Netzwelt-Ticker Apple gegen Apple

Alle Jahre wieder verklagt die Firma Apple (das Plattenlabel der Beatles) die Firma Apple (Computers). Und diesmal geht es nicht um Peanuts: Apple will Apple den Verkauf von Musik verbieten.  Außerdem im Überblick: Telefone für E.T., MS bedroht Linux und mehr.


Beatles klagen gegen Apple

Ein alter, millionenschwerer Streit zwischen Apple Computer, den iPod-Erfindern und Apple Corps, der einstigen Platten- und heutigen Multimedia-Firma der Beatles kocht wieder hoch, berichtet Times Online. Apple, so die andere Firma namens Apple, verstoße mit der Einführung von iTunes gegen eine alte, 26 Millionen Dollar teure außergerichtlichen Einigung, die es Apple Computer verbietet, im Musik-Geschäft mitzumischen. Seit 1968 benutzen die Beatles für ihre Medien-Firma Apple Corps den Apfel (einen Granny Smith) als Logo.

Beatles: Ihre alte Plattenfirma stürzt sich regelmäßig mit viel "Yeah, Yeah, Yeah!" auf die Computerfirma Apple
Apple Corps Ltd.

Beatles: Ihre alte Plattenfirma stürzt sich regelmäßig mit viel "Yeah, Yeah, Yeah!" auf die Computerfirma Apple

1981, fünf Jahre nach der Gründung von Apple Computers, verklagten die Beatles das Startup, Jobs zahlte 80.000 Dollar Abfindung und musste erstmals versprechen, die Finger von der Musik zu lassen. Als Apple dann 1989 doch ein Musikprogramm veröffentlichte, gab's noch einen drauf: 26 Millionen Dollar. Apple Corps wurden Rechte auf "kreative Werke, deren prinzipieller Inhalt Musik ist", zugesprochen, Apple Computer "Güter und Dienste… die dazu dienen, diesen Inhalt zu reproduzieren, abzuspielen, oder sonstwie zu übertragen." Sprich: Apple darf einen iPod herausbringen, aber kein iTunes. Wenn, und das wird die Entscheidung des Gerichts spannend machen, wenn nicht ein Passus sich auf "physikalische Medien" beziehen würde. Und ob der Internet-Vertrieb von Musik nun etwas mit "physikalischen Medien" zu tun hat oder nicht, ist wohl wieder eine Frage mit Millionenwert...

Brasilien will an Orkut-Daten

Im Rahmen einer Ermittlung der Nicht-Regierungs-Organisation Safernet gegen Pädo-Pornografie, Hetzreden und Befürwortung von Gewalt im Internet wollen brasilianische Behörden nun die Nutzerdaten von auffällig gewordenen Usern des Social-Networks Orkut.com vom Betreiber Google erfahren. Wie Reuters weiter schreibt, zeige sich Google Brasil an einer Aufklärung interessiert und versprach, mit den Ermittlern zusammenzuarbeiten.

Googles Freunde-Netzwerk Orkut verzeichnet bereits fast 15 Millionen Mitglieder, 70 Prozent davon bezeichnen sich selbst als Brasilianer. In vielen Profilen werden pornographische, gewaltverherrlichende oder diskriminierende Bilder und Texte veröffentlicht. Eine Kontrolle ist ob des großen Zuspruches ähnlich wie bei MySpace.com kaum möglich, jedes gelöschte Profil ist in kürzester Zeit unter einem neuen Namen online. Auch wenn viele Kritiker ein Vorgehen in Netzwerken wie Orkut oder MySpace.com gegen illegale Betätigungen als richtig ansehen, weisen sie darauf hin, dass dies keine Internet-Phänomene sind, sondern diese Netzwerke auch "nur" die Realität abbilden – und deren Mängel und Vorzüge nur übersetzen und beschleunigt darstellen.

Altavista-Erfinder Paul Flaherty ist tot

Wie jetzt bekannt geworden ist, verstarb Paul Flaherty, ein Gründer der Altavista-Suchmaschine, am 16. März im Alter von 42 Jahren in Belmont, Kalifornien an einem Herzinfarkt. Flahertys Idee, Webseiten zu indizieren, machte Altavista zu einer der beliebtesten Suchmaschinen Mitte der Neunziger. Er arbeitete als Forschungs-Ingenieur der Digital Equipment Corporation in Palo Alto, als er zusammen mit zwei Kollegen 1995 die Altavista-Technik entwickelte. Die Seite ging 1995 online und verarbeitete innerhalb weniger Wochen mehrere Millionen Suchen pro Tag. 1999 trennte sich Altavista von Digital Equipment und ging als private Firma in den Markt. Flaherty zeichnete dort zunächst als Geschäftsführer für technische Strategie verantwortlich und verließ das Unternehmen 2000, um als Berater tätig zu werden. Bis zu seinem Tod war er stellvertretender Geschäftsführer für Produkt-Entwicklung bei TalkPlus, einem Hersteller von Software für Telekommunikation. Sein ehemaliger Arbeitgeber richtete Flaherty eine Gedenkseite ein.

Ballmer droht Linux mit Patentklagen

Was will Microsoft mit bald zehntausend Computerpatenten, fragten neulich noch unbedarfte Surfer. Doch was erst Gegner von Softwarepatenten ahnten, dürfte nun in der Breite ankommen: Patente werden zum scharfen Schwert im Kampf um Hegemonie.

Ganz aktuell droht nun Microsoft-Chef Steve Ballmer  Linux mit Patentklagen. Wer als Anwender weiterhin auf Linux setze, so die eigentliche Botschaft, der setzt auf ein gesundes, aber bald totes Pferd.

Zwar äußert sich Ballmer nur sehr vorsichtig: "Nun, ich glaube es gibt Experten, die sagen, dass Linux unser geistiges Eigentum verletze." Weiterhin sei es den Aktionären geschuldet, gegen solche Verstoße vorzugehen. Diese Kommentare reihen sich ein in eine lange Liste von Drohungen gegen die OpenSource-Szene, deren GNU-Lizenz Ballmer auch schon als Krebsgeschwür bezeichnete, da es (so das GNU-Prinzip) alle Entwicklungen "befalle", die mit ihm in Berührung kommen. Microsoft besitzt bereits 4000 Patente, 3000 weitere sind bereits beantragt. Darunter Doppelklicks, das weit verbreitete FAT-Dateisystem und andere grundlegende Techniken, wie Heise in einem älteren Artikel beschreibt.

Seti@home braucht Geld

ET braucht ein Telefon und Seti@home schlappe 750.000 Dollar, um in weitere Projekte für die Suche nach extraterristrischem Leben investieren zu können. Konkret: ein neuer, besserer Client muss her, ein neuer "Multi-Beam-Recorder" um vom besseren 7-beam ALFA-Empfänger Arecipo profitieren zu können, ein neuer "Near-Time-Persistency"-Checker und letztlich eine neue Anwendung namens Astropuls, die Signale aus dem All auf eine andere Weise als bisher analysiert. Dazu ist viel Geld nötig, seit letzten September sind bereits fast 160.000 Dollar eingegangen, mindestens 600.000 Dollar mehr werden gebraucht. Der Anreiz dürfte klar sein: Wer als erster Kontakt mit einer außerirdischen Zivilisation aufnimmt, erntet Weltruhm. Wobei ich mir ja schon länger die Frage stelle, ob Außerirdische, die unser Erd-Rauschen irgendwann mal empfangen, dann auch von der GEZ Besuch bekommen, weil sie unser Radio– und Fernsehprogramm mitlauschten?

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