Networking: Per Bildschirmschoner auf der Suche nach E.T.

Von Jörg Schieb

Die Computergemeinde soll US-Wissenschaftlern bei der Analyse kosmischer Datenströme helfen.

Endlich: Ein Bildschirmschoner, der in Arbeitspausen nicht einfach nur bunte Bildchen auf den Bildschirm zaubert, sondern statt dessen etwas Sinnvolles tut. Ab sofort kann sich jeder, der auf seinem Schreibtisch einen PC, Mac oder Unix-Rechner stehen hat, amerikanischen Wissenschaftlern bei der Suche nach außerirdischem Leben behilflich sein.

SETI-Bildschirmschoner

SETI-Bildschirmschoner

Was nach einem typischen Aprilscherz klingt, ist ernst gemeint und durchaus eine clevere Idee: Amerikanische Wissenschaftler des SETI-Projekts (Search for Extraterrestrial Intelligence), Kinobesuchern durch den Film "Contact" mit Jodie Foster bekannt, fangen mit ihren Radioteleskopen mehr Funksignale aus dem All ein, als sie mit ihren Supercomputern verarbeiten können. Die E.T.-Fänger brauchen also dringend Hilfe - und bekommen sie nun von hilfsbereiten Computerbenutzern rund um den Erdball.

Wer mitmachen will, holt sich auf der Homepage die nötige Spezial-Software ab (natürlich kostenlos). Die etwa 700 Kilobyte große Programmdatei ist schnell geladen. Wird der Bildschirmschoner aktiv, macht sich die Software an die Arbeit und analysiert ein dem jeweiligen Rechner zugeordnetes Datenpäckchen. Ziel: Es sollen auffällige Funksignale aufgespürt werden, die in der Natur nicht vorkommen und damit auf mögliche außerirdische Intelligenz schließen lassen.

Der PC-Benutzer bekommt ständig aktualisierte Statistiken zu sehen. Bunte Balkengrafiken symbolisieren das jeweils gerade analysierte Frequenzspektrum. Die Forscher machen keine Geheimnisse und offenbaren sogar, wann das Signal empfangen wurde und woher es kommt.

Seit vergangenem Oktober fängt das in den Krater eines erloschenen Vulkans gebaute Arecibo Radio Telescope in Puerto Rico, mit einem Durchmesser von über 300 Metern das größte Radioteleskop der Welt, rund um die Uhr Funksignale aus dem Weltall auf.

Die Funksignale werden an den SETI-Server übertragen und von dort per Internet auf die PCs weitergeleitet. Der Bildschirmschoner stellt dazu alle paar Tage - auf Wunsch erst nach Bestätigung - eine Verbindung zum Internet her, um das Arbeitsergebnis abzuliefern und sich neues Datenmaterial abzuholen. Hohe Verbindungskosten entstehen nicht, da die Datenübertragung nur wenige Minuten dauert. Während der eigentlichen Datenanalyse muß keine Verbindung zum Internet bestehen.

Die Forscher hoffen auf reges Interesse, denn sie müssen mehrere Milliarden Radiokanäle durchsuchen. Mehr als 400.000 hilfsbereite Internetbenutzer haben sich bereits registrieren lassen und wollen bei dem Projekt mitmachen. Falls sich tatsächlich 500.000 oder mehr Computerbenutzer bereit erklären mitzumachen, entsteht eine Rechenleistung, die 100mal größer ist als die der besten Supercomputer des SETI-Projekts. In diesem Fall rechnen die Forscher mit dem Ende der Auswertungen in etwa zwei Jahren. Die Chancen auf einen Erfolg seien zwar gering, "aber vielleicht entdeckt ja gerade Ihr Rechner eine außerirdische Zivilisation", erklärt der Leiter des Projekts, Professor Dan Werthimer von der University of California in Berkeley.

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