Linux-Software Der Pinguin mag's musikalisch

Professionelle Musikproduktion mit Linux ist heute kein Kunststück mehr. Von der Aufnahme bis zum DJ-Mischpult gibt es die passende Software - einfach zu bedienen und per Plug-and-Play zu installieren. Eine Übersicht aktueller Programme.


Wer sich für Musikproduktion und Musikbearbeitung am Computer interessiert, muss nicht viel Geld dafür ausgeben. Linux-Nutzer haben die Wahl zwischen mindestens fünf aktuellen Distributionen, die speziell als Audio-Systeme zusammengestellt wurden: 64 Studio, Dynabolic, Jacklab, Musix und Ubuntu Studio. Die meisten dieser Anwendungen lassen sich als Live-Systeme ausprobieren, also direkt von der CD oder DVD starten. Ergänzt werden sie um Programme zur Video- und Grafikbearbeitung.

Die kostenlosen, vorkonfigurierten Systeme ersparen die Mühe, um zum Beispiel einen Echtzeit-Kernel in ein schon bestehendes System einzubauen oder den sogenannten "Audio-Server Jack" zu installieren, der die Basis für viele Programme zur Audio-Produktion und -bearbeitung mit Linux bildet. Mit den Audio-Distributionen kann man sofort mit der Musikproduktion loslegen, statt sich erst umständlich mit System-Administration beschäftigen zu müssen.

Was die Auswahl der Programme angeht, so hat sich inzwischen ein gewisser Standard etabliert, der die genannten Audio-Distributionen trotz ihrer Verschiedenheit im Detail verbindet. So fehlt nirgends Audacity als Programm für die Musik- und Sprachaufnahme und nirgends Ardour, ein umfangreicheres Mehrspur-Tonstudio. Rosegarden ist das meist verwendete Midi- und Sequenzer-Programm. Um den Rhythmus kümmert sich das Software-Schlagzeug Hydrogen. Oft gibt es für einen Zweck, zum Beispiel das Recording, gleich mehrere Programme. Der Nutzer muss sich nur entscheiden, welches ihm am besten gefällt.

Audio, Midi, Video, Internet und Office

Eine große Vielfalt an Audio-Software präsentiert die Live-CD "Musix". Das Menü ordnet die Anwendungen nach Einsatzbereichen wie Audio oder Video. Desktop-Symbole sortieren die Programme nach Audio, Midi, Video, Internet und Office. Da das Projekt seinen Sitz in Argentinien hat, ist die erste Sprache beim Booten Spanisch, dann kann aber auch Deutsch eingestellt werden.

Einen ähnlichen Funktionsumfang, vielleicht noch etwas übersichtlicher sortiert, liefert die aus den Niederlanden kommende Multimedia-Distribution "Dynabolic", die inzwischen in der Version 2.4.2 vorliegt. Hier sind die verschiedenen Aufgaben sauber im Menü getrennt aufgeführt: Audio und Video, Aufnahme und Bearbeitung. Dynabolic ist als Live-System mit dem schlanken XFCE-Desktop schnell gestartet. Ebenso leicht ist es installiert, indem man einfach den dyne-Ordner auf die Festplatte kopiert.

Ubuntu Studio mit schickem Design

Gerade frisch erschienen ist die Version 2.0 von "64 Studio". Diese Audio-Version beruht auf "Debian 4.0 Etch", dem aktuellen stabilen Zweig einer der größten und populärsten Linux-Distributionen. Damit lässt sich "64 Studio" auch ganz einfach um weitere Programme aus dem riesigen Debian-Repertoire erweitern. "64 Studio" verwendet den Gnome-Desktop und eine ausgesuchte Palette an Programmen für die Musikproduktion, wobei auch ein Echtzeit-Kernel zum Einsatz kommt. Besonderen Wert haben die Entwickler auf die Stabilität ihres System gelegt, das einen Prozessor mit mindestens einem Gigahertz voraussetzt.

Noch etwas mehr darf es bei "Jacklab" sein, das jetzt in der zweiten Betaversion vorgestellt wurde. Jacklab ist mit 70 Audio-Programmen wahrscheinlich die umfangreichste der Linux-Audio-Distributionen. Die 1,6 GB, die das Programm verschlingt, finden nur auf einer DVD Platz. An Software bringt Jacklab so ziemlich alles mit, was für Linux in den Bereichen Audio und Video an kostenlosen Programmen zur Verfügung steht. Jacklab beruht auf Suse 10.2 und wurde um einen Echtzeit-Kernel ergänzt.

Ebenfalls eine DVD als Speichermedium benötigt "Ubuntu Studio", eine Erweiterung des populären "Ubuntu Linux". Wer schon ein aktuelles Ubuntu auf dem Rechner hat, kann einfach die Installationsquellen um die Links zu Ubuntu Studio ergänzen und bekommt die Audio-Programme auf den Computer gebeamt. Ubuntu Studio glänzt nicht nur mit einem umfangreichen Paket an Audio-, Video- und Grafik-Programmen, sondern auch mit schicken Desktop-Hintergründen.

Klaus Gürtler, AP

Mehr zum Thema


© SPIEGEL ONLINE 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.