Microsoft plant Suchmaschine Google im Visier

Die Börse ist ein lustiger Ort: Allein die Ankündigung, eine eigene Suchmaschine entwickeln zu wollen, ließ Microsofts Kurs steigen. Microsoft-Manager irritiert das nicht: Schließlich könne man das mit der Sucherei ja bestimmt besser als Google.


Bill Gates sucht neue Märkte: Kopf einziehen, Konkurrenz?
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Google ist seit Jahren nicht zu schlagen, und das nicht nur, weil die Suchmaschine ungewöhnlich gute Suchergebnisse erbringt: Millionen Fans mögen auch ihr spartanisches Design, ihre einfache Bedienung, ihre minimalen Ladezeiten. "Benutzerfreundlich" nennt man das, und auf dieses Schlüsselwort ist auch ein anderes Unternehmen abonniert: Microsoft.

Der Softwareriese sieht sich nur allzu gern als der IT-Heilsbringer, der seine Kunden an der bestmöglichen "Experience" teilhaben lässt, sie mit "Convenience" verwöhnt. Und vor allem sieht sich Microsoft gern als das Oberpfund der Branche: Ganz wie im richtigen Savannen-Leben verbeißt sich das Alphatier der Computerwelt in alle Konkurrenten, die ihm zu groß werden.

"Wir sehen Google mehr und mehr als Konkurrenten", sagte am Mittwoch der Chef des Microsoft-eigenen Internetportals MSN, Bob Visse. "Wir glauben, dass wir Kunden ein besseres und benutzerfreundlicheres Produkt bieten können. Das ist etwas, an dem wir gegenwärtig aktiv arbeiten."

Und weil Visse daneben noch fallen ließ, dass Microsoft bereits eine erkleckliche Menge Geld in die Entwicklung einer solchen Supersuchmaschine investiert habe, ruckten bei Amerikas Börsianern sogleich die Köpfe: Geld hat Microsoft ja bekanntermaßen und ist auch eher fürs Klotzen bekannt, als fürs Kleckern. Prompt stieg der Aktienkurs des Unternehmens um immerhin 5,6 Prozent, während Aktien von künftigen Konkurrenzfirmen absackten. Bestes Beispiel: Der Such-Dienstleister Overture, der gleich 11,4 Prozent verlor.

Das allerdings dürfte mehr damit zu tun haben, dass Overtures wichtigster Kunde eben Microsoft heißt und künftig dann wohl nicht mehr.

Bisher spielt Microsoft auf dem Markt der Suchdienste keine Rolle. Platzhirsch Google hingegen ist ein Schwergewicht, dem es in den letzten Jahren gelang, den Markt nahezu zu monopolisieren. Die Marke ist inzwischen so bekannt, dass das Wort "googeln" zum Synonym für die Suche von Inhalten im Web geworden ist. Nach Angaben des 1998 gegründeten Unternehmens sind über Google rund drei Milliarden Internetseiten erreichbar. Pro Tag beantworte die Suchmaschine mehr als 200 Millionen Anfragen.



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