Netzwelt-Ticker Apple liefert iPods mit Wurm aus

Würmer kann man sich nicht nur im Internet holen, sondern auch von einem nagelneuen iPod Video. Außerdem im täglichen Nachrichtenüberblick: Universal verklagt zwei kleinere Videoportale, und ein DNA-Computer spielt Tic Tac Toe.


Windows-Virus von Apple

In einer Meldung vom Dienstag hat Apple darauf hingewiesen, dass einige wenige ausgelieferte Video-iPods vom Windows-Virus RavMonE befallen sind. Bislang seien weniger als 25 Infektionsfälle bekannt geworden. Der Wurm schade ausschließlich Windows-Maschinen, Macs oder gar der iPod selbst seien nicht gefährdet. Der Virus stelle weiterhin keine unmittelbare Gefahr dar, sondern "senke nur die allgemeine Sicherheit des Systems".

iPod Video: Wurm inklusive
REUTERS

iPod Video: Wurm inklusive

Zukünftig, so Apples Vizepräsident Greg Joswiak gegenüber CNET News.com, werde so etwas nicht mehr passieren – allerdings sei man auch etwas sauer auf Windows, das nicht genug abgesichert gegen solche Viren sei. Angeblich soll ein verseuchter PC bei einem der Hersteller, die den iPod in Apples Auftrag montieren, Schuld an der Infektion sein. Joswiaks Kommentar brachte den ZDNet-Blogger George OU auf die Palme : "Mit einer ekelhaften Arroganz und Unehrlichkeit hat Apple nach der Auslieferung von virenverseuchten Video iPods Microsoft beschuldigt, nicht abgebrüht genug gegen solche Gefahren zu sein."

Universal Gruppe verklagt zwei Videosharing-Seiten

Die Universal Music Gruppe verklagt die Betreiber der Videosharing-Seiten www.Bolt.com und www.Grouper.com , da diese Universal-Videos ohne Copyright vervielfältigten. Brisant: Sony Pictures Entertainment kaufte Grouper im August für 65 Millionen Dollar, Sony könnte nun als Verteidiger in diesem Fall auftreten, da das Unternehmen Einnahmen durch die Verbreitung von Werken eines anderen Publishers hatte.

Die Nachrichtenagentur AP berichtet, Universal habe zuvor bereits eine Abmachung mit YouTube getroffen, wie man weiterhin mit Musikvideos vorgehen solle, ein ähnliches Abkommen habe Universal mit Bolt.com und Grouper.com vergeblich eingehen wollen. Nun werde eben der Rechtsweg gegangen.

150.000 Dollar pro urheberrechtlich geschütztem Werk oder Schadensersatz für entgangene Profite mit dem geschützten Material sollen die Angeklagten zahlen. Bolt.com wartet noch auf die Anklageschrift, beteuert aber, dass man immer mit Musikfirmen kooperiere, die Copyright-Verletzungen zu beklagen hätten.

Neues Battlefield-Spiel mit Zwangs-Spyware?

Glaubt man dem Podcast von Computer Gaming World auf 1Up.com, wird das bald erscheinende Computerspiele Battlefield 2142 den Spieler per Spyware aushorchen, um besser Werbung im Spiel plazieren zu können. Ein Ausdruck weise darauf hin, dass Battlefield 2142 Überwachungssoftware mitinstalliert, die vermeintlich anonyme Informationen wie IP-Adresse, Surfverhalten und andere Computer-Gewohnheiten sammelt und diese Daten an Werbefirmen und -Server sendet, die die In-Game-Werbungen platzieren.

In-Game-Werbung ist ein stark wachsender Markt. Immer mehr Spiele werden damit zugekleistert. Viele Spieler finden das aber nicht schlimm, erhöht es doch den Realismus der Spiele.

Musikindustrie setzt Angstkampagne fort

Mit insgesamt 8000 neuen Klagen will der Internationale Verband der phonografischen Industrie (IFPI) gegen angebliche Filesharer weltweit vorgehen und "User dazu ermuntern, legale Downloaddienste zu verwenden", so ein Bericht der Nachrichtenagentur Reuters. Am Dienstag gab die IFPI an, die neuen Fälle verteilen sich auf 17 Länder, zum ersten Mal darunter auch Brasilien, Mexiko und Polen. Allein in Brasilien seien im vergangenen Jahr angeblich eine Milliarde Songs illegal heruntergeladen worden, weltweit waren es angeblich 20 Milliarden.

In den letzten Jahren hat die Musikindustrie 31.000 Klagen vorgebracht – mit 18.000 entfallen dabei über die Hälfte auf die Vereinigten Staaten, der Rest verteilt sich über die ganze Welt.

Filter – Kopierfilm ohne Original

Mit seinem Kunstfilm "Filter" spielt der Schwedische Videokünstler Anders Weberg mit dem Begriff des "Originals" und der Kurzlebigkeit von digitalen Medien, schreibt Gulli.com. Seine Idee ist sehr simpel: Weberg konzipierte, filmte und schnitt einen Film, den er über BitTorrent und andere Filesharing-Seiten verbreitete – um dann sein Original und alles verwendete Material zu löschen, sobald ein User den Film erfolgreich heruntergeladen hatte und selbst zum Download anbot. Am 15. September entließ Weberg sein Werk in die Freiheit, noch am selben Tag konnte er es von seiner Festplatte löschen.

DNA-Computer unschlagbar in Tic Tac Toe

Eigentlich stellt man sich Meilensteine ja ein wenig spektakulärer vor. Doch MAYA-II, ein Computer, den Forscher der Universität von Columbia und der Universität von New Mexico entwickelt haben, löst weder letzte Fragen, noch erlöst er uns von Hunger und Krieg. Dafür ist er laut New Scientists Tech unschlagbar in Sachen Tic Tac Toe – und das alles auf Basis von DNA Logik-Gattern. Das gab es zwar so ähnlich schon zuvor, doch im Unterschied zu ersten Versuchen kann der menschliche Spieler immerhin zu Beginn sein Zeichen in eines von allen neun Feldern machen, anstatt sich auf nur zwei beschränken zu müssen. Die MAYA-II-Entwickler sagen außerdem, dass ihr Design sich als besonders praktisch bei der Identifikation von genetischen Markern bezüglich bestimmter Krankheiten herausstellen könnte. Also doch ein Schritt in Richtung Rettung der Welt und Beantwortung letzter Fragen.

Web 1.0 vs. Web 2.0

Viel Blödsinn wird über die Zukunft des Internets orakelt. Und nicht minder schlimm ist, wie die Geschichte der Netzinhalte versuchsweise geordnet wird. Web 2.0 bringt es auf den Punkt: Man kann sich praktisch alles drunter vorstellen, irgendwie sind YouTube und Google dafür typisch und reduziertes Website-Design passt auch ganz gut dazu. Doch was steckt nun wirklich hinter dem Ordnungsbegriff Web 2.0? Jeffrey Zeldman, Webdesigner aus New York, stellt sich selbst diese Frage, gab ein paar Antworten und befragte seine Leserschaft. Heraus kam eine lange, reichlich lustige Liste von Enthüllungen, wie doof doch eigentlich der Web-2.0-Begriff ist…

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