Microsoft-Chef Ballmer "In zehn Jahren gibt es keine Zeitung mehr"

Steve Ballmer, Chef des Software-Giganten Microsoft, gibt gedruckten Medien wenig Zukunftschancen. In zehn Jahren, prophezeit Ballmer, werde es keine Zeitungen und Magazine geben. Derweil beginnt Amazons E-Lesegerät "Kindle" erstmals, den Buchmarkt zu beeinflussen.


Steve Ballmer ist sich seiner Sache - wie meistens - sehr sicher. "In zehn Jahren", sagte er der "Washington Post", "wird es keinen Medienkonsum mehr geben, der nicht über ein IP-Netzwerk abläuft". Gemeint ist: Alle Medien, glaubt Ballmer, werden im Internet aufgehen. Und zwar wirklich alle: "Es wird keine Zeitungen, keine Magazine mehr geben, die in Papierform geliefert werden. Alles wird in elektronischer Form geliefert werden."

Steve Ballmer: "Alles in elektronischer Form"
AP

Steve Ballmer: "Alles in elektronischer Form"

Die Papierjournalisten der "Washington Post" reagierten mit einer entsprechend ungläubigen Nachfrage, und Ballmer schränkte ein bisschen ein: "Für meine fundamentale Aussage ist es irrelevant, ob es acht Jahre sind oder vierzehn." Dass das Netz die Zukunft ist, würden vermutlich nicht einmal die Herausgeber der "Washington Post" bestreiten - das Mutterunternehmen hat soeben die Gründung eines eigenen Unternehmens verkündet, das ausschließlich Web-Publikationen entwickeln soll. Und auch die größte Konkurrentin, die "New York Times", ist im Augenblick massiv damit beschäftigt, die eigenen digitalen Angebote weiterzuentwickeln.

Grundsätzlich aber seien netzvermittelte Informationen einfach überlegen. Als Beispiel vergleicht er den Medienkonsum seines Sohnes - Xbox-Online-Spielen mit Freunden überall auf der Welt - mit seinem eigenen - einsam und ohne Rückkanal vor dem Fernseher sitzen und ein Basketballspiel ansehen.

Microsoft hat in den vergangenen zehn Jahren eine erstaunliche Wandlung durchgemacht - von einem Unternehmen, das den Desktop als Priorität und das Internet als Beiwerk behandelte, zu einem Unternehmen, das dem Netz alles zutraut. Auch wenn der Deal mit Yahoo, der Microsoft helfen sollte, den Vorsprung anderer im Netz - allen voran Google - wieder aufzuholen, erst einmal geplatzt ist, blickt der Microsoft-Chef offenbar hoffnungsvoll in die digitale Zukunft.

Ein bisschen Unterstützung für Ballmers steile Thesen kommt von Amazon-Gründer Jeff Bezos. Der verkündete kürzlich, dass Amazons elektronischer Buchersatz "Kindle" deutlich erfolgreicher ist, als man das bislang annehmen konnte. Es sei erstmals festzustellen, dass Kindle sich auf konkrete Buchverkäufe auswirke, so Bezos laut dem "Sydney Morning Herald": "Für die 125.000 Bücher, die es sowohl als physisches Buch als auch für Kindle gibt, machen Kindle-Verkäufe bereits sechs Prozent aller verkauften Einheiten aus", so Bezos bei einer Verlagsmesse in Los Angeles.

Amazon verrät allerdings weiterhin nicht, wie viele Kindles überhaupt verkauft wurden. Das Gerät wurde gerade etwas billiger und kostet nun 360 statt wie zuvor 400 US-Dollar. Für Amazon ist Kindle ein Schritt in eine Zukunft als Hardware-Händler - denn das Unternehmen verkauft sowohl das Lesegerät als auch die Inhalte.

cis



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