Mac OS X und Linux Raus aus der Nische, rein in den Schlamassel?

Eugene Kaspersky, Mitbegründer des gleichnamigen IT-Sicherheitsunternehmens, sieht Mac OS X und Linux im Aufwind. Die Schattenseite der Nachricht: Damit würden sie auch zu wichtigeren Zielen für Virenautoren und Cyberkriminelle.


Schätzungen zufolge steigt der Marktanteil der Apple-Rechner auf dem PC-Markt schon seit einiger Zeit langsam, aber stetig. Nachdem es jahrelang so ausgesehen hatte, als wäre Apple auf alle Ewigkeit auf die Drei vor dem Komma abonniert, bewegt sich der Marktanteil von Mac OS X inzwischen um fünf Prozent in den USA. Linux, ein weiterer Favorit der Windows-Verächter, liegt dagegen nach wie vor bei zwei bis drei Prozent des Marktes.

Eugene Kaspersky: Warnung vor Virenwelle auch gegen Mac und Linux

Eugene Kaspersky: Warnung vor Virenwelle auch gegen Mac und Linux

Beides, erklärte Kaspersky in einem Gespräch mit der englischen "PC Pro", könnte sich signifikant ändern. Das bisher eher verhaltende Echo auf die Veröffentlichung von Windows Vista, das anders als andere große Betriebssystem-Wechsel von Microsoft keinen Massenansturm der Kunden verursachen konnte, hält er für einen Indikator dafür, dass Microsofts so lang stahlhartes Monopol bröckeln könne. Mehr Menschen könnten sich in den nächsten Jahren auf Alternativen einlassen, zumal sowohl Apples Mac OS X als auch Linux im Ruf stehen, ihren Nutzern mehr Sicherheit zu bieten.

Doch auch damit könnte es schnell vorbei sein, glaubt Kaspersky. Unverwundbar ist keines der Betriebssysteme, Apple schlägt sich ganz aktuell mit einer bedenklichen Sicherheitslücke. Eine Schwachstelle in der Interaktion zwischen Apples Quicktime und Java sorgt für mögliche Angriffspunkte, die zudem Plattformübergreifend sind - ideales Futter für die neue Generation von Cyber-Crooks. Denn die Zeiten, in denen sich pubertäre Script-Kiddies mit Viren virtuelle Bandenkriege lieferten, bei denen die Höhe der Schäden als Punkte zählten, sind weitgehend vorbei: Heute geht es um Geld.

Botnetze und Denial-of-Service-Attacken, Spam-Versand und Cyber-Napping, hinter allem stecken heute vor allem kriminelle wie finanzielle Absichten. Mit einem Betriebssystem eine kleinere Marktnische zu bedienen, schützt da nicht mehr. Zumal wenn diese Nische viele Millionen von Rechnern zählt und tendenziell von Menschen genutzt wird, die mehr Möglichkeiten als der Durchschnitt besitzen - nicht zuletzt pekuniär. Aus Perspektive eines Cyber-Nappers ist ein tendenziell eher erwachsener, möglicherweise sogar betuchterer Mac-Nutzer ein lohnenderes Ziel als ein Vierzehnjähriger mit einem 299-Euro-PC vom Internetversender.

Tatsächlich hatte es im Verlauf des letzten Jahres einen merklichen Anstieg der zahl entdeckter Sicherheitslücken und Viren für die Betriebssystem-Alternativen gegeben. Die fielen allerdings weniger schwer und gefährlich aus, als man das gemeinhin gewohnt ist. Die meisten Viren entpuppten sich zudem als Proof-of-Concept-Viren, für die keine Anwendung, kein kriminelles Schadprogramm öffentlich wurde.

Grundsätzlich aber, glaubt Kaspersky, ändere auch das nichts daran, dass die Betriebssysteme wie alle anderen angreifbar seien. Schlimmer noch: Unter dem Strich sei es einfacher, wirksamen Schadcode gegen Mac OS X zu programmieren, als fähige IT-Sicherheitsfachleute zu finden, die Gegenmittel für den Mac programmieren könnten. Denn Virenschutz-Software für Apple oder Linux war bisher definitiv kein Knaller-Geschäft.

pat



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