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Netzwelt-Ticker: Bono, erlöse uns von DRM!

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Per Online-Petition hoffen Kopierschutzgegner, den Rockstar Bono (U2) gegen DRM-Maßnahmen mobilisieren zu können. Außerdem im Überblick: China intensiviert Web-Zensur, US-Angeordnete verlangen Datenspeicherung bei MySpace, ein geklauter Laptop mit Boomerang-Effekt und mehr.

Bono, tu was!

Wegen seines Rufes als engagierter Fürsprecher für alle möglichen Minderheiten-, Dritte-Welt- und Bürgerrechtsinteressen bekommt der irische Rockstar Bono Vox (U2) nun Post von der Free Software Foundation (fsf). Die schickte eine Online-Petition auf den Weg, die den Liebhaber seltsamer Sonnenbrillen und sozialer Themen dazu bewegen soll, sich gegen Kopierschutzmaßnahmen (DRM) auszusprechen. Denn die schränkten schließlich die Rechte der Konsumenten ein.

Bono, Sänger der Band U2 und Lobbyist in Sachen Humanität: Seit Jahren öfter mit Kofi Annan, Angela Merkel oder George W. Bush zu sehen als auf der Bühne
DPA

Bono, Sänger der Band U2 und Lobbyist in Sachen Humanität: Seit Jahren öfter mit Kofi Annan, Angela Merkel oder George W. Bush zu sehen als auf der Bühne

Wie Bono zu dem Thema steht, ist bisher nicht bekannt. Zumindest offiziell wenig begeistert zeigte der sich allerdings, als im Vorfeld der Veröffentlichung der letzten U2-CD "How To Dismantle an Atomic Bomb" eine Kopie des Albums in P2P-Netzen die Runde machte - angeblich aus einem Studio gestohlen. Große Konsequenzen hatte das allerdings kaum welche, die Umstände des angeblichen Diebstahls waren höchst obskur und auch die Band unternahm wenig in der Sache: In den folgenden Wochen kamen darum schnell Gerüchte auf, die Band selbst habe den P2P-"Leak" organisiert, um für ihre Scheibe Werbung zu machen.

Die fsf jedenfalls widmet der Bono-Petition eine Sonderseite auf ihrer Kampagnenseite "defective by design", der Kampagne gegen DRM. Ob die das wirklich wagen, nur um in ein paar Tagen melden zu müssen, Bono habe keine Lust, dort mitzumachen? Oder will da vielleicht einfach jemand gebeten werden?

US-Kongress drängt auf Datenspeicherung bei MySpace

Die neuen Sicherheitsmaßnahmen, die MySpace nach massiver Kritik in den letzten Monaten, die Social-Networking-Seite sei nicht zuletzt auch ein Jagdgrund für Pädophile, gehen US-Kongressabgeordneten nicht weit genug. Analog zur Vorratsdatenspeicherung bei Internet-Providern, die die Aktivitäten ihrer Kunden protokollieren und archivieren sollen, drängt eine Gruppe um die Angeordnete Diana DeGette auf eine entsprechende Archivierung auch bei MySpace und Co.

Die, machte ein Sprecher der MySpace-Mutterfirma Fox Interactive Media im Rahmen eines Kongress-Hearings klar, finde längst statt: Sie helfe bei der Bekämpfung von Musikpiraterie. Jetzt steht die Frage im Raum, ob und in welchem Maße sich die IP-Daten und damit verbundene Indentifizierungen der User längerfristig archivieren ließen. DeGettes direkte Frage an Vertreter von Fox, Xanga und Facebook blieb bisher ohne Antwort: "Werden Sie die Daten dauerhaft speichern?"

China verschärft Web-Überwachung

Im ersten Augenblick klingt es wie eine Tugend-Offensive, aber der Eindruck dürfte wohl täuschen: China will seine Kontrollen gegen "illegale und ungesunde", gegen "anstößige, unmoralische und subversive" Web-Angebote intensivieren. Gemeint ist damit natürlich auch der übliche Internet-Schmuddelkram, der dem Regime in Peking genau wie die blühende Online-Spielekultur durchaus ein Dorn im Auge ist. Vor allem aber beschreiben die Begriffe eines: Inhalte, die Peking aus ideologischen Gründen nicht passen.

So soll nun verstärkt an Filtertechniken gearbeitet werden, die politisch subversive Inhalte unterdrücken sollen. Vor allem zielt Peking auf die mit geschätzt 37 Millionen überaus große Zahl der chinesischen Weblogs, die oft als Instrument zur freien wie oppositionellen Meinungsäußerung genutzt werden. Hier soll ein bisher nicht näher spezifizierter Anforderungskatalog helfen, an dem sich die Blogger künftig messen lassen müssen. Verschärfte Kontrollen sollen dann zur unkomplizierten und schnellen Schließung missliebiger Blogs beitragen.

Geklauter Laptop ist wieder da

Der Anfang Mai entwendete Laptop mit persönlichen Daten von rund 26 Millionen amerikanischen Militär-Veteranen ist wieder aufgetaucht. Die Nachricht hatte in den USA für einige Unruhe gesorgt: Weil neben Namen und Adressen auch Sozialversicherungsnummern der Veteranen auf dem Rechner gespeichert waren, befürchteten Experten eine Welle von Betrugsfällen. In dieser Hinsicht gab das FBI nun Entwarnung: Die Daten auf dem Laptop seien unangetastet und hätten den Dieb offenbar nicht interessiert.

Zurückgekehrt war der Rechner von ganz alleine: Eine nicht identifizierte Person hatte das im Rahmen eines Einbruchs entwendete Gerät freiwillig und persönlich ins FBI-Büro in Baltimore gebracht. Gegen diesen Finder sei keine Anklage erhoben worden, hieß es von Seiten der Behörde. Auch darüber, wo und bei wem sich der Laptop seit dem Diebstahl befunden hätte, lägen keine Erkenntnisse vor.

Rieche doch mal

Jetzt ist es amtlich: Alle Jahre wieder dient als sicherer Indikator für den Beginn des Nachrichten-Sommerlochs in der IT-Welt eine frische Meldung über Riech-Fernseher, Geruchs-PC und ähnliches. Dieses Jahr erfolgt der entsprechende Durchbruch am Tokyo Institute of Technology, berichtet der "New Scientist".

Forscher dort sollen einen Apparat erfunden haben, der Gerüche nicht nur wiedergeben, sondern auch aufnehmen kann. Das soll nicht nur das TV-Erlebnis vertiefen (denkbar wären dann ja zutiefst erschütternde Reportagen wie "Die Kloaken von Kalkutta"), sondern könnte auch in der Medizintechnik Anwendung finden: Ärzte könnten so in Ferndiagnose den Geruch von Blut, Urin oder Gallenflüssigkeit überprüfen. Wer hat je behauptet, Mediziner sei ein Traumberuf?

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