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Leserfragen zur IT-Sicherheit: Auch der Bundestrojaner wäre Schadsoftware

Wolfgang Schäubles Bundestrojaner sorgt für Unsicherheit: Werden Virenscanner nun illegal, wenn sie in der Lage sind, die geplante Überwachungssoftware zu erkennen? Wie sicher ist Linux wirklich? Kann man mit zu viel Sicherheit ein System lahmlegen? Leser fragen, Virenexperten antworten.

Leser Klaus Thilman: Eine Frage habe ich schon verschiedenen Scannerherstellern gestellt, eine vernünftige Antwort aber bisher nicht bekommen: Wenn nun die von Herrn Schäuble als "unverzichtbar" bezeichnete Online-Durchsuchung kommt und dabei ein Trojaner installiert wird, der von einem Antivirenprogramm gefunden wird, darf ich dann das Antivirenprogramm in Deutschland überhaupt noch einsetzen?

Innenminister Wolfgang Schäuble: Rechner von Bundesbürgern mit Hilfe von Schadsoftware überwachen?
AP

Innenminister Wolfgang Schäuble: Rechner von Bundesbürgern mit Hilfe von Schadsoftware überwachen?

Avira: Zuerst einmal muss der Staat mit einer Gesetzesänderung tatsächlich die rechtlichen Grundlagen für den Bundestrojaner schaffen. Ein Verbot von Antivirensoftware ist dabei nicht zu erwarten, denn der Einsatz derartiger Schutzprogramme vor Viren, Würmern und Trojanern ist heutzutage unerlässlich.

Vorstellbar wäre deshalb nur folgendes Szenario: Um sich Zugriff auf geschützte PCs zu verschaffen, wäre der Staat auf die Zusammenarbeit mit den Antivirenherstellern angewiesen. Wie Sophos zutreffend erklärt hat, ist und bleibt ein Trojaner eine Spionage-Software. Auch der Staat käme nicht umhin, in einen funktionierenden Bundestrojaner schadsoftwaretypische Komponenten einzubauen. Die so genannte heuristische Erkennung eines Virenscanners untersucht die Anhänge in E-Mails und oder Downloads genau auf jene verdächtigen Eigenschaften. Sollten charakteristische Funktionen implementiert worden sein, wird dies von einem zuverlässigen Virenscanner im Vorfeld gemeldet und der Anwender gewarnt.

Aufgrund dieses technischen Verfahrens sind für eine Antivirensoftware damit alle Trojaner gleich. Um zwischen den Einsatzgebieten "Gut" und "Böse", sprich zwischen einem gewollten Schädling zum Schutz vor Terror oder einer wirklichen Bedrohung durch Hacker zu unterscheiden, müsste der Staat allen Anbietern von Antivirensoftware ein Exemplar des Bundestrojaners zur Verfügung stellen, so dass sie ihre Software bewusst dafür durchlässig machen könnten.

Bei uns als deutschem Anbieter gab es bislang noch keinerlei solche Anfragen der Behörden. Hinzu kommt, dass für erfolgreiche staatliche Überwachungsmaßnahmen und Online-Durchsuchungen auch die internationalen Hersteller mit ins Boot geholt werden müssten.

Stefan Schiffert leitet als Technical Director die Produktentwicklung und verantwortet den technischen Support bei Avira

Stefan Schiffert leitet als Technical Director die Produktentwicklung und verantwortet den technischen Support bei Avira

Um ihre Kommunikation zu schützen, werden Terroristen ihre Rechner mit Sicherheit nach allen Regeln der Kunst durch Sicherheitslösungen abschirmen und sicherstellen, dass eine gut konfigurierte Firewall jeglichen Datenverkehr einschließlich staatlicher Lauschangriffe protokolliert oder abblockt. Wäre Antivirensoftware plötzlich nicht mehr legitim, hätten sie noch leichteres Spiel und das ist sicher nicht im Sinne der Regierung. Sie machen sich daher auch auf keinen Fall strafbar, wenn Sie die Lizenz Ihres Virenscanners verlängern. Im Gegenteil, Sie verhindern mit einer aktuellen Antivirensoftware die Weiterverbreitung von Schadsoftware!

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