Nepper, Schlepper, Bauernfänger Betrug im Web

Im Internet tummeln sich immer mehr Betrüger, die es auf das Geld der Anleger abgesehen haben. Besonders virulent sind Fälle der Aktienspekulation und die phantastischen Anlageprojekte der Nigeria-Connection.

Von Niels Gründel


Das tut weh: Manche Bewegungen der Börse sind rational nicht mehr zu erklären - viele haben betrügerische Ursachen
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Das tut weh: Manche Bewegungen der Börse sind rational nicht mehr zu erklären - viele haben betrügerische Ursachen

Das rasante Wachstum des Internet weckt nicht nur das Interesse der Wirtschaft, sondern leider auch das von Kriminellen. Je mehr Menschen das Internet nutzen, desto attraktiver wird das Medium für Betrüger - und umso höher die Wahrscheinlichkeit, Opfer einer kriminellen Machenschaft zu werden. Verlässliche Zahlen existieren nicht, selbst die Experten tappen weitgehend im Dunkeln. Vor allem Firmen fürchten um ihr Image, wenn der Missbrauch ans Tageslicht kommt.

Zu einem besonders lukrativen Bereich für die Täter hat sich in der Vergangenheit der Anlagebetrug entwickelt. Jährlich entsteht dadurch allein in Deutschland ein Schaden in Milliardenhöhe. Aufklärung und das Wissen um die Tricks und unseriösen Praktiken helfen schon im Vorfeld, Ärger und den Verlust von Geldbeträgen zu vermeiden. Denn eins ist sicher: Um an das mühsam Ersparte der Bundesbürger heranzukommen, investieren unseriöse Geschäftemacher extrem viel kriminelle Energie.

Ein alter Hut mit anhaltendem Erfolg: Die Nigeria-Connection

Bereits seit mehr als zehn Jahren nehmen vorwiegend nigerianische Firmen und Privatpersonen ihren Erstkontakt per Brief, Telefax oder seit einiger Zeit per E-Mail auf und bitten darin um die Ausstellung fingierter Rechnungen, die Überlassung von Blanko-Geschäftspapieren oder Vorauszahlungen und Vorablieferung für anstehende lukrative Geschäftsabschlüsse.

Der beliebteste Trick ist eine behauptete illegale Finanztransaktion: Teils selbst ernannte Regierungsbeamte wollen angeblich noch nicht abgerechnete Beträge aus genehmigten und prinzipiell abgeschlossenen Großaufträgen ins Ausland transferieren. Dazu bieten sie attraktive Beteiligungen am Gewinn, sofern die ausländische Firma eine fingierte Rechnung unterschiebt und mögliche weitere zur Abrechnung benötigte Unterlagen kurzfristig zur Verfügung stellt. Das schnelle Geschäft verzögert sich dann immer wieder dadurch, dass vor Auszahlung einer gewaltigen Summe noch unzählige Gebühren vorgestreckt werden müssen wie Anwaltsgebühren, Bestechungsgelder und Steuern.

Weit weg: Die Distanz allein schützt Betrüger schon vor Strafverfolgung. Dazu kommen im Fall Nigeria chaotische Verhältnisse vor Ort
DER SPIEGEL

Weit weg: Die Distanz allein schützt Betrüger schon vor Strafverfolgung. Dazu kommen im Fall Nigeria chaotische Verhältnisse vor Ort

Für die kriminellen Aktivitäten betreiben die Banden ein gut organisiertes Netz von Scheinfirmen, -behörden und Postfächern. Den Opfern wird mit den perfekt ausstaffierten Einrichtungen eine Scheinwelt vorgetäuscht, die es den Tätern leicht macht, einzelnen Opfern enorme Beträge abzunehmen. In Nigeria ist es kein Problem, auf dem Schwarzmarkt echte Dokumente mit unzutreffendem Inhalt zu erhalten, sei es einen Reisepass mit gefälschten Personalien oder nachgedruckte Scheckhefte. Betrugsopfer haben davon berichtet, dass die vorgetäuschten Geschäftsverhandlungen in Gebäuden öffentlicher Einrichtungen stattgefunden haben.

Die nigerianische Zentralbank ist wegen des zunehmenden Vertrauensverlustes bereits vor zwei Jahren aktiv geworden und hat eine Anzeigenkampagne gestartet, in der sie sich von derartigen Geschäftspraktiken distanziert. Einige Betrüger hat dies inzwischen dazu veranlasst, Nigeria zu verlassen.

"Geheime" Aktientipps in Newsgroups

Zu den undurchschaubarsten Tricks zählen so genannte Tipps in Newsgroups. Diese Kommunikationsform bietet Betrügern eine hervorragende Plattform, eine möglichst große Zahl von Aktienspekulanten zu erreichen. Wird dort eine Aktie empfohlen, können Sie fast sicher sein, dass sich der Absender dieser "wertvollen" Information vorher reichlich mit den noch wertlosen Papieren eingedeckt hat und nur darauf wartet, dass der Kurs sprunghaft ansteigt, um die dann gezielt in die Höhe getriebenen Aktienpapiere mit Rekordrendite zu versilbern.

Nicht immer kommen die vermeintlichen Tipps von unehrenhaften Brokern, sondern ebenso von abgezockten Privatpersonen, die versuchen, einen Teil ihrer Verluste wettzumachen. Besonders gerne werden für diese "Insidertipps" Papiere von Nebenwerten mit ausgewiesen schwachen Parkettumsätzen gewählt. Selbst wenn nur ein kleine Zahl gewinnsüchtiger Opfer auf die Tipps hereinfällt, ist dem Täter ein großer Erfolg sicher.

Nach deutschem Recht ist schon die Verbreitung von falschen Tatsachen mit dem Ziel, Börsenpreise zu manipulieren, strafbar und unterliegt der Verfolgung durch die Staatsanwaltschaft, doch Einträge in Newsgroups lassen sich nur schwer zurückverfolgen und so verlaufen die Ermittlungen der zuständigen Behörden zumeist im Sande.

Solchen Betrugsversuchen nimmt man den Wind aus den Segeln, indem man Meldungen aus Newsgroups grundsätzlich anhand von zuverlässigen Quellen überprüft, zum Beispiel bei der Deutschen Gesellschaft für Ad hoc-Publizität mbH. Dann haben Betrüger kaum noch eine Chance.

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