschinen des amerikanischen Herstellers Diebold nimmt kein Ende: Bill Lockyer, oberster Staatsanwalt von Kalifornien, übernahm am Dienstag eine Klage gegen das Unternehmen, die ursprünglich vom Innenministerium auf den Weg gebracht worden war. Der Vorwurf: Diebold habe mit aggressiven Marketingmethoden und irreführenden Informationen über seine Produkte den Staat Kalifornien betrogen.

Diebold zeigte sich "erleichtert" darüber, es jetzt mit dem Generalstaatsanwalt zu tun zu haben. Von dem Prozess erhoffe sich der Hersteller von Touchscreen-Wahlmaschinen ein "faires und sachliches Verfahren". Zu der Hoffnung kommt Diebold-Chef Thomas Swidarski wohl, weil Lockyer in einem früheren Fall eine Klage gegen Diebold eingestellt hatte. Diesmal jedoch, heißt es aus dem Büro des Staatsanwaltes, lägen hinreichende Beweise vor, eine Klage wegen irreführender Versprechen vorzubringen und erfolgreich zu vertreten.

Frank Patalong



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