Netzwelt-Ticker Amazon-Hack und Mitmach-CNN

CNN will Privatvideos, ICQ ruiniert doch nicht die Grammatik, eine Künstlergruppe will Amazon legal hacken und MySpace gibt's jetzt auch für Alte, samt Todesanzeigen - das und mehr im Überblick.


CNN zum Mitmachen

Der US-amerikanische Nachrichtensender CNN ruft auf seiner Website dazu auf, selbstgeschossene Bilder und Videos von aktuellen Ereignissen einzureichen. Der Krieg im Libanon, heimkehrende Soldaten, aber auch Wirbelstürme und Kinder im Sport sind Themen, zu denen CNN privates Bildmaterial sammeln und veröffentlichen will. Artikel, zu denen ausdrücklich Leser-Material gewünscht wird, werden zukünftig auf der CNN-Website mit einem roten I-Logo gekennzeichnet, der ganze Vorgang I-Report genannt.

Damit reagiert CNN auf den großen Erfolg von Websites wie YouTube oder Flickr, die ganz auf User Generated Content, also von den Website-Besuchern eingestelltem Material basieren. Auf den Video- und Fotoseiten werden zum Beispiel schon lange private Bilder von Soldaten in Krisenregionen, von Unglücken und Naturkatastrophen hochgeladen. Manche Fernsehsender griffen für die Berichterstattung schon auf dieses Material zurück.

Instant Messenger nicht schlecht für die Grammatik

Was SMS auf dem Handy möglich machen, bieten Instant Messenger auf dem Computer – schnelle, unkomplizierte Chats, die vor allem unter Teenagern unglaublich erfolgreich sind. AIM, MSN, ICQ und wie sie alle heißen, sind jedoch auch dafür berüchtigt, mit den grammatikalischen Fähigkeiten von Kindern aufzuräumen.

Eine Studie der University of Toronto hat sich nun aber 70 Kinder aus der größten kanadischen Stadt vorgenommen und ihren Sprachgebrauch beim normalen Reden und beim Chatten über Messenger untersucht. Das Ergebnis: Zwar schrieben viele der Teens so, wie sie sprachen – was von Lehrern als schlecht angesehen wird. Sie schrieben oft aber auch "uncool" hochsprachlich – was von Lehrern als gut angesehen wird. Dabei seien sie erstaunlich flexibel und zeigten große Fertigkeiten im Umgang mit der Sprache. Oder wie Sali Tagliamonte vom Department für Linguistik in der Universität von Toronto es ausdrückt: Wir sollten uns keine Sorgen machen.

Instant Messenger Miranda 0.5 veröffentlicht

Passend zur guten Nachricht oben ist nun auch die Version 0.5 des kostenlosen Open-Source-Messengers Miranda veröffentlicht worden. Die behebt einen Haufen Fehler des Vorgängers und fügt vor allem Unicode-Unterstützung (für verschiedene Schriften und Sprachen), ein besseres Avatar-Handling und eine Reihe kleinerer Optionen hinzu.

Miranda ist ein sogenannter Multi-Protokoll-Messenger, bei dem sich verschiedene Messenger-Ansätze unter einem Softwaredach versammeln. Miranda kann so gleichzeitig mit dem MSN- und Yahoo-Messenger, AIM, ICQ, Jabber, IRC und einigen anderen Programmen kommunizieren und ist über Plugins erweiterbar.

Miranda ist besonders ressourcenschonend - die Setup-Datei ist gerade einmal ein Megabyte groß – und bietet viele Möglichkeiten, die die anderen Messenger nicht draufhaben. Deshalb wird der Multi-Messenger gerne von Vielchattern und auf schwächeren Computern eingesetzt.

Ein anderer, (in der Vollversion aber kostenpflichtiger) Multi-Protokoll-Messenger ist Trillian, der zudem Video- und Voicechat anbietet.

Amazon Noir – The Big Book Crime

Wie widersprüchlich das Urheberrecht angewendet wird, will die Kunstgruppe ubermorgen.com mit einer Online-Arbeit hinterfragen, für die sie ein Stipendium über 10.000 Euro vom Edith-Ruß-Haus für Medienkunst bewilligt bekommen hat. Dazu wollen die Künstler urheberrechtlich geschützte Bücher im Rahmen eines "Film Noir"-Plots mitsamt Protagonisten legal von Amazon.com entwenden und daraufhin verbreiten. Ein Software-Bot soll die "Search Inside the Book"-Funktion, mit der man nach Textpassagen in Büchern suchen kann, überlisten und so komplette Bücher aus dem Netz laden, wie die Website des Edith-Ruß-Hauses ankündigt.

Die Gruppe ubermorgen.com, allen voran ihr Gründer Hans Bernhard, ist in der Vergangenheit bereits mehrfach wegen provokanter Medien- und Internetaktionen aufgefallen. So versteigerte sie im Jahr 2000 Wählerstimmen, wird in etwas über 200 Millionen Jahren Google besitzen ( Google will eat itself) und hackte die Medien mit gefakten Videos um auf Bürgerrechte, Patent- und Urheberrecht, und Probleme um Konsum und Demokratie im digitalen Zeitalter aufmerksam zu machen.

200 Millionen Firefox Downloads

Mit bunter Kindergeburtstags-Optik feiert die "Spread Firefox"-Community den 200-millionsten Download des Open-Source-Browsers: "We did it – no stopping us now!" Wer selber mitzählen will, kann zum Beispiel bei Matthew Lesh einen Firefox-Counter anschauen und bei sich auf der Website einbauen.

MySpace für Alte

Eine Social-Networking-Seite im Stil des unter Teenagern und jungen Erwachsenen enorm beliebten MySpace.com ist laut Reuters am Montag online gegangen – und wendet sich unter anderem mit einer Nachruf-Datenbank und Benachrichtigungen bei Todesfällen in der Friends-List an ein Publikum, das älter als 50 Jahre ist. Jeff Taylor, Gründer von Eons.com, der zuvor die Internet-Jobbörse Monster.com aufbaute, sieht im Tod ein wachsendes Geschäft: 2005 starben 2,4 Millionen Leute in den Vereinigten Staaten, 2002 nur 2,2 Millionen. Bis 2049 sollen 4,1 Millionen Menschen jährlich in den USA sterben – eine wirklich gute Nachricht, Herr Taylor.

Aber Eons.com ist natürlich keine schlechte Sache – gerade unter Älteren könnten Online-Communitys eine Menge gegen Einsamkeit und Isolation helfen. Je weniger man körperlich mobil ist, desto wertvoller wird das Internet als Kommunikations- und Hilfsmittel. Zusätzlich zum Community-Aspekt bietet Eons.com auf Senioren ausgerichtete News, Hirn-Jogging-Angebote und – ist das jetzt ein Spaß? – einen Lebenszeit-Rechner, mit dem man herausfinden kann, wie lange man noch zu leben hat. Im Falle des (unter Testbedingungen 73 Jahre alten) Autors war die Lebenszeit bereits überschritten: "Ihre berechnete Lebenserwartung ist gleich oder kleiner als ihr aktuelles Alter. Sie müssen spektakuläre Gene haben" – oder einfach nur geschummelt…



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