Microsoft-Manager Gallmann "Der Mac mini ist nichts Neues"

Windows beherrscht die PC-Welt und gilt zugleich als Sicherheitsrisiko. Im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE erklärt der Microsoft-Deutschland-Chef Jürgen Gallmann, wie seine Firma die Viren- und Wurmplage in den Griff bekommen will und warum Microsoft bessere Konzepte hat als Apple.


SPIEGEL ONLINE:

Auf der Cebit zeigen Sie eine komplett vernetzte Musterwohnung. Steht bei Ihnen zu Hause der PC auch schon im Wohnzimmer?

Jürgen Gallmann: Nein, im Wohnzimmer habe ich ihn noch nicht. Und zwar deshalb, weil wir bald umziehen werden und das jetzige Equipment in dieser Form im neuen Haus nicht mehr verwenden werden. Aber wir sind gerade dabei zu überlegen, wie wir das Media Center im neuen Haus als Zentrale nutzen können - möglicherweise auch mit einer Extender-Box, sodass der PC im Nachbarzimmer stehen kann.

SPIEGEL ONLINE: Microsoft wurde wiederholt zum beliebtesten Arbeitgeber Deutschlands gewählt. Warum ist das Image ihrer Firma gleichzeitig bei vielen Konsumenten so schlecht?

Gallmann: Man muss vorsichtig sein mit Verallgemeinerungen. Es gibt eine aktuelle Markenstudie von Magazin "Stern". Laut dieser Studie sind wir die sympathischste Marke im Computerbereich in Deutschland. Insofern ist die Beliebtheit nicht so schlecht, wie das teilweise dargestellt wird. Es gibt natürlich an einigen Stellen noch stereotype Meinungen bei einigen Gruppen, die nicht so eng mit uns in Kontakt sind und sich nicht so intensiv darüber informieren, was bei Microsoft alles passiert.

SPIEGEL ONLINE: Markenranking hin oder her, davon wird Windows ja nicht sicherer ...

Gallmann: Dass wir große Herausforderungen haben, bestreitet niemand. Das Thema Security ist eine solche, und zwar für die gesamte IT-Branche. Deshalb haben wir die Initiative "Deutschland sicher im Netz" ins Leben gerufen. Wir wollen einerseits Aufklärung leisten und zeigen, was es alles an Sicherheitstechnik gibt. Aber wir sagen nicht: "Das Problem sitzt vor dem Computer". Wir als Hersteller sind genauso gefordert, Technologien weiterzuentwickeln. Zwei Beispiele: Wir haben ein Antispyware-Produkt angekündigt, mit dem man den Rechner säubern kann. Und wir werden bald eine Software anbieten, mit der man virenverseuchte E-Mail-Anhänge eliminieren kann. Und natürlich arbeiten wir eng mit Herstellern von Antivirensoftware zusammen, um die höchste Sicherheit für unser Betriebssystem anbieten zu können.

SPIEGEL ONLINE: Stichwort Internetbrowser. Das kostenlose Programm Firefox begeistert immer mehr Surfer. Sie auch?

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Gallmann: Nein, mich selbst nicht, denn ich habe einen Browser, der auf mich konfiguriert ist und mit der neuesten MSN-Search-Engine ausgestattet ist. Und ich muss sagen, ich bin sehr zufrieden mit dem Internet Explorer.

SPIEGEL ONLINE: Beim Explorer ist es ja ziemlich lästig, dass man ständig Updates einspielen muss, um Sicherheitslücken zu schließen. Viele Surfer nutzen das Autoupdate von Windows aber nicht. Wie wollen Sie das in den Griff kriegen?

Gallmann: Das ist auch ein Thema von "Deutschland sicher im Netz". Wir müssen klar machen, was jeder tun sollte, aber letztlich ist jedem freigestellt, ob er mitmacht oder nicht. Wir müssen die Leute aufklären und ihnen die Vorteile verdeutlichen. Und wir werden versuchen, die Anzahl der Updates zu reduzieren. Dafür entwickeln wir Verfahren, die Schutzfunktionen auf andere Weise implementieren, so dass wir den Hackern wieder zwei Schritte voraus sind.

SPIEGEL ONLINE: Microsoft-Software wird oft illegal kopiert. Wie hoch ist der Anteil von Windows-XP-Raubkopien in Deutschland?

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Gallmann: Das kann ich Ihnen nicht genau sagen. Die allgemeine Piraterie-Rate in Deutschland liegt bei 30 Prozent. Damit sind liegen wir in Europa zwar nicht an der Spitze. Aber der volkswirtschaftliche Schaden ist dennoch enorm.

SPIEGEL ONLINE: Wie kommt es, dass die Deutschen so eifrige Raubkopierer sind?

Gallmann: Das ist nicht ganz einfach zu erklären. Aber nehmen sie die Diskussion zum Thema Privatkopie: Was darf ich, was darf ich nicht. Ich denke, da haben wir auch Nachholbedarf, was die Aufklärung anbelangt. Wir müssen auch klar machen, was für ein volkswirtschaftlicher Schaden durch Piraterie entsteht. Wir könnten 200.000 neue Jobs in der IT-Industrie schaffen, wenn die Piraterierate in Westeuropa um zehn Prozent sinkt.

SPIEGEL ONLINE: Mit dem Mac mini zielt Apple auf die gleichen Privatkunden wie Sie. Macht Ihnen das Angst?

Gallmann: Nein, keineswegs. Zudem ist der Mac mini nichts Neues. Diese Geräte gibt's auf der Windowsplattform schon an vielen anderen Stellen. Wir unterstützen mit Windows extrem viele Geräteformen: vom Smartphone über den Tablet-PC zu Low-Cost-PC und Multimediageräten. Möglicherweise ist der Mac mini ja für die Apple-Zielgruppe revolutionär neu. Aber ich habe mir sagen lassen, dass man dieses Gerät erst noch mit relativ viel Geld aufrüsten muss, bevor man vernünftig damit arbeiten kann. Unter Windows habe ich eher die Qual der Wahl, wenn es um den Formfaktor geht.

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DPA

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SPIEGEL ONLINE: Aber wir haben noch keinen Windows-PC mit vergleichbarem Design zum Preis von 500 Euro gesehen ...

Gallmann: Wir sind kein Hardware-Hersteller. Was die Optik belangt, müssen Sie bei denen nachfragen. Was die Preise betrifft, da habe ich den Eindruck, dass sich diese bei Windows-PCs kaum noch toppen lassen. Sie bekommen heute schon ab 700 Euro eine Media Center PC.

SPIEGEL ONLINE: Beim Verkauf digitaler Musik spielt ihr Windows-Format WMA weltweit gesehen nur die zweite Geige - den Markt bestimmt Apple. Wie würden Sie einen potenziellen iPod-Käufer überzeugen, sich lieber ein WMA-Player zu kaufen und Musik statt bei iTunes bei MSN Music herunterzuladen?

Gallmann: MSN Music bietet in den USA vergleichbar viele Musiktitel wie iTunes an. Zudem läuft bei MSN gekaufte Musik nicht nur auf einer bestimmten Hardware, sondern auf unterschiedlichen Geräten. Aber man muss natürlich auch sehen, dass das reine Musikerlebnis aus unserer Sicht nicht ausreichend ist. Nicht nur das Hören allein macht's aus, sondern vielleicht auch, etwas zu sehen, ob das nun der Videoclip selbst ist, oder ob man parallel etwas liest. In dieser Richtung gibt es mehr und mehr Entwicklungen, die wir auch mit vorantreiben.

Das Gespräch führte Holger Dambeck

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