LED-Beamer: Kino in der Hosentasche

Sie bringen weniger Leistung, Licht und Qualität auf die Leinwand als ihre großen Brüder, bieten trotzdem viele Vorteile: Pico-Beamer sind preiswert, langlebig und winzig klein. Sie sind Beamer für unterwegs. Und offenbar ein Trend-Produkt, wie sich auf der Cebit zeigt.

Hannover - Beamer sind teuer, aber reizvoll: Sie bringen die eigenen Fotos oder den DVD-Film im Heimkino als Projektiofn an die Wand. Auf der Cebit in Hannover kann man die ersten Geräte einer neuen Beamer-Generation sehen. Sie sind weitaus preiswerter und finden Platz in der Tasche: LED-Beamer erhalten ihr Licht nicht von Gasentladungslampen, sondern von kleinen Leuchtdioden.

PocketCinema V10: Als potentielle Käufer solcher Mikro-Beamer hat die Industrie vor allem Business-Menschen im Blick. Für den Geschäftsalltag muss man aber erhebliche Abstriche machen: Eine fast völlige Abdunkelung des Raumes ist Grundvoraussetzung für eine hinreichend gute Projektion. Interessant ist der Pocket-Beamer, der seine Filme auch direkt ab SD-Karte nimmt, aber auch für Nutzer, die eher Unterhaltung im Sinn haben. Der beamer "versteht" MP3, JPEG, MPEG-4, AVI, ASF und H.264-Formate
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PocketCinema V10: Als potentielle Käufer solcher Mikro-Beamer hat die Industrie vor allem Business-Menschen im Blick. Für den Geschäftsalltag muss man aber erhebliche Abstriche machen: Eine fast völlige Abdunkelung des Raumes ist Grundvoraussetzung für eine hinreichend gute Projektion. Interessant ist der Pocket-Beamer, der seine Filme auch direkt ab SD-Karte nimmt, aber auch für Nutzer, die eher Unterhaltung im Sinn haben. Der beamer "versteht" MP3, JPEG, MPEG-4, AVI, ASF und H.264-Formate

"Das ist der Start in eine neue Gerätekategorie", schwärmt Nicola Kippels vom taiwanischen Hersteller Aiptek. Das PocketCinema V10 ist ein Winzling von 150 Gramm mit einem Tischstativ. Das Gerät zum Preis von 349 Euro hat einen integrierten Datenspeicher mit Platz für ein Gigabyte. Dieser nimmt die Powerpoint-Präsentation oder beliebige andere Inhalte auf und wirft sie an die Wand - ohne irgendein Notebook oder anderes Gerät. Zusätzlicher Speicher kann mit einer SD-Karte bis acht GB eingesteckt werden.

Das Ergebnis erfüllt allerdings noch keine höheren Ansprüche. Die LED-Leuchte hat einen Helligkeitswert von zehn Lumen - gängige Beamer transportieren ihre Inhalte mit einer Leuchtkraft von mindestens 2.000 Lumen. Der Raum für die PocketCinema-Projektion sollte also gut abgedunkelt sein. Aiptek gibt an, dass die projizierte Fläche bei einer Entfernung von 1,80 Metern 50 Zentimeter in der Diagonalen misst - bei VGA-Qualität von 640 mal 480 Bildpunkten. Aber je größer das Bild auf der Leinwand wird, desto unschärfer wirkt es. Ohne Netzteil reicht der Akku nach Herstellerangaben für eine Präsentation von 45 Minuten.

Als Zielgruppe stellt sich der Hersteller sowohl Geschäftsleute als auch private Nutzer vor. So akzeptieren die Anschlüsse für VGA und Video (AV) alle entsprechend ausgestatteten Geräte - vom Notebook über die Digitalkamera bis zur Spielkonsole oder dem iPhone. Auch Ton wird mitgeliefert, dafür gibt es einen kleinen Stereolautsprecher. In der Ausführung V10 Plus dient das Gerät auch als Videorecorder, die Fernsehbilder werden in MPEG-Format auf die SD-Karte gespeichert.

Elegant: Pico-Beamer stellte Toshiba schon auf der letzten Ifa vor. Der Toshiba-Entwurf ist etwa so groß wie ein Handy (10 x 4,5 x 1,7 cm), lässt sich mit einem Smartphone verbinden, das dann Bilder zuliefern kann und zeigt damit eine weitere Freizeit-Nutzung dieser Bauform: "Hey, schau mal meine Fotos!" - und zwar nicht auf dem Handy-Display, sondern als "große" Projektion. Mittelfristig dürfte das zu einem Handy-Feature werden, diese Bauform des Taschenbeamers also im Mobiltelefon verschwinden

Elegant: Pico-Beamer stellte Toshiba schon auf der letzten Ifa vor. Der Toshiba-Entwurf ist etwa so groß wie ein Handy (10 x 4,5 x 1,7 cm), lässt sich mit einem Smartphone verbinden, das dann Bilder zuliefern kann und zeigt damit eine weitere Freizeit-Nutzung dieser Bauform: "Hey, schau mal meine Fotos!" - und zwar nicht auf dem Handy-Display, sondern als "große" Projektion. Mittelfristig dürfte das zu einem Handy-Feature werden, diese Bauform des Taschenbeamers also im Mobiltelefon verschwinden

Die PocketCamera kann und will kein Ersatz zum Beamer sein. Aber am Cebit-Stand von Aiptek gibt es hinter verschlossenen Türen bereits den Prototyp für einen Nachfolger, der rechtzeitig zum Weihnachtsgeschäft erscheinen soll. "Wir haben große Pläne für die Weiterentwicklung", sagt Firmensprecherin Kippels. "Das geht in Richtung Multifunktionalität und Lichtstärke."

Pico in der Maxi-Version

Einen etwas anderen Weg hat Acer eingeschlagen. Der "Pico-Projektor" K10 bringt es immerhin auf 100 Lumen und eine Auflösung von 800 mal 600 Bildpunkten. Das Bild an der Wand ist 1,50 Meter groß, bei einem Geräte-Abstand von einem Meter. Der K10 kommt der Vorstellung vom Beamer schon näher, allerdings gibt es auch hier erst im abgedunkelten Raum eine zufriedenstellende Kontrasttiefe.

Der Acer-Projektor wiegt 550 Gramm, allerdings kommt noch das Netzteil hinzu - und das Notebook, weil es keinen integrierten Datenspeicher gibt. Gedacht ist er für mobile Präsentationen aller Art - oder auch zum Einbau in ein Präsentationsmodul für den kommerziellen Einsatz. Hier kommt der Vorteil der LED-Projektoren zum Tragen, dass die Wärmeentwicklung weitaus geringer ist als beim herkömmlichen Beamer. Der unverbindliche Richtpreis des K10 liegt bei 599 Euro, im Online-Handel kostet er zurzeit etwa 400 Euro.

"Ich denke, dass dies mit Sicherheit ein großer Renner wird", sagt Acer-Sprecherin Alexandra Böckelmann zu den Verkaufserwartungen.

Acer K10: Gelegenheits-Beamer für den Heimbedarf - der Erbe des Dia-Projektors. Der K10 scheint zudem für Business-Anwendungen tauglicher als seine eleganteren Kleinst-Konkurrenten: 100 Lumen Licht sind immer noch nicht viel für einen Beamer, aber zehnmal mehr als bei den Taschen-Modellen
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Acer K10: Gelegenheits-Beamer für den Heimbedarf - der Erbe des Dia-Projektors. Der K10 scheint zudem für Business-Anwendungen tauglicher als seine eleganteren Kleinst-Konkurrenten: 100 Lumen Licht sind immer noch nicht viel für einen Beamer, aber zehnmal mehr als bei den Taschen-Modellen

Der wohl größte Vorteil der LED-Projektoren ist die lange Lebensdauer der Lampen. Für bisherige Beamer wird üblicherweise eine Betriebszeit von 4.000 Stunden angegeben, und die Ersatzlampe kostet meist zwischen 200 und 600 Euro. Bei der Frage nach den Kosten einer Ersatzleuchte für den K10 heißt es am Acer-Stand: "Das lohnt sich nicht." Bei einer vom Hersteller garantierten Nutzungsdauer von 20.000 Stunden ist zu erwarten, dass es bis zum Erlöschen bereits ganz andere und leistungsfähigere Geräte geben wird; ein Austausch der LED-Leuchte ist auch gar nicht vorgesehen.

Neben der Lichtquelle gibt es beim Beamer auch Unterschiede im technischen Konzept, wie das Licht auf dem Weg zur Wand verarbeitet wird. Der K10 und die meisten anderen Geräte verwenden eine als "Digital Light Processing" (DLP) bezeichnete Technik. Dabei wird das Licht von Leuchtdioden in den drei Grundfarben Rot, Grün und Blau auf einen Chip geleitet, der für jeden Bildpunkt der zu projizierenden Quelle einen winzigen Spiegel hat. Dieser leitet die Signale entweder weiter oder zur Seite.

Das PocketCinema von Aiptek nutzt hingegen die Technik LCoS (Liquid Crystal on Silicon) und arbeitet mit einer weißen Leuchtdiode. Die Farben werden ähnlich wie beim LCD-Monitor mit Farbfiltern erzeugt.

Die LED-Beamer - auf dem Markt gibt es auch erste Angebote von Dell, LG, Samsung und anderen Herstellern - stehen am Anfang ihrer Entwicklung. Die Projektionsqualität der auf der Cebit gezeigten Geräte ist noch nicht überzeugend. In ein bis zwei Jahren könnte das aber bereits ganz anders aussehen, wenn die weitere Entwicklung Goethes letzte Worte beherzigt: "Mehr Licht!"

Peter Zschunke, AP

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