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Linux ade: Microsoft kauft München

Im Land der Krise und der Geizhälse ist Rabatt das beste aller Argumente. Darauf besann sich auch Microsoft und räumte der Stadtverwaltung München großzügige Preisnachlässe ein. Die hatte sich eigentlich schon für Linux entschieden.

Vorentscheidung gegen Linux: Wird Tux doch kein Bayer?

Vorentscheidung gegen Linux: Wird Tux doch kein Bayer?

Geiz ist geil, wie man weiß, doch gerade für Deutschlands Kommunen ist der Schmalhans auch eine Form der Notwehr: Die Kassen sind leerer als je zuvor, und das fördert die Sparsamkeit.

Da mochte es kaum wundern, dass Münchens Stadtverwaltung sich vor Monaten als erste Kommune Deutschlands mehr oder minder für Linux als Betriebssystem auf städtischen Rechnern entschied. Das Pinguin-System kostet wenig und kann mittlerweile fast alles, was Profi-System können und in mancherlei Hinsicht sogar mehr.

Dass dem nicht so sei, versuchte im April Microsoft-Chef Steve Ballmer höchstpersönlich den Münchnern zu erklären. Er unterbrach seinen Urlaub in der Schweiz für eine Stippvisite in die Bayern-Hauptstadt, um sein nicht unerhebliches Gewicht in die Wagschale zu werfen: Ballmer, einer der einflussreichsten Industriekapitäne der Welt, wollte verhindern, dass München ein Zeichen setzt, das einen Trend hätte einleiten können.

Denn die öffentliche Hand denkt immer öfter und lauter darüber nach, das Linux neben Kosten- eben auch ganz erhebliche Sicherheitsvorteile gegenüber den fast monopolartig weit verbreiteten Windows-Systemen biete. Microsoft versucht, mit seiner "Trustworthy Computing"-Kampagne dagegen zu halten, mit bisher durchwachsenen Ergebnissen: Bei vielen Nutzern steht Microsoft unter Generalverdacht, nicht ganz so vertrauenswürdig zu sein, wie der Redmonder Konzern sich das wünscht.

Eine Vorentscheidung, kein letztes Wort

Linux dagegen ist auf dem Vormarsch - den Microsoft mit dem Punktsieg von München nun gestoppt zu haben hofft. Das Angebot eines 15-prozentigen Preisnachlasses hat genügt, die Münchner SPD-Fraktion davon zu überzeugen, dass alles beim Alten zu belassen vielleicht die bessere Alternative wäre.

Der Meinungsumschwung, der nun zu der Empfehlung an die Stadtverwaltung führte, lieber gar nichts zu unternehmen, mag durch die Tatsache befördert worden sein, dass Microsoft in München residiert - das ist kein kleiner Arbeitgeber. Der Preisvorteil gegenüber dem deutlich billigeren Linux geht nebenbei über die angebotenen 15 Prozent Rabatt hinaus, denn mit einem Verzicht auf die Systemumstellung entfielen auch die Kosten für die Systemumstellung und Portierung von Daten.

Wirklich entschieden ist bisher formell aber nichts. Den endgültigen Beschluss soll der Stadtrat nun am 28. Mai fällen. Bis dahin, berichtete die "FTD", soll Linux noch ein Gegenangebot vorlegen können.

Der Entscheidung in München wird Symbolcharakter für die anstehende Ausrüstung von kommunalen Verwaltungen zugesprochen. Auch der Deutsche Bundestag will künftig auf das freie Betriebssystem Linux setzen.

Frank Patalong

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