Musikbörse iTunes: Kaufen oder knacken

Eine Million Lieder haben die Windows-Nutzer bei iTunes seit dem Start am vergangenen Donnerstag gekauft. Experten fürchten allerdings den Missbrauch im großen Stil, schließlich sei der Kopierschutz relativ einfach zu knacken.

Apple-Chef Steve Jobs glaubt an den Erfolg des Musikladens im Netz
REUTERS

Apple-Chef Steve Jobs glaubt an den Erfolg des Musikladens im Netz

Das Wissenschaftsmagazin "New Scientist" beruft sich auf seiner Internetseite auf Beobachter der Szene, die davon ausgehen, dass iTunes etliche Hacker auf den Plan rufen könnte. Dazu würden vor allem die lockeren Sicherheitsbedingungen einladen. So können zum Beispiel Lieder direkt auf CD oder Apples iPod kopiert werden. "ITunes muss nun damit rechnen, dass irgendjemand den sehr leichten Kopierschutz knacken wird", sagte der Direktor des amerikanischen Medienberatunsinstituts IDC, Joshua Duhl. Durch die Erweiterung auf die Windows-Nutzer sei auch der potenzielle Hackerkreis immens gewachsen.

14 Millionen Lieder seien seit dem Start der Musikbörse im vergangenen April verkauft worden, erklärte Apple-Chef Steve Jobs gegenüber der BBC. Damit wurden die Nutzer zum ersten Mal von den kostenlosen Tauschbörsen wie Kazaa hin zum kommerziellen Angebot gelockt. Ein Rolle könnte der relativ geringe Preis spielen: Für nur 99 US-Cent können einzelne Songs heruntergeladen werden, eine Grundgebühr für die Nutzung des Download-Angebotes gibt es nicht.

Apple hatte bereits im Mai mit Hackern zu kämpfen. Die hatten dafür gesorgt, dass iTunes-Nutzer Lieder untereinander über den streaming service austauschen konnten - Apple musste die Software-Lücke stopfen. Abschreckend könnten allerdings die Urheberrechtsklagen der Recording Industry Association of America (RIAA) gegen mehrere Hundert mutmaßliche Musikpiraten wirken. Seit die Klage im Juni 2003 eingereicht worden ist, sinkt die Austauschrate bei Kazaa. "Um legal Musik auszutauschen, ist iTunes auf jeden Fall eine kostengünstige Alternative", meint Duhl.

Der Senior-Vizepräsident von Apple, Phil Schiller, hatte in der vergangenen Woche jedoch darauf hingewiesen, dass mit dem Onlineladen kein Geld zu verdienen sei. Vielmehr sei iTunes als Bestandteil eines Gesamtkonzeptes zu sehen, bei dem vor allem der Verkauf des digitalen Musikplayers iPod gesteigert werden soll. Bis zum einjährigen Jubiläum im April kommenden Jahres will Steve Jobs rund 100 Millionen Lieder verkauft haben. Ob dieses Ziel allerdings erreicht werden kann, ist ungewiss.

Sven Preger

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